Der Redakteur | 30.01.2019 Was tun gegen Telefon-Trickbetrüger?

Enkeltrick, Polizistentrick und andere Maschen – derzeit "erleichtern" Betrüger Thüringer um ihr Erspartes. Wie genau laufen die Anrufe ab? Wie kann man sich schützen? Das war das Thema des Redakteurs heute.

von Thomas Becker

Symbolbild: Geldvermögen in einem Sparstrumpf
Der Sparstrumpf: Nicht der sicherste Aufbewahrungsort für Erspartes. Bildrechte: imago/imagebroker

"Das Telefon klingelt, die Polizei ist am anderen Ende. Irgendwelche Einbrecher sind unterwegs oder andere schlimme Finger, ihr Eigentum ist in Gefahr, handeln Sie schnell, übergeben Sie Ihr Geld, legen Sie es irgendwo ab und denken Sie daran: Das ist eine Geheimaktion." Mit solchen oder ähnlichen Geschichten sind – sollte man meinen – vielleicht Kinder zu beeindrucken, aber leider werden die Horrorszenarien oft so glaubhaft dargeboten und der Druck ist so groß, dass dann tatsächlich immer wieder Menschen darauf hereinfallen. Auch wenn das prozentual nur ein kleiner Teil ist.

150 Thüringer - das war der Stand heute Morgen - hatten sich bei der Polizei gemeldet und die Täter durchschaut. Fünf hatten zum gleichen Zeitpunkt bereits gezahlt. Zehntausende Euro wurden auf die unterschiedlichste Art den Betrügern übergeben und die Anrufer hatten die unterschiedlichsten Geschichten auf Lager.

Da gibt es den Enkeltrick, falsche Polizeibeamte, falsche Richter oder Staatsanwälte, Gewinnversprechen oder ganz aktuell ein Fall, da hat der Anrufer Forderungen gestellt aus angeblichen Verträgen verstorbener Ehepartner.

Antje Weißmann Polizeisprecherin

Aber warum haben vor allen Dingen ältere Menschen überhaupt so viel Geld zu Hause? Es ist oftmals die Angst, die Ersparnisse ein weiteres Mal zu verlieren. Nach dem Krieg oder 1990 bei der Währungsunion ist schon einmal Erspartes entweder wirklich oder zumindest vom nominellen Wert her verloren gegangen. Die Banken-Pleite-Diskussion tut ihr Übriges. Doch leider werden hier Äpfel und Birnen durcheinander geworfen, in diesem Fall Konto- und Spareinlagen und Risikopapiere wie Aktien. Für das (Spar)-Konto gelten heute Sicherungen, die ihresgleichen suchen auf der Welt. Bis 100.000 Euro pro Person sind alleine schon durch den gesetzlichen Einlagensicherungsfond vor einer theoretischen Bankenpleite geschützt. Und das ist noch nicht einmal alles an Sicherheit.

Bei den Sparkassen kommt noch hinzu und die Volksbanken haben das auch, dass sie untereinander dafür sorgen, dass kein Institut untergeht und keiner zu Schaden kommt. Die privaten Banken haben einen Fond, wo teilweise dreistellige Millionensummen garantiert werden.

Matthias Haupt Sprecher Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen

Angst vor Verlust der Ersparnisse

So viel Geld passt in kein Kopfkissen. Sicherer als auf dem Konto kann das Geld also nirgends sein, zumal zu Hause neben dem Einbruch auch Feuer und Vergesslichkeit drohen. Gerade ältere Menschen finden gern so sichere Verstecke, dass sie nach einiger Zeit gar nicht mehr wissen, wo die Scheine liegen. Deshalb kommen bei Haushaltsauflösungen mitunter Summen zum Vorschein, die man besser nicht zu Hause haben sollte. Auch die Argumentation langer Bankwege ist nur begrenzt stimmig, denn niemand muss deswegen tausende Euro zu Hause haben. Das monatlich benötigte Geld kann man sich auch alle paar Wochen von Personen des Vertrauens abheben lassen.

