Der Redakteur | 20.03.2019 Was bringt der Mobilfunkstandard 5G wirklich?

Roswitha Behrens aus Erfurt fragt: Was bringt 5G wirklich? Muss das Internet noch schneller werden? Hängt die Menschheit nicht schon genug an den Handys herum?

von Thomas Becker

Ein Handy vor einem dunklen Holzhintergrund.
Voller Mobilfunkempfang: Je nach Anbieter gibt es den nicht in jeder Region Deutschlands. Bildrechte: imago/Westend61

Das Handy – Fluch und Segen der Menschheit, festgewachsen an den Händen der jungen Generation. Und nun soll alles noch schneller gehen: HD-Filme landen in Sekunden auf dem Smartphone, die Auflösung der Spiele kann noch besser sein und jeder streamt alles Mögliche in Echtzeit in den sozialen Netzwerken. Dagegen ist die Videoüberwachung des öffentlichen Raumes Kinderkram. Aber das alles ist nur ein möglicherweise lästiger Nebeneffekt von 5G, dem Mobilfunkstandard der 5. Generation.

Wozu brauchen wir den neuen Mobilfunkstandard 5G?

Zwar ist es mitunter ärgerlich, wenn man in Deutschland von Funkloch zu Funkloch stolpert, aber diejenigen, die diese gern stopfen wollen, haben größeres im Sinn. Die Zukunft der völligen Vernetzung in Echtzeit. Vorbei bye bye Ladekringel. Aber wofür? Tut uns nicht etwas Geduld gut? Uns vielleicht, nicht aber der modernen Technik. Die selbstfahrenden Autos sind auf die Vernetzung untereinander angewiesen, das Warten auf das nächste Datenpaket ist da nur schwer vorstellbar. Auch die vernetzten Systeme in vollautomatischen Produktionsanlagen brauchen Signale in Echtzeit. Das gilt auch für die Steuerung von Verkehrssystemen, Drohnen aller Art, Überwachungssysteme (auch für Erdbeben und Tsunami) oder das Gesundheitswesen.

Der Chirurg in New York, eine Koryphäe seines Fachs, muss nämlich sicher sein können, dass seine Handgriffe am OP-Tisch im Kreiskrankenhaus im fernen Europa direkt ausgeführt werden. Natürlich ist 5G da nur ein Teil einer Gesamtstrategie und wird Glasfaser und Co. nicht überflüssig machen.

Wenn wir uns den Breitbandanbau insgesamt angucken, dann geht es um einen sinnvollen Technologiemix, also DSL, Kabel, Glasfaser und Mobilfunk. Alles trägt dazu bei, dass der Ausbau vorankommt.

Nick Kriegeskotte Leiter Bereich Telekommunikation beim Verband Bitkom

Versteigerung soll Wettbewerb sichern

Und all das zusammen ermöglicht erst die ganz neuen Anwendungen, von denen wir viele noch gar nicht kennen dürften. Willy Brandt wird beim Start des Farbfernsehens auch nicht daran gedacht haben, dass wenige Jahrzehnte später der Farbfernseher in der Hosentasche steckt oder metergroß und geplättet an der Wand hängt. Und dass die Frequenzen in Deutschland wieder versteigert werden, das hat etwas damit zu tun, dass sie ein rares Gut sind. Die Bundesnetzagentur sagt dazu:

Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative. Alles andere würde darauf hinauslaufen, dass die Behörde entscheidet, wer welche Frequenzen braucht. Das wäre Planwirtschaft, das wollen wir nicht.

Fiete Wulff Pressesprecher Bundesnetzagentur

Immerhin soll es ja Wettbewerb geben zwischen den einzelnen Anbietern. Das ist gut für die Preise und bringt auch Schwung in das Ideenkarussell. Trotzdem hat man – was die Versteigerungen angeht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Als im Jahre 2000 die UMTS (G3)-Frequenzen versteigert wurden, freute sich der Staat über Einnahmen von umgerechnet 50 Milliarden Euro. Da waren sich alle einig, das war zu viel und es zeigte sich auch, dass das Geld dann bei den Investitionen, also zum Beispiel bei den Sendemasten fehlte. Jetzt rechnen Experten mit Einnahmen von fünf bis sechs Milliarden Euro und das Geld soll zum Beispiel den Schulen helfen, ebenso vom technischen Fortschritt zu profitieren.

Ist Mobilfunkstrahlung gefährlich?

Nun haben wir uns zwar mittlerweile an das mobile Leben gewöhnt, trotzdem beschleicht viele nach wie vor ein ungutes Gefühl, was die Strahlung angeht. Hier sind wir im Aufgabenbereich des Bundesamtes für Strahlenschutz. Die Behörde schreibt auf Ihrer Website:

Erkenntnisse aus Studien, in denen mögliche Gesundheitswirkungen elektromagnetischer Felder des Mobilfunks untersucht wurden, können zu einem großen Teil auf 5G übertragen werden. So war beispielsweise das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm (DMF) so angelegt, dass dessen Erkenntnisse auch Aussagekraft für zukünftige technische Entwicklungen haben sollten.

Webseite Bundesamt für Strahlenschutz
Ein Mann arbeitet an der Spitze eines Mobilfunkmastes
Manch einer hat ein mulmiges Gefühl beim Vorbeigehen an einem Mobilfunksendemast. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht dafür aber keinen Grund. Bildrechte: DPA

Man hatte damals den Frequenzbereich bewusst breiter gefasst und ist in einigen Studien über die aktuell für den Mobilfunk genutzten Bereiche hinausgegangen. Innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen und Handys haben sich demnach keine bestätigten Belege auf eine schädigende Wirkung des Mobilfunks ergeben. Dass es da auch andere Meinungen von Wissenschaftlern gibt, ist bekannt. Trotzdem bleibt der Hinweis der Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz auch für die nächste Handygeneration aktuell:

Auch nach der Einführung von 5G können wir davon ausgehen, dass das eigene Handy die größte Quelle von Mobilfunkstrahlung im Alltag ist. Deswegen empfehlen wir jedem, sich beim Umgang mit dem Handy möglichst wenig Strahlung auszusetzen.

Inge Paulini Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz

Telefonieren Sie mit dem Festnetztelefon (mit dem echten, also mit dem mit der Schnur!) oder nutzen Sie ein Headset. Und zwar auch eins mit Schnur. Die Strahlungswerte sinken mit jedem Zentimeter Abstand vom Körper und nicht nur für die Nacht hat jedes Gerät einen Ausschalter. Der ist auch für eine tägliche Benutzung ausgelegt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 20. März 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 17:12 Uhr

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3 Kommentare

21.03.2019 20:11 Tamico 3

@2, dem ist nichts hinzu zu fügen! Interessiert nur leider Niemanden mehr und uns wird durch unsere Qualitätsmedien Tag für Tag verkauft das G5 der Waisheit letzter Schluss ist! Neoliberaler Kapitalismus!

21.03.2019 19:08 maheba 2

Mitten in der norwegischen Landschaft und LTE mit vollem Programm über 70 Mbit gemessen.
Bei uns undenkbar. Man sollte erstmal 4G vollumfänglich abdecken bevor man an 5G denkt.
Ich frage mich nur wie der Staat einen privaten Netzbetreiber, welcher gewinnorientiert wirtschaften muss, dazu bringen will, plötzlich eine flächendeckende Netzabdeckung zur Daseinsvorsorge einzurichten.