Der Redakteur | 03.12.2019 Wie umweltfreundlich sind Bambusbecher?

Kürzlich wurde berichtet, dass die „nachhaltigen“ Bambuskaffeebecher schädlich sind. Wie umweltfreundlich sind die ganzen Alternativen zu Kunststoffbechern und Papptellern? Das fragte Tobias Schulz aus Erfurt.

Kaffeebecher aus Bambus stehen nebeneinander.
Becher aus Bambus - klingt erst einmal gut. Doch welches Material steckt wirklich in den Gefäßen? Bildrechte: dpa

Das Ganze hat zwei Seiten, die eine Seite ist die Umwelt, die andere sind wir. Bei uns stellt sich die Frage, was liefern Becher, Teller und Besteck noch so aus an unsere Lebensmittel. Positiv ist, anders als bei Verpackungen, die zum Teil wochenlang mit dem Lebensmittel unter einem Deckel wohnen, ist es beim Geschirr nur ein kurzer Moment. Aber dieser ist ausreichend, um bedenkliche Mengen an Giftstoffen in die Nahrungsmittel gelangen zu lassen.

Der jüngste Fall ist erst ein paar Tage alt. Da ist nämlich das Bundesinstitut für Risikobewertung zu dem Schluss gekommen, dass die meisten Bambusbecher, die uns als natürliche Öko-Alternative zum Plastebecher offeriert werden, reichlich Melamin und Formaldehyd absondern. Das hat etwas damit zu tun, dass die Becher eben nicht nur aus Bambus sind, sondern dass es Melaminharz ist, was die Bambuskrümel zusammenhält. Die Stiftung Warentest wird selten so deutlich wie nach dem Test von zwölf Bambusbechern

Lassen Sie die Finger von Bambusbechern. Aus mehr als der Hälfte der getesteten Becher gehen sehr hohe Mengen Melamin ins Getränk über. Die übrigen Becher erwecken fast alle mit falschen Werbeversprechen den Eindruck, mit dem Kauf würden Nutzer ein reines Bambusprodukt erwerben oder der Umwelt einen Dienst erweisen.

Website Stiftung Warentest

Die Untersuchungen waren ein Argument für das Bundesinstitut für Risikobewertung, das im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums bei solchen Fragen eine Bewertung vornimmt. Die Fachleute trugen sämtliche Informationen, Studien und so weiter zusammen und kamen dann zu dem Schluss, dass bei höheren Temperaturen gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd aus dem Geschirr in Lebensmittel übergehen können.

Häufig haben diese Gegenstände eine raue Oberfläche, wahrscheinlich weil sie ökologisch und natürlich aussehen sollen. Und die große Oberfläche führt dazu, dass im Kontakt mit einem heißen flüssigen Lebensmittel mehr freigesetzt wird als über eine glatte Oberfläche der Fall wäre.

Dr. Thomas Tietz, Fachgruppe Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialien beim Bundesinstitut für Risikobewertung

Nun haben wir Formaldehyd gerade aus unseren Spanplatten und Möbeln verbannt und schlürfen das Zeug nun mit dem Kaffee? Das klingt nicht besonders klug.

Das Problem vieler alternativer Teller und Tassen ist, dass sie eben aus irgendwelchen „Krümeln“ bestehen, die durch etwas „zusammengeklebt“ werden müssen. Inwiefern das bei Bananenblätter-Tellern oder Schälchen aus Palmenblättern der Fall ist, hängt letztlich auch vom Einzelfall ab.

Vieles ist „Made in China“ und da ist der Importeur in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Produkt keinen Schaden anrichtet. Das gelingt offenbar nicht immer. Auch nicht bei der Entsorgung. So mancher Teller oder so manche Tasse trägt den Aufdruck „recyclingfähig“, was mitunter vielleicht für den natürlichen Anteil gilt, nicht aber für den entstandenen Verbundwerkstoff. Und selbst wenn ein Recyceln theoretisch möglich ist, fehlt immer noch das System zur praktischen Umsetzung.

So lange die Infrastruktur für das sortenreine Recyceln nicht vorhanden ist, ist ‚ recyclingfähig‘ kein Argument. Da brauche ich auch ein System wie bei Glas oder Metall.

Urs Baier, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Die Schweizer Wissenschaftler haben für das Schweizer Bundesamt für Umwelt untersucht, welche Biokunststoffe beziehungsweise „Biologisch Abbaubare Werkstoffe“ (BAW) in Vergärungs- und Kompostierungsanlagen gehören und welche nicht.

Die Studie „Vergären & kompostieren?“ des Schweizer Bundesamtes für Umwelt gibt es hier als Download.

Die Biotonne ist für den Bambusbecher zum Beispiel der falsche Ort, nicht nur weil er eben zu großen Anteilen aus Kunststoff ist. Auch Bambus zerfällt übrigens nicht einfach so. Viele Naturstoffe brauchen nun mal besondere Temperaturen oder Drücke um überhaupt zu verrotten. Das erkennen Sie an den Holzstöckchen, wenn Sie ihren Kompost durchsieben.

Also suchen wir weiterhin nach den perfekten Alternativen zur Plastetasse, experimentieren mit Algen beispielsweise oder nutzen bereits Zuckerstoffe, die zum Beispiel in Getreideresten vorkommen.  Daraus entsteht PLA (Polymilchsäure), die letztlich in eine ziemlich stabile Form gebracht werden kann. Das könnte eine ernstzunehmende Plaste-Alternative werden, wobei auch für die Trinkhalme aus PLA gilt: Der Kompost ist tabu.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 03. Dezember 2019 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 21:01 Uhr

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