Auch wenn die Betrüger derzeit vermehrt als falsche Amtsträger unterwegs sind, ist der Enkeltrick längst nicht aus der Mode gekommen. Hier wird gern die "Oma" telefonisch überrascht und diese zur Bank geschickt, um größere Geldsummen abzuheben. Diese werden dann von einem Kollegen oder Freund bei der Oma abgeholt. Die Mitarbeiter am Schalter kennen die Nummer und sind auch dahingehend geschult, mit möglichst subtilen Fragen sich anbahnende Katastrophen zu erkennen. Es werden auch Merkblätter gereicht, die den Enkeltrick erklären, Motto: "Schauen Sie mal, was es alles gibt!", damit die alte Dame von alleine stutzig wird. Oder sie wird angesichts der größeren Transaktion der Diskretion wegen ins Nebenzimmer gebeten, um tiefer bohren zu können und Zeit zu gewinnen. Trotzdem muss die Bank grundsätzlich davon ausgehen, dass die Person vor dem Schalter weiß, was sie tut. Schließlich ist sie geschäftsfähig.

Ältere Menschen haben es gar nicht gern, wenn man an ihrer Handlungsfähigkeit oder an ihrem geistigen Zustand zweifelt. Da muss man ganz sensibel vorgehen.

Matthias Haupt Sprecher Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen

Warnungen über Medien nicht ignorieren

Ein älteres Radiogerät steht auf einem Holzfußboden.
Ein einfacher Trick gegen Betrüger: Auf Warnungen im Radio und anderen Medien achten. Bildrechte: imago/Westend61

Und auch die mediale Erreichbarkeit nimmt mit zunehmendem Alter ab. Wer kein Radio hört und keine Zeitung liest, hat von diesen aktuellen Bedrohungen gar nichts mitbekommen. Deshalb hat sich die Polizei über die sozialen Netzwerke an die echten Enkel und Kinder gewandt, an Betreuer, Pflegedienste oder die Fahrer von 'Essen auf Rädern', die die alten Menschen gezielt ansprechen und auf die Gefahr hinweisen sollen.

Die Tipps der Polizei zum Weitersagen sind übrigens immer wieder gleich: Lassen Sie sich auf nichts ein, wenn es komisch wird, auflegen und die Polizei informieren. Und keinesfalls Auskunft geben über Familien- oder Vermögensverhältnisse und schon gar keine Wertsachen an Fremde übergeben. Und natürlich bekommen auch die Täter von den Warnungen mit und nutzen das auch aus. Der falsche Polizist ruft dann in geheimer Mission an. Wer zweifelt und droht, zur Überprüfung bei der Polizei nachzurufen, dem wird eine spezielle Telefonnummer gesagt, weil der angeblich korrupten örtlichen Polizei nicht zu trauen ist. Und damit das Ganze auch schön glaubwürdig ist, erscheint im Telefondisplay die Notrufnummer 110 während des Anrufs des vermeintlichen Polizisten.

Solche Anrufe gibt es von der Polizei nicht. Legen Sie sich die Telefonnummer der nächstgelegenen örtlichen Polizeidienststelle an Ihr Telefon oder rufen Sie die 110 an, wenn Sie massiv bedrängt werden.

Antje Weißmann Polizeisprecherin

Die örtliche Nummer ist auch der richtige Weg zur Überprüfung von Polizeiausweisen, wenn ein "Polizist" vor der Tür steht. Echte Polizisten haben Verständnis dafür, wenn Sie telefonisch in der Dienststelle nachfragen. Diese weiß auch, wo die Kollegen unterwegs sind. Aber Sie sollten immer die Ihnen bekannte richtige Telefonnummer wählen und niemals die, die Ihnen der vermeintliche Polizist nennt. Denn dort meldet sich der nächste falsche Polizist.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 30. Januar 2019 | 15:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2019, 18:12 Uhr

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