Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz
Schüler demonstrieren in Jena für mehr Klimaschutz Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Der Redakteur | 22.03.2019 Warum "dürfen" manche Schüler zu den Freitagsdemos, andere nicht?

Katrin aus Weimar fragt: "Warum werden die Freitagsdemos von jeder Schule anders gehandhabt? Manche Schüler dürfen gehen, bei anderen ist es unentschuldigtes Fehlen. Könnte man nicht eine einheitliche Lösung finden?"

von Thomas Becker

Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz
Schüler demonstrieren in Jena für mehr Klimaschutz Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Freitag ab eins … so ist es natürlich nicht, aber trotzdem kann freitags zu Demozeiten jede Schule so ein bisschen machen, was sie will. "Eigenverantwortliche Schule" ist das Stichwort, das dahintersteht. Das kann man positiv sehen oder nicht. Wer die Ansagen "von oben" mag, wird sich darüber weniger freuen. Die Lehrer sind jedenfalls hin- und hergerissen und auch unterschiedlicher Meinung.

Wenn die Schulen da Lösungen finden, finde ich das gut. Ich finde es aber schade, dass Schulen damit immer alleine gelassen werden. Immer wenn es schwierige Entscheidungen gibt, sagt man: Die Schulen sind eigenverantwortlich.

Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes

Rolf Busch stellt – wie andere auch – die Terminfrage und zwar mit Blick in Richtung der medialen Gesellschaft, warum ein Thema am Wochenende vielleicht weniger Aufmerksamkeit hat als in der Woche. Andererseits muss es auch ein bisschen wehtun. Ein Streik nach Feierabend ist schließlich auch weniger nachdrücklich und sinnvoll als einer während der Arbeitszeit. Eine einheitliche Meinung gibt es dazu auch unter Thüringer Lehrern nicht.

Schüler ziehen durch Gera mit Protestplakten und demonstrieren für mehr Klimaschutz.
Mit Protestplakten zogen Schüler auch durch Gera. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Das in Thüringen für Bildung zuständige Ministerium freut sich über das Engagement der Schüler und hofft auf kreative Ideen vor Ort, wie trotzdem Schul-, Aufsichts- und Fürsorgepflicht angemessen berücksichtigt werden können. Eine Ansage "von oben" sei jedenfalls nicht geplant und es entspräche auch nicht der Arbeitsweise des Ministeriums, irgendwelche zentralistischen Vorgaben zu machen.

Wir denken, dass das auch im Sinne der Initiatoren der Demos sein müsste, dass wir jetzt keine Debatte über die Schulpflicht führen, sondern eine Debatte, was können wir für den Klimaschutz tun. Über Projektwochen oder ganz konkrete Dinge, wie man den Schulalltag verändern kann. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg.

Frank Schenker, Pressesprecher des Thüringer Bildungsministeriums

Das ist auch der Ansatz von Frau Hunger aus Lucka, die angeregt hat, dass die Schüler bei der Gelegenheit auch über ihr eigenes Konsumverhalten nachdenken können. Stichwort Markenklamotten und immer das neueste Handy. Schließlich ist der sorgsame Umgang mit Ressourcen auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Ein anderer Vorschlag bezog sich darauf, man könnten im Rahmen der Demo auch gleich noch den Müll "netter Mitmenschen" aufsammeln. Ein Hörer bemängelte, dass zu wenig über das eigentliche Anliegen und die zum Teil sehr kreativen Ansätze auf den Plakaten berichtet wird.

Auch die bereits angesprochene rechtliche Frage spielte eine Rolle in den Meinungen, schließlich ist die Schule in der Schulzeit verantwortlich für die Sicherheit der Kinder und was ist, wenn etwas passiert. Einige Schulen reagierten darauf, dass die Kinder nur dann zu den Demonstrationen gelassen werden, wenn eine schriftliche Erlaubnis der Eltern vorliegt, die gleichzeitig auch den Vermerk "entschuldigtes Fehlen" auf dem Zeugnis nach sich zieht. Das ist für die Einen natürlich eine gut durchorganisierte typisch deutsche Lösung und für die Anderen ganz kurz vor dem Aufruf "Heraus zum 1. Mai".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 22. März 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 14:57 Uhr

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33 Kommentare

24.03.2019 14:35 martin 33

@28 sonja: Die DDR hatte Dank Margot das beste Bildungssystem der Welt? Äh, ich dachte Karneval ist vorbei ....

Unbestritten hatte das Bildungssystem in der DDR etliche Vorteile - es aber so über den grünen Klee zu loben, ist in meinen Augen entweder ziemlicher Blödsinn und/oder gewaltige Vergangenheitsbeschönigung. Demokratie lebt von der Äußerung der eigenen Meinung. Das entsprach nicht wirklich dem Bildungsideal der DDR und wurde übrigens auch von Finnland nicht übernommen.

24.03.2019 13:48 Fakt 32

>>Realist2014, #24:
"Der Blöde in diesem Land sind immer nur die arbeitenden Steuerzahler, besonders jene in mittleren Jahren."<<
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Aber wohl auch nur derjenige, der sich als "Blöder" fühlt.
Ich bin auch in den mittleren, sogar den "gehobenen mittleren" Jahren, zahle seit Jahrzehnten meine Steuern und finde die Aktionen der Jugendlichen trotzdem gut. Ich jammere aber auch nicht jedem Steuergroschen nach, den ich zahle. Das stets wiederkehrende Argument "meine Steuergelder" kann ich langsam nicht mehr hören; ist m. E. nur Gejammere der Dauernörgler.