Diverse Süßigkeiten
Gerade Süßigkeiten sind oft mehrfach verpackt. Ist das wirklich notwendig? Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 19.02.2019 Warum ist so viel Verpackung um Pralinen und Süßigkeiten herum?

Warum ist so viel Verpackung um Pralinen und Süßigkeiten herum? Noch eine Folie, noch ein Polster, beschichtete Materialien, Aluminiumfolien… Lässt sich das nicht umweltfreundlicher lösen? Das wollte Christina Martin aus Großrudestedt von uns wissen.

von Thomas Becker

Diverse Süßigkeiten
Gerade Süßigkeiten sind oft mehrfach verpackt. Ist das wirklich notwendig? Bildrechte: IMAGO

So eine kleine süße Versuchung zwischendurch… Ausgewickelt ist so eine Praline oder wie auch immer das Naschwerk heißt, recht schnell. Nicht ganz so schnell geht es, wenn es um die Beantwortung von ein paar Verpackungsfragen geht. Denn gerade die berühmte Piemont-Kirsche, eine eingetragene Marke, aber nicht etwa eine besonders edle Fruchtsorte, braucht offenbar sehr viel Schutz. Zumindest zum Teil. Denn reihenweise kommt die Süßigkeit relativ nackt daher und liegt völlig entkleidet in der Schachtel. Daneben erstrahlt eine offenbar schamhafte Reihe, die bis zum Hals verhüllt ist.

Da hätten wir schon gern die "amtliche" Bestätigung gehabt, dass das weniger mit Frische oder Schutz zu tun hat, sondern allenfalls mit der Gesamtoptik. Aus dem Hause Heinerle-Berggold hingegen haben wir die hochoffizielle Bestätigung bekommen, dass wir alle mit Schuld sind am Verpackungswahn. Hochwertige Produkte und auch die, die wir dafür halten, die müssen eben auch etwas hermachen. Da sind wir ein bisschen wie die Elstern.

Bei einem hochwertigen Produkt erwartet der Kunde auch nicht, dass es einfach verpackt ist.

Lisa Schreck, Marketing-Managerin  Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH

Trotzdem macht man sich bei Berggold viele Gedanken um die Verpackung, so Sprecherin Lisa Schreck. Zum Beispiel will man auf die äußeren Folien komplett verzichten, also auf die, die mitunter mit dem kleinen dünnen Aufreißfaden versehen sind und schon so dünn daher kommen, dass das "Aufreißen" als einzige Entfernungsmöglichkeit verbleibt. Darunter wäre es natürlich schon, wenn wir - ganz öko - schicke, aber recycelte Pappe vorfinden würden, doch das ist keine gute Idee. Denn "Altpapier" einschließlich Zeitungen und Co. ist eben keine Frischware. Da ist alles drin, einschließlich der Rückstände von mineralölhaltigen Druckfarben, die dann die Stiftung Warentest in Adventskalender-Süßigkeiten wiederfindet.

Stoßdämpfung für Pralinen

Also gilt es, die Pappe aus frischen Fasern herzustellen und dann natürlich Farben zu nutzen, die unbedenklich sind. Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass Pralinen nicht direkt in die Pappe gelegt werden sollten. Einerseits, um ein Austrocknen oder Einfetten des Kartons zu verhindern. Und andererseits ist auch eine Stoßdämpfung ratsam, sonst findet der Kunde nämlich nur noch Pralinensalat vor. Die Kunststoffschalen sind aktuell nahezu alternativlos und können zum Beispiel auch direkt mit einer aufgebrachten Folie abgeschlossen werden. Damit ist das Produkt quasi eindimensional versiegelt, ohne dass die Pappschachtel außen selbst noch einmal komplett mit einer Folie umgeben ist. Und wenn die verwendeten Materialien ohne extra Beschichtungen auskommen - Stichwort Aluminium - hat das neben dem Umweltaspekt und der Recyclingfähigkeit noch einen weiteren Vorteil. In der Qualitätskontrolle ganz am Ende der Produktionskette kann die Schachtel mit Scannern auf Metallteilchen untersucht werden, das geht natürlich nicht so gut, wenn da ein Aludeckel im Spiel wäre.

Neben dem Austrocknen besteht für die ungeschützte Praline auch die Gefahr, dass sie den Geschmack ihrer Umgebung annimmt oder umgekehrt das eigene Aroma an die Nachbarn im Supermarkregal weitergibt. Auch keine schöne Vorstellung. Weiterhin müssen Temperaturschwankungen fern gehalten werden und kleines Krabbelgetier ebenfalls.

Unterm Strich muss eine Praline aber nicht nur nach sich selbst schmecken, sie muss auch glänzen und in Form bleiben und so frisch wie am Produktionstag. Diese ganzen Aufgaben warten also auf die Forscher, die sich mit Verpackungen beschäftigen, die sich möglichst in Luft auflösen, wenn die Pralinenschachtel leer ist. Und zwar rückstandsfrei. Das ist so ungefähr zumindest der Verbraucherwunsch.

Da ist noch viel Forschung notwendig. Das müsste sich um eine Verpackung handeln, die sich in CO2 und Wasser zersetzt. Das sind sehr teure Materialien, die sich schwer verarbeiten lassen und ob diese für Schokolade geeignet sind, ist eine andere Frage.

Sven Sängerlaub Geschäftsfeldmanager Verpackung am Fraunhofer-Institut

Also ideal ist aktuell ein Kunststoff, der kein Verbundstoff ist, sondern aus einem Material besteht, das recyclingfähig ist. Polypropylen war da der Vorschlag von Sven Sängerlaub - gelber Sack, einschmelzen, fertig. Und bei allem verächtlichen Blick auf die Verpackung darf man auch eines nicht vergessen: Schokolade ist ein Luxusprodukt, das auch - wenn es sich um hochwertige Schokolade handelt - aus hochwertigen Rohstoffen mit nicht wenig Aufwand hergestellt wird. Und das wäre alles für umsonst gewesen, wenn die Verpackung versagt. Und das hat sie zum Beispiel, wenn die Praline einfach nur noch unschön aussieht, weil Zuckerkristalle oder Kakaobutter an die Oberfläche gelangt sind. Zwar können wir auf vielen Packungen lesen, dass sie immer noch genauso gut schmeckt wie ohne Flecken, aber das mitessende Auge ist da anderer Meinung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 19. Februar 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 18:22 Uhr

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2 Kommentare

20.02.2019 16:24 Hobosapiens 2

...es war auch hin immer so... früher war alles besser...früher hätte es das nicht gegeben...

19.02.2019 17:40 Es war schon immer so.... 1

... dass sich die Menschen blenden lassen - von schönen Verpackungen, vom "Schöntun" und "Schönreden". Am Ende hat man den "größten Mist" erworben und ärgert sich.
Schaut mal in die Einkaufstempel, wie hübsch dort alles hergerichtet ist, um an unser Geld zu kommen. Da ist nichts zu teuer.
Also vorher überlegen, ob man das wirklich braucht!