Der Redakteur | 26.06.2019 Wie misst man die Ozonkonzentration und was ist daran gefährlich?

Aktuell wird immer mal wieder vor Ozon gewarnt. Gisela Schneider aus Eisenach fragt sich deswegen: Wie misst man die Ozonkonzentration und was ist daran gefährlich?

Sonne über zerbrechender Eisdecke des Südpolarmeeres.
Die Sonne über einer zerbrechenden Eisdecke des Südpolarmeeres. Bildrechte: IMAGO

Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, man könnte Ozon auch zu Hause messen. Bei der Gefährlichkeit müssen wir allerdings etwas weiter ausholen. Denn das Ozon ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Je nachdem, wo es sich befindet, ist es gut oder schlecht für uns. In ca. 15 bis 50 Kilometern Höhe bildet es die Ozonschicht, die uns vor dem UV-Licht der Sonne schützt. Je dünner diese ist, umso mehr sollten wir zu Sonnenhut, Sonnencreme usw. greifen. Und wir haben schon viel getan, die Schicht da oben dünner werden zu lassen. An das Ozonloch können wir uns noch gut erinnern, das ist zwar aus der Diskussion verschwunden, nicht aber in der Realität. Es ist kleiner geworden, die Ozonschicht selbst hat sich zuletzt stabilisiert, aber für gänzliche Entwarnung ist es viel zu früh, sagen Wissenschaftler. Das liegt auch daran, dass wir die Gesamtprozesse noch nicht vollständig verstanden haben.

Treibmittel FCKW wurde verboten

Collage: Ein Mensch besprüht mit einer Dose einen Globus.
Das Treibmittel FCKW wurde aus Kühlschränken und Spraydosen verbannt. Bildrechte: IMAGO

Wir hatten das Treibmittel FCKW aus unseren Kühlschränken und Spraydosen verbannt, weil hier der Zusammenhang offensichtlich war. Aber Methan und die allseits bekannten NOX-Verbindungen spielen bei Bildung und Zerfall des Ozons auch eine Rolle und immer dabei ist die Sonne, deren Energie die Grundlage ist für die permanent ablaufenden Reaktionen.

Ozon kann Atemwege schädigen

Wenn das Ozon bei uns unten auf der Erdoberfläche angekommen ist, dann ist es nicht mehr das Gute, sondern schädigt unsere Atemwege. Deshalb wird an über 300 Messstationen in Deutschland die Ozonkonzentration gemessen. Diese und andere Luftschadstoffdaten sind beim Umweltbundesamt aktuell abrufbar. Und so kann man sehen, dass der heutige heiße Tag mit sehr viel Sonnenschein auch für viel Ozon in der Atemluft sorgt.

Der Redakteur | 26.06.2019 Ozonkonzentration im Vergleich

Hier können Sie die Mittelwerte der Ozonkonzentration in Deutschland im Vergleich sehen. Das linke Bild zeigt die gemessene Belastung am 26. Juni 2019. Das rechte Bild die Belastung zwei Wochen zuvor am 12. Juni 2019.

Deutschlandkarte Ozonwerte im Mittel vom 26. Juni 2019
Bildrechte: Umweltbundesamt
Deutschlandkarte Ozonwerte im Mittel vom 26. Juni 2019
Bildrechte: Umweltbundesamt
Deutschlandkarte Ozonwerte im Mittel vom 12. Juni 2019
Bildrechte: Umweltbundesamt
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 26. Juni 2019 | 17:40 Uhr

Mit Schornsteinen gegen das Ozon?

Könnten wir also nicht irgendwie lange Schornsteine bauen und das Zeug einfach nach oben schicken, wo es uns auch noch etwas nützen würde?

Das ist theoretisch gut gedacht, aber praktisch leider nicht möglich. Ozon ist sehr reaktiv, also sehr instabil und kann auch sehr schnell abgebaut werden. Und wie hoch sollte ein solcher Schornstein sein, damit es funktioniert?

Dr. Hans-Guido Mücke wissenschaftlicher Mitarbeiter Umweltmedizin beim Umweltbundesamt

Dieses "Reaktive" ist auch grundsätzlich das Problem. Ozon ist dreiwertiger Sauerstoff, besteht also aus drei Sauerstoffatomen und nicht nur aus den üblichen zwei. Vereinfacht gesagt sind unter Sonneneinwirkung diese Bildungs- und Zerfallsprozesse ständig im Gange, da wird aus NO und O3 durch Diebstahl eines Sauerstoffatoms plötzlich NO2 und O2 und wir könnten auf die Idee kommen: Prima, jagen wir doch ordentlich Diesel-NO aus dem Auspuff und zerstören so das Ozon in unseren Städten.

Blumen und Gras auf einer Wiese, darüber der blaue Himmel mit Sonnenschein 11 min
Bildrechte: MDR/Mayte Müller

Interview mit Hans-Guido Mücke, wiss. Mitarbeiter Umweltmedizin beim Umweltbundesamt Was ist Ozon und woher kommt es?

