Der Redakteur | 31.01.2019 Wie müssen Briefkästen am Mehrfamilienhaus angebracht werden?

MDR THÜRINGEN-Hörer Manfred Raßloff aus Sülzenbrücken will wissen, ob es Regeln für das Aufstellen von Briefkästen an Mehrfamilienhäusern gibt? Unser Redakteur hat Thomas Becker recherchiert.

von Thomas Becker

Briefkasten
Für Briefkästen gilt die sogenannte "Briefkastennorm" DIN EN 13724. Sie garantiert unter anderem genügend Stauraum und einen wasserdichten Briefkasten. Bildrechte: Colourbox.de

Wir sind in Deutschland und da muss es doch eine Regelung geben. Zwanzig Meter bei dieser oder jener Helligkeit, ab zehn Meter mit schützendem Dach und einsehbar für Dritte schon mal gar nicht, denn den Datenschutz haben wir ja auch noch. Aber ganz offenbar klafft hier dann doch tatsächlich eine Gesetzeslücke in Briefkastenklappengröße. Mindestens.

Immerhin: Für die Briefkästen selbst gibt es eine Norm, die DIN EN 13724, die sich u.a. bezüglich der Größe von Kasten und Einwurfschlitz sinnigerweise an den üblichen Briefgrößen orientiert. Hier zogen auch schon Mieter erfolgreich vor Gericht, um Sendungen im A4-Format erhalten zu können und das auch noch im trockenen Zustand. Laut DIN gibt es sogar einen standardisierten Test mit einer speziellen Beregnungsanlage, bei dem maximal ein Kubikzentimeter Wasser in den Kasten eindringen darf. Allerdings stellt die Beregnungsanlage keine Unwetter wie Starkregen nach, der waagerecht den Kasten flutet. Die ungeschützte Wetterseite bietet sich also nicht unbedingt als Aufstellort an. Angesichts der bereits zitierten Urteile (siehe das Feuchtigkeitsurteil des AG Mainz, 8 C 98/96) könnte man daraus immerhin schließen, dass eine Klage wegen eines ständigen Wasserschadens an Briefen erfolgreich sein könnte.

Für eine Klage auf einen kurzen Weg zum Kasten fehlt allerdings ganz offensichtlich die Rechtsgrundlage, zumal die zehn Meter in diesem Fall in einem Bereich sind, vor dem kein Richter wirklich erschrickt. Erschwerend kommt hinzu, dass auch für die Postboten keine solche Regelung existiert.

Jeder Briefkasten muss bedient werden. Es gibt keine Entfernungsvorschrift. Wir wünschen uns natürlich kurze Wege, um schnell und rationell arbeiten zu können.

Alexander Böhm Sprecher Deutsche Post
Briefträger der Deutschen Post
Bei jeder Zustellung prüft die Post, welche Strecke zwischen der Gartentür und dem Briefkasten zurückgelegt wird. Bildrechte: Imago/Fleig/Eibner

Um das zu gewährlisten, gibt es alljährliche "Zustellbemessungsgänge". Hier wird seitens der Post überprüft, ob u.a. Sendungsaufkommen, Zahl der Kunden und die Wege mit der Arbeitszeit des Zustellers korrespondieren. Denn wenn salopp gesagt ein Hochhaus hinzu kommt oder die Straßen verlegt werden, sich die Grundstückszugänge ändern oder eben auch die Aufstellorte der Briefkästen, hat das Einfluss auf die Zustellzeiten. Wobei die zehn Meter von Sülzenbrücken sicher noch keine Änderung der Logistik nach sich ziehen werden. In Sülzenbrücken und anderen eher ländlich geprägten Zustellbezirken, gibt es noch ein ganz anderes Problem für die Zusteller. Das hat vier Beine und bekommt gewöhnlich selbst keine Post.

Wir haben in den Zustellspinden, so nennen sich die Verteilwerke, wo die Postboten ihren Sendungen sortieren und losgehen auch sogenannte Hunde-Merk-Karten. Da steht drauf, dass in dieser Straße im Haus Nummer fünf ein Hund ist, der vielleicht mit Vorsicht zu genießen ist. Dadurch sind Mitarbeiter gewarnt, die dort als Vertreter arbeiten.

Alexander Böhm Sprecher Deutsche Post

Nun sind wir zwar "nur" ein regionales Radioprogramm, aber wir werden übers Netz trotzdem weltweit gehört. Und die Menschen in Ländern wie USA, Australien oder Schweden (Grüße dorthin!) haben über die zehn Meter von Sülzenbrücken heute nur geschmunzelt. Hier ist es tatsächlich so, dass die Grundstücke entweder so groß sind oder so weit weg von größeren Siedlungen oder Straßen liegen, dass die Briefkästen irgendwo an der nächsten Kreuzung stehen, man sich also nicht nur Schuhe anziehen muss, um dorthin zu kommen, sondern für die paar Kilometer ins Auto steigt.

Und sollte uns der Vermieter von Herrn Raßloff noch eine Stellungnahme zukommen lassen, dann werden wir diese hier selbstverständlich ergänzen. Angefragt haben wir natürlich …

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 31. Januar 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 20:02 Uhr

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2 Kommentare

31.01.2019 18:18 lausbub 2

Nein, nicht JEDER Briefkasten muss bedient werden, sondern nur diejenigen, die der Zusteller eindeutig dem Empfänger einer Sendung zuordnen kann. Briefkästen sollten daher frei zugänglich, für umfangreiche Sendungen groß genug und - äußerst wichtig - deutlich mit Namen beschriftet sein. In namenlose Briefkästen darf der Zusteller nichts einwerfen. Briefkasten aus Metall sollten auch keine scharfen Kanten haben. Nicht selten verletzen sich einige Zusteller an gedankenlos ausgesuchten Briefkasten.

31.01.2019 18:01 lausbub 1

Zustellspinnen? Da hat wohl der Fehlerteufel zugeschlagen. Eine Spinne sieht der Zusteller vielleicht mal an seinem Arbeitsplatz. Die Sendungen sortiert er allerdings in einen Zustellspind. Das geschieht nach einer so genannten Gangfolge. Die Sendungen werden in der Reihenfolge sortiert, wie der Zusteller sie im Zustellbezirk zustellt. Hundemerkkarten im Spind sind längst nicht mehr die Regel. Herr Böhm war bestimmt schon viele Jahre nicht mehr als Zusteller in einem Bezirk tätig.

[MDR THÜRIGNEN: Danke für den Hinweis. Wir haben den einen Buchstaben ausgetauscht ;-)]