Der Redakteur | 10.12.2019 Gab es früher öfter weiße Weihnachten als heute?

Kommt der Schnee oder nicht? Helga Zielke aus Gera will wissen, ob es früher öfter weiße Weihnachten gab als heute?

Blockhütte in einem verschneiten Wald in Gällivare
Blockhütte in einem verschneiten Wald Bildrechte: IMAGO

Weiße Weihnachten. Das Thema ist so ein "Alle-Jahre-Wieder-Thema". Doch egal wie die Fragestellung lautet, es sah noch nie richtig gut aus im deutschen Tiefland und mitunter sogar auf dem Berg. Schneesicher war bisher nur die Zugspitze, ob das Zukunft hat, werden wir sehen. Flächendeckend Weiße Weihnachten gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen rein rechnerisch nur einmal, nämlich 1887.

Das Problem: Damals gab es nur zwei Wetterstationen, so dass dieser 100-Prozent-Wert nicht wirklich für die ganze Landesfläche gilt. Danach wurden es immer mehr Wetterstationen. Sie sind seit den 1960er-Jahren etwa nun wirklich nahezu flächendeckend vorhanden, aber die 100-Prozent-Schneemeldung haben wir nie wieder erreicht. Bei 99 Prozent war 1981 Schluss, meistens noch viel früher.

1981 hatten wir auch in Thüringen ein auffallend schneereiches Jahr zu Weihnachten:

  • 32 cm in Gera am Heiligen Abend
  • 19 cm in Erfurt

Für Gera war das der Allzeitrekord seit 1953. Bis dann das Jahr 2010 kam, das mit 44 cm einen neuen Bestwert setzte und es schneite damals auch fröhlich weiter über die Feiertage. Das Problem ist, dass diese Daten nicht auf Knopfdruck verfügbar sind. Es ist immer Fleißarbeit.

Zum Beispiel die Daten für den 24.12. herauszusuchen für die einzelnen Jahre und Messstationen, das ist viel Arbeit.

Diana Weise, Redakteurin und Moderatorin im Wetterstudio 5 min
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Diana Weise ist Meteorologin im MDR Wetterstudio. Sie hat die Winter in Mitteldeutschland im Blick. Sie weiß aber, wie schwer sich die Frage nach weißen Weihnachten beantworten lässt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 10.12.2019 15:20Uhr 04:50 min

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Handarbeit, um genau zu sein. Mit verschiedenen Quellen mitunter. Diana Weise hat sich diese Arbeit einmal gemacht und ist zumindest für Erfurt und Gera bis in die 1950er-Jahre zurückgegangen und für die Station Neuhaus am Rennweg bis 1994. Fortsetzung folgt. Um wirklich ein deutschlandweites Bild zu haben über die Schneehöhen für die Zeit seit Beginn der Datenerhebung, sind wir über die Jahre gerechnet ganz schnell bei mehr als 9.000 Messwerten für jeden Tag, an dem wir die Schneehöhen wissen müssten. Und die muss erstmal jemand zusammentragen und sie dann auch noch rausrücken. Und Weihnachten erstreckt sich gewöhnlich über drei Tage… Hinzu kommt, dass nicht immer jede Messstation auch jeden Tag Daten geliefert hat. Und "keine Daten" bedeuten nicht automatisch "kein Schnee". Was machen wir nun? Und was heißt eigentlich "früher"? Das steckt ja auch in unserer Frage drin.

Eine rote Christbaumkugel an einer verschneiten Tanne
Verschneite Weihnachten... Bildrechte: Colourbox.de

Statistiker würden angesichts der gut 2.000-jährigen Weihnachtsgeschichte nicht gerade in Euphorie verfallen, bei unseren halbwegs flächendeckenden Datensätzen seit ca. 1960. Wenn wir diese einmal hernehmen, dann fällt zumindest für Erfurt und Gera auf, dass es immer wieder ein paar wenige Jahre am Stück gab, mit Weißen Weihnachten. Und wenn, dann sogar meistens an allen drei Tagen. Fünf Weiße Weihnachten am Stück schaffte Gera Anfang der 1960er-Jahre. Erfurt schaffte eine solche Folge in diesem Zeitabschnitt nicht. Neuhaus am Rennweg hingegen hatte fast immer Schnee zu Weihnachten, aber das überrascht nun nicht gerade.

Interessant für Erfurt und Gera ist aber, dass wir aktuell die längste Periode ohne Schnee haben. Acht Jahre hintereinander gab es in beiden Städten nix messbares von oben. In den 1970er-Jahren hatten wir aber schon einmal eine siebenjährige Flaute. So gesehen besteht noch Hoffnung. Aber die Schneepausen waren früher tatsächlich kürzer. Zumindest soweit wir zurückblicken können. Denn ob es ganz früher anders war, das können wir nur vermuten. Und wir müssen dabei immer die Orte im Blick haben. Vielleicht war es früher ja auch ganz im Süden viel kälter und Jesus ist gar nicht übers Wasser gelaufen, sondern übers Eis. Aber das ist ein anderes Thema. 

Schnee und Reif Der Winter kommt nach Thüringen

Am Schneekopf ist der Name schon Programm: Leicht gezuckert gibt's einen ersten weißen Vorgeschmack auf den Winter.

Schneekopf (Turm)
Der Schneekopf ist leicht eingezuckert... Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
Schneekopf (Turm)
Der Schneekopf ist leicht eingezuckert... Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
Aussichtsbank am Geratal-Blick
Der "Geratal-Blick" schon recht weiß. Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
Geratal-Blick
Wer zur Suhler Hütte, zur Teufelskanzel oder zum Rosenkopf läuft, kann sich auf kalte Hände einstellen... Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
Zugewehte und zugschneite Äste und Stäbe
Wind und Schnee lassen witzige Formationen wachsen... Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
Reif an Ästen
... wie an diesen Ästen. Bildrechte: MDR/Mathias Streisel
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 12. November 2019 | 07:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Dezember 2019 | 15:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 14:52 Uhr

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