Der Redakteur | 28.06.2019 Woran scheitert die "grüne Welle" an den Erfurter Ortseinfahrten?

In Erfurt wird über den Ausbau der Parkplätze am Messegelände diskutiert. Außerdem soll eine "grüne Welle" den Verkehr besser fließen lassen. Peter Frenzel aus Erfurt fragt, woran die "grüne Welle" bislang scheitert.

Symbolfoto, Ampel und Stau auf der Straße
Für viele Autofahrer ein Segen: eine "grüne Welle" zu erwischen. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Es war einmal der Erfurter Juri-Gagarin-Ring. Damals tuckerten noch Trabis und Wartburgs über die stolze Magistrale und bekamen von zu Ziffern zusammengeschalteten Glühbirnen eine Geschwindigkeit empfohlen, mit der man garantiert die nächste Ampel bei "grün" erwischt. Heute, im Zeitalter der Digitalisierung gibt es rechnergestützte Verkehrsleitsysteme und - gefühlt - "grüne Wellen", die ihren Namen oftmals nicht verdienen.

Grundsätzlich gibt es den zentralen Verkehrsrechner. Erfurt hat 255 Lichtsignalanlagen, also Ampeln, von denen sind 180 an diesen übergeordneten Verkehrsrechner angeschlossen. Und der sorgt unter anderem dafür, dass die Signalanlagen, die sich in der sogenannten Koordination, also der sogenannten grünen Welle befinden, möglichst synchron laufen.

Frank Helbing Abteilungsleiter Verkehr im Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt

ÖPNV hat Vorrang

Heute hat das schon mal eine andere Dimension als das einstige "Mäusekino" am Gagarin-Ring. Hinzu kommt, dass ein paar mehr Autos unterwegs sind und ein paar mehr Dinge geregelt werden müssen oder sollen. Zum Beispiel hat der ÖPNV heute eine eingebaute Vorfahrt und das bringt das System aus Sicht der Autofahrer regelmäßig durcheinander. Wenn ein Bus durch ist und die Auswirkung von dessen Vorrangschaltung vorbei, dauert es etwa zwei bis drei Minuten. Dann rollt die "grüne Welle" wieder. Bis zum nächsten Bus oder bis zum nächsten gewollten Zwangsstopp. Dafür müssen wir etwas weiter ausholen.

"Grüne Welle" in der Stadt - gar nicht mal so einfach

Jede "grüne Welle" hat ihren Anfang. Idealerweise am Stadteingang mit einer sogenannten Pförtnerampel. Diese staut den Verkehr ein wenig auf, hängt also die einzelnen Fahrzeuge zu einem kleinen Fackelzug zusammen und dann geht's im Windschatten in die Stadt. Das funktioniert - wenn kein Bus kommt - auf der Weimarischen Straße zwischen Schmidtstedter Knoten (die große Unterführung am Hauptbahnhof) und Linderbach auch ganz gut, besonders stadtauswärts. Stadteinwärts gibt es hingegen einen zusätzlichen "Zwangshalt" und zwar an der Kreuzung, an der es rechts unter der Bahn hindurch zur Kalkreiße geht. Um das sofort zu verstehen, müsste man eigentlich mit Weg-/Zeit-Diagrammen und Papier und Stift arbeiten.

Die Fahrzeuge bewegen sich in beiden Richtungen mit einer bestimmten Geschwindigkeit und wenn sie sich an den Knotenpunkten (Kreuzungen) begegnen und beide grün haben, dann ist alles gut.

Frank Helbing Abteilungsleiter Verkehr im Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt
Eine rote Ampel 11 min
Bildrechte: Colourbox.de

An der besagten Kreuzung zur Kalkreiße ist es aber so, dass trotz aller Bemühungen keine Synchronisierung beider Fahrtrichtungen möglich ist, weil es ganz einfach bei der Länge der Strecke und der Vielzahl der Kreuzungen keine "Treffpunkte" der beiden "grünen Wellen" an allen Kreuzungen geben kann. Die wären aber notwendig. Denn nur dann, wenn das Grün für beide Fahrtrichtungen zeitgleich leuchtet, wäre im Umkehrschluss dann auch für beide Fahrtrichtungen gleichzeitig an den jeweiligen Kreuzungen "rot". Und das Rot für beide Richtungen stadteinwärts und stadtauswärts ist zwingend erforderlich, damit Fahrzeuge aus den Seitenstraßen die vierspurige Hauptstraße queren können. Bedeutet: Dieser Zwangshalt als Grüne-Welle-Brecher wird uns erhalten bleiben. Anders sieht es im Bereich der Messe aus.

"Grüne Welle" an der Messe "in Arbeit"

In Vorbereitung der Buga 2021 sind wir derzeit dabei, ein Planungsbüro zu binden, was sich die Signalsteuerung im Zuge der Gothaer Straße anschaut, überarbeitet und optimiert. Der Planungsprozess läuft wahrscheinlich in zwei bis drei Monaten an. Das heißt, die "grüne Welle" dort wird überarbeitet.

Frank Helbing Abteilungsleiter Verkehr im Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt

Die Planungssünden aus der Vergangenheit werden dadurch aber auch nicht beseitigt. Denn wir haben immer noch das Problem, dass sich die Straßenbahn auf der einen Straßenseite befindet und die Messe auf der anderen. Das führt dazu, dass bei Veranstaltungen auch noch die Fußgängermassen über die Straße turnen müssen und die Straßenbahn macht den gleichen Blödsinn ein Stück weiter hinten auch noch mit. Das ist suboptimal und kann auch durch den geplanten neuen Parkplatz nur bedingt ausgeglichen werden.

Neuer Parkplatz soll Gothaer Straße entlasten

Bei den Anwohnern sorgt die Idee ohnehin für Unmut, spielt aber bei dem Verkehrskonzept eine große Rolle. Angedacht ist, möglichst viele Autos, die von der Autobahn her zur Messe fahren wollen, bereits am Abzweig Wartburgstraße (erste Ampel hinter Schmira) auf den neuen Parkplatz abzuleiten. Damit würde der Verkehr auf der Gothaer Straße verringert. Autos, die aus der Stadt zur Messe fahren, werden entsprechend gleich auf die "ersten" Parkplätze aus dieser Fahrtrichtung geleitet, mit dem gleichen Effekt. Schon heute ist es so, dass die Ampeln rund um die Messe auf den Verkehrsfluss reagieren und das sollen sie auch künftig tun.

Wenn nachts eine Veranstaltung auf der Messe zu Ende und auf der Gothaer Straße wenig Verkehr ist, dann wird vom Verkehrsrechner erkannt, dass von den Parkplätzen ein hoher Bedarf besteht. Dann werden entsprechende Signalprogramme geschaltet, die eine zügige Entleerung der Parkplätze herbeiführen sollen.

Frank Helbing Abteilungsleiter Verkehr im Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 28. Juni 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2019, 18:00 Uhr

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1 Kommentar

30.06.2019 05:50 Knut 1

Wenn der ÖPNV Vorrang hat, wieso stellt man diese Luftmesstationen z.B. nicht am Talknoten auf. Hat zwar jetzt nix mit der Grünen Welle zu tun- wollte ich aber mal gesagt haben