Zweig einer Nordmanntanne
Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Der Redakteur | 25.11.2019 Wie sinnvoll ist es, einen Weihnachtsbaum ins Wasser zu stellen?

Die heutige Frage kommt von Uwe Marold aus Erfurt. Nadelbäume verschließen ihre "Wunden" mit Harz! Wie sinnvoll ist es dann, einen Weihnachtsbaum ins Wasser zu stellen? Thomas Becker hat recherchiert.

von Thomas Becker

Zweig einer Nordmanntanne
Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Der Weihnachtsbaum in der Vase - ist das sinnvoll oder nicht? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an, auf den Baum und auf die Zeit. Zunächst schauen wir uns den lebenden Baum an. Wie bekommt der eigentlich das Wasser von den Wurzeln bis hinauf in die Nadeln? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, entweder wird "geschoben" oder "gezogen". Das heißt, es gibt einen Wurzeldruck und es gibt Bäume, die, begünstigt durch die Atmosphäre, das Wasser hinaufziehen. Der Strohhalmeffekt sozusagen. Der Weg nach oben ist aber der gleiche.   

Das Wasser wird durch die Feinwurzeln aufgenommen und läuft im Splintholz - das ist der wasserleitende Teil des Querschnittes - hinauf in die Krone und wird dort über die Nadeln verdunstet.

Prof. Dr. Claus-Thomas Bues, Forstwissenschaftler, Uni Dresden

Nun fällt beim gefällten Weihnachtsbaum die Schub-Variante durch die Wurzeln schon mal aus. Denn die stehen ja noch im Wald. Damit also der nur noch verbleibende Strohhalmeffekt wirkt, darf der Baum nicht schon wochenlang durch die Gegend gekarrt worden sein. Das heißt: Einen Weihnachtsbaum aus Schweden, den Sie im Supermarkt kaufen, den können Sie ohne Wasser in den Ständer stellen. Da passiert nichts mehr.

Möglichst den Baum frisch holen und ihn auch sofort ins Wasser stellen.

Prof. Dr. Claus-Thomas Bues, Forstwissenschaftler, Uni Dresden

Ein, zwei Tage lang könnten Sie noch Glück haben, dass der Baum noch Wasser annimmt, so schätzt Prof. Bues, dann dürfte spätestens Schluss sein. Fachleute sprechen von einer Embolie. Das liegt einfach daran, dass der Baum sozusagen den Stamm leer gezutscht hat. Dann ist die Wasserleitung irreparabel unterbrochen. Der "Sog" der Atmosphäre reicht dann einfach nicht mehr aus, um "den Strohhalm" wieder mit Wasser zu füllen. Und das wäre die Voraussetzung dafür, dass die Leitungen wieder funktionieren. Bei dieser Gelegenheit sollte man sich ohnehin die Frage stellen, bei welchem Weihnachtsbaum das Betanken eigentlich sinnvoll ist. Die Fichte - das erfahren wir jährlich leidvoll - nadelt schon konstruktionsbedingt.

Eine Fichte hat eine andere Nadelstruktur als die Nordmanntanne. Da gibt es eine Verengung, eine Sollbruchstelle an der Nadel. In dem Augenblick, wo der Baum austrocknet, zieht sich die Engstelle zusammen und die Nadel bricht ab.

Prof. Dr. Claus-Thomas Bues, Forstwissenschaftler, Uni Dresden

Das ist ein Schutzmechanismus des Baumes, die Verdunstung zu verringern, wenn der Wassernachschub fehlt. Die Nordmanntanne hat diesen Mechanismus nicht, deshalb halten die Nadeln auch länger. Daraus kann man direkt schlussfolgern, dass man sich das Wässern einer Nordmanntanne sparen kann. Wenn diese nämlich schon eine Europareise hinter sich hat, ist eh alles zu spät. Wenn sie frisch ist, hält sie auch ohne Wasser lange genug. Bei der frischen Fichte hingegen macht es Sinn. Die Betonung liegt auf "frisch".

Ob es funktioniert, das sehen Sie übrigens am Durst des ersten Tages. Da geht schnell mal ein Liter drauf. Also wenn am nächsten Tag deutlich Wasser fehlt, dann funktioniert die Wasserleitung noch. Aber nur, solange sie auch regelmäßig nachfüllen.  Irgendwelche Zusätze können Sie sich aber sparen, sagt Professor Bues. Reines Wasser reicht, Schnittblumentütchen, Zucker oder Glyzerin haben keinen Effekt. Und was den Schutzmechanismus Harz angeht, so ist es durchaus korrekt, dass Harz das Wundpflaster eines Nadelbaums ist. Aber daran wird es beim Weihnachtsbaum nicht scheitern. Aus verschiedenen Gründen.

Das weiß jeder, der sich schon mal auf einen frischen Fichtenstupf gesetzt hat, wie dann der Hosenboden ausschaut. Aber das ist keine geschlossene Fläche, es bleiben immer noch genügend Zellen, die Wasser transportieren können um die Versorgung zu gewährleisten. Und die Nordmanntanne hat gar keine Harzkanäle im Holz, die kann also gar kein Harz bilden.

Prof. Dr. Claus-Thomas Bues, Forstwissenschaftler, Uni Dresden

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 25. November 2019 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 07:03 Uhr

1 Kommentar

part vor 1 Wochen

Ich orge mir lieber Baumsamen für ein Apple und ein Ei auf einer bekannten Website und züchte neue Weihnachtsbäume sowie andere Gesträucher um die Umwelt zu bereichern als mir tote Pflanzen ins Zimmer zu stellen ähnlich Schnittblumen. Wer jedoch kleine Kinder hat zum Beschenken sollte ruhig an dem Brauch festhalten, es gibt nix Schöneres...