Ein Seeadler
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Der Redakteur | 18.11.2019 Wie fangen Greifvögel Fische?

Viele Greifvögel fressen Fische. Wenn sie in luftiger Höhe auf Jagd sind, erspähen sie ihre Opfer und stürzen sich dann zielgenau auf die Beute. Wir greifen bei so etwas immer daneben. Woher wissen Greifvögel, wo genau der Fisch ist?

Thomas Becker macht Beckers Wochenrückblick
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von Thomas Becker

Ein Seeadler
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Irgendwie sind wir unvollkommen. In fast allen Lebensbereichen gibt es Spezialisten, die uns ohne Anwendung irgendwelcher Hilfsmittel deutlich überlegen sind. Der Gepard ist rasend schnell, das Eichhörnchen fällt nie vom Baum und der Adler hat ein Adlerauge, das sprichwörtlich ist. Und dann scheint es auch noch Vögel zu geben, die die Gesetze der Physik außer Kraft setzen. Jeder, der schon einmal einen Stock ins Wasser getaucht hat, weiß, der wird optisch abgeknickt. Dieser Effekt mit der Lichtbrechung beim Übergang zwischen Luft und Wasser sorgt auch dafür, dass sich der Fisch nie dort befindet, wo er zu sehen ist. Wie kann dann bitte ein Raubvogel den Fisch trotzdem aus dem Wasser holen? Ist sein Auge irgendwie anders aufgebaut? Haben solche Wasser-Jäger sozusagen einen Knick in der Optik? Nein, es ist alles viel banaler.

Im Endeffekt ist das Wichtigste die Erfahrung. Die Vögel haben keine speziellen Augenlinsen, die bei der Korrektur helfen.

Dr. Wolfgang Fiedler, Vogel-Experte vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Beobachtungen zeigen, dass Jungvögel bei ihren ersten Versuchen kläglich scheitern. Irgendwann lernen die Tiere aber, wie weit sie daneben greifen müssen, um den Fisch zu erwischen. Trotzdem ist die Erfolgsquote eines Adlerauges eigentlich nicht würdig. Vogelexperte Dr. Wolfgang Fiedler spricht von 30 Prozent, wo wir doch denken könnten, dass es immer klappt. Hinzu kommt, dass es mitunter auch mal richtig schief geht. Auch hier sind Jungvögel besonders gefährdet. Stichwort: Kopfsprung in ein unbekanntes Gewässer. Irgendwelche Hindernisse vom Fischernetz bis zum Felsen können auch für Raubvogel sehr schmerzhaft sein. Dabei haben sie doch Sehfähigkeiten, um die wir sie so beneiden. Ihre Kamera hat aber nicht nur viele Megapixel, die schafft auch sehr viele Bilder pro Sekunde. Das bedeutet: Während wir den schwimmenden Fisch als verschwommenes Etwas wahrnehmen, liefert das Seeadlerauge gestochen scharfe Einzelbilder. Wenn der Vogel jetzt noch lernt, im richtigen Moment "danebenzugreifen", steht einer Fischmalzeit nichts  mehr im Wege.

Aber es gibt noch eine andere Art zu jagen. Besonders kleinere Vögel, die Fisch auf dem Speiseplan haben, tauchen komplett ins Wasser ein und werden dort quasi selbst zum Fisch. Das bedeutet, sie schwimmen ihren Opfern hinterher. Wie wir wissen, geht das mit einer Taucherbrille besser und deshalb haben sich manche Vögel auch eine zugelegt.

Da werden bestimmte Häute vors Auge gezogen, so dass sie besser sehen. Oder sie machen es gar nicht optisch, sondern gleich mit dem Tastsinn.

Dr. Wolfgang Fiedler, Vogel-Experte vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. November 2019 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 15:46 Uhr

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