Der Redakteur | 30.04.2019 Wie regeln Versicherungen die Schäden einer Massenkarambolage?

In den vergangenen Tagen haben sich drei folgenschwere Massenkarambolagen auf Autobahnen in Thüringen ereignet. Wolfgang Hartung aus Südthüringen möchte nun wissen: Wie ist das nach den Massenkarambolagen mit der Versicherung? Es lassen sich doch in dem Chaos weder ein Verursacher feststellen, noch die Frage klären, welche Versicherung nun für welches Auto aufkommt!

Plötzlich war es spiegelglatt im April: Der Schock dürfte noch tief sitzen bei den Betroffenen des Massenunfalls auf der A71 bei Suhl. Rund 50 Fahrzeuge waren ineinander gerast, nachdem ein Hagelschauer innerhalb von Sekunden die Autobahn in eine Eisfläche verwandelt hatte. Aber die Zahl der Fahrzeuge alleine ist nicht entscheidend für das Kriterium "Massenunfall". 2015 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Kriterien noch einmal modifiziert, die aus Versicherungssicht für ein solches Ereignis gelten.

  1. Es darf die Polizei keinen Verursacher festgestellt haben.
  2. Es müssen mindestens 40 Fahrzeuge beteiligt gewesen sein - mit der kleinen Ausnahme, wenn der Unfallhergang nur schwer nachvollziehbar ist, "reichen" bereits 20 Fahrzeuge.
  3. Das gesamte Unfallgeschehen muss in einem engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang stattgefunden haben.

Wenn ein Unfall in den Verdacht gerät, diese Kriterien zu erfüllen, dann wartet der Verband die Einschätzungen der Polizei ab. Liegen diese vor, tagt das zuständige Gremium und entscheidet ziemlich zügig, wie verfahren wird. Im Falle des Unfalls auf der A71 bei Suhl am Sonntag haben die Versicherer schon zwei Tage später diesen als Massenunfall eingestuft. Deshalb haben die Beteiligten nun im wahrsten Sinne des Wortes "Glück im Unglück", denn der einzige Ansprechpartner ist nun die eigene Haftpflichtversicherung. Und diese erstattet den kompletten eigenen Schaden in voller Höhe und das unabhängig davon, ob eine Kasko-Versicherung besteht oder nicht. Das ist ein ganz großer Unterschied zu einem "normalen" Unfall mit eigener (Teil-)Schuld. Auch der übliche Selbstbehalt bei Kaskoschäden entfällt.

Es gibt auch keine die Hochstufung in der Haftpflichtversicherung in einem solchen Fall.

Kathrin Jarosch, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.

Guten Nachrichten also nach dem großen Schockmoment, und die Beteiligten an dem Unfall in Suhl hatten - bei aller Tragik - ohnehin schon ziemliches Glück gehabt. Das jedenfalls ist die Einschätzung des Feuerwehrchefs von Meiningen, der als einer der Ersten am Unfallort war. Es geschah nämlich an einem Sonntag, als plötzlich dutzende Fahrzeuge teilweise über mehrere hundert Meter quasi führerlos weiterrutschten. Wäre das an einem Wochentag passiert, dann wären wohl einige Lkw mittendrin gewesen oder - noch schlimmer vielleicht - dahinter. Nicht auszudenken, was das dann für Folgen gehabt hätte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 30. April 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 17:00 Uhr

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