Was ist Ozon und woher kommt es?

Ozon ist nicht gleich Ozon: Hans-Guido Mücke, wissenschaftlicher Mitarbeiter Umweltmedizin beim Umweltbundesamt erklärt die Unterschiede und wie und warum man sich davor schützen sollte.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 26.06.2019 17:40Uhr 10:41 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-1092536.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Das funktioniert auch ganz gut direkt an der vielbefahrenen Straße, aber dafür messen wir plötzlich erhöhte Ozonwerte auf dem Land. Und das NO2, wir erinnern uns, das behält dieses eine Atom auch nicht für immer bei sich, sondern liefert es zur Ozonbildung gerne wieder ab. Dieses ständige Hin- und Her, das auch noch durch Methan und andere Stoffe stattfindet, macht es den Wissenschaftlern so schwierig, den Gesamtprozess zwischen Erdoberfläche und der Ozonschicht in 90 Kilometern Höhe zu verstehen. Sicher ist nur, dass uns weder Ozon noch die Schwefelverbindungen gut tun, wenn wir sie einatmen.

Gesundheitlich angeschlagene Menschen besonders betroffen

Ältere Menschen, Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Menschen mit Asthma oder Atemwegsallergien sind besonders betroffen. Wenn die Lungenfunktion ohnehin schon vermindert ist, können Faktoren, die diesen Zustand noch verschlimmern, gar nicht gebraucht werden. Und Ozon sorgt eben für eine verminderte Lungenfunktion, entzündliche Reaktionen in den Atemwegen und Atemwegsbeschwerden. Und weil es eben so reaktionsfreudig ist, besteht auch der Verdacht, dass es Krebs auslösen könnte. Und auch die Pflanzen leiden, warnt das Umweltbundesamt:

Ozon wird von Pflanzen durch die Spaltöffnungen der Blattorgane aufgenommen. Dadurch können bei Pflanzen Schäden an Blattorganen auftreten. Länger anhaltende Belastungen stellen ein Risiko für das Pflanzenwachstum, Ernteerträge und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte dar.

Dr. Hans-Guido Mücke wissenschaftlicher Mitarbeiter Umweltmedizin beim Umweltbundesamt

So ist es nicht verwunderlich, dass wir schon versucht haben, gesetzlich gegen das Ozon vorzugehen. Die einstige Bundesumweltministerin Angela Merkel hatte dazu ein Ozongesetz auf den Weg gebracht, das uns am 12. August 1998 in einigen Bundesländern ein Fahrverbot bescherte. Wer ein Fahrzeug ohne Katalysator besaß, musste es an diesem Tag stehen lassen. Das Gesetz gibt es heute nicht mehr, die extrem hohen Ozon-Spitzenwerte von damals gibt es auch nicht mehr. Dafür liegen die Mittelwerte etwas höher als früher.

Wir haben also einen "Sockelwert", einen steten Tropfen, der auch nicht ohne sein könnte. Deshalb gibt es für die Ozonkonzentration eine Informationsschwelle von 180 µg/m3 (1-Stunden-Wert) und eine Alarmschwelle von 240 µg/m3 (1-Stunden-Wert). Ab einem Ozonwert von 180 µg/m3 werden dazu über die Medien Verhaltensempfehlungen an die Bevölkerung gegeben. Und diese lauten dann eben, dass sich insbesondere ältere Menschen oder Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma schonen sollten, um die Beschwerden nicht noch zu verschlimmern.

Ozon fühlt sich an Stadträndern und auf dem Land besonders wohl

Und das gilt auch und besonders auf dem Land, denn zu den Besonderheiten des Ozons gehört es, dass es sich am Stadtrand und im ländlichen Raum besonders wohl fühlt und die Werte dort oft höher liegen als an vielbefahrenen Kreuzungen in der Stadt. Dafür dürfen Sie sich dort mit NOX schädigen. Für alles gibt es, wie eingangs gesagt, Messgeräte zu kaufen, auch welche, die die Konzentration anderer Gase wie Kohlenmonoxid messen. Daher erscheint die Messung und Warnung vor dem schnell tödlichen Kohlenmonoxid zu Hause deutlich sinnvoller, als das Messen der Ozonkonzentration in den eigenen vier Wänden.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 26. Juni 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 17:45 Uhr

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1 Kommentar

27.06.2019 18:42 Mario von air-q 1

Leider kann die Ozon Belastung auch im Innenraum stark ansteigen, denn die Räume sind meist nie ganz dicht. Auch drinnen haben wir Konzentrationen von 150 µg/m³ messen können.

Schützen kann man sich nur indem man die Fenster wirklich geschlossen hält und vor allem in den Morgenstunden lüftet. Da ist die Konzentration am geringsten.

Frische und gesunde Luft, wünscht das air-Q.com Team