Eine Socke wird über ein Hosenbein gezogen
Hose in den Socken sieht nicht schön aus, hiflt aber gegen Zecken. Bildrechte: www.zecken.de

Der Redakteur | 03.04.2019 Haben Zecken natürliche Feinde und könnte man die Zecken nicht mit deren Hilfe bekämpfen?

Konrad Schmeißer aus Gera wollte wissen, ob Zecken natürliche Feinde haben und mit deren Hilfe bekämpft werden können. Thüringenforst und ein Zoologie-Professor antworten dem Redakteur.

von Thomas Becker

Eine Socke wird über ein Hosenbein gezogen
Hose in den Socken sieht nicht schön aus, hiflt aber gegen Zecken. Bildrechte: www.zecken.de

Vögel, Fadenwürmer und Pilze, das sind die natürlichen Feinde, die uns aber leider bei der Zeckenbekämpfung keine große Hilfe sind. Wir können uns also nur selbst helfen.

Ein erster Hinweis sind zum Beispiel die Schilder "Wildwechsel" an unseren Straßen. Denn dort, wo Rehe die entlang ziehen oder sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, da leben auch die Zecken. Denn sie sind auf diese Wirte angewiesen, die sie einerseits weitertragen und die andererseits als Blutspender zur Verfügung stehen. Die ersten Spender sind die kleinsten, nämlich die Mäuse. Das sind die häufigsten Wirte für die Zeckenlarven, also für die Zecken-Kinderchen.

Vollgesogene Zecke an einer Maus
Vollgesogene Zecke an einer Maus Bildrechte: IMAGO

Wenn wir denen schon Einhalt gebieten können, haben wir viel gewonnen. Für den Garten gibt es da die sogenannten Zeckenrollen, die zum Beispiel Baumwolle enthalten.

Das ist so eine Art Nistmaterial für den Nestbau der Kleinsäuger, das mit chemischen Substanzen getränkt ist.

Die Mäuse nehmen das Angebot an und am Ende landen die Substanzen im Fell der Mäuse und wenn die Zeckenlaven dort landen, dann endet das für sie tödlich. Katzen nehmen übrigens keinen Schaden, wenn Sie eine der "getränkten" Mäuse fressen. Für den Wald ist diese Methode leider nicht geeignet, sagt Dr. Sproßmann von ThüringenForst. Das liegt daran, dass das Nestbaumaterial alle paar Meter ausgelegt werden müsste. Auch wenn das eigentlich nicht im ganzen Wald nötig wäre, sondern vor allen Dingen auf feuchtwarmen Wiesen und dort, wo ihre Wirtstiere entlangkommen bzw. grasen.

Zecken sind kaum mobil. Eine Zecke bewegt sich ein Leben lang vielleicht in einem Umkreis von einem oder eineinhalb Metern. Erst durch die Wirte wird die Zecke dann auf die Fläche getragen.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher ThüringenForst
Mann mit weit aufgerissenen Augen im Bett
Durchgeschwitzte Bettwäsche eignet sich zur Zeckenjagd... Bildrechte: MDR/Pathermedia

Ob sie dort angekommen ist, das kann man sehr gut mit dem "Flaggen" testen. Das geht auch im eigenen Garten und sorgt mit Sicherheit für erheiternde Bilder. Wenn Sie sich keine Substanzen wie Buttersäure oder ähnliches kaufen wollen, dann reicht es schon, wenn Sie einmal eine Sommernacht bei geschlossenem Fenster verbringen und am nächsten Morgen ihr durchgeschwitztes Laken mit nach draußen nehmen.

Eine vollgesogene Zecke neben einem Zollstock 10 min
Bildrechte: IMAGO

Horst Sproßmann ist Pressesprecher bei Thüringenforst. Hier erklärt er unter anderem, dass Zecken kaum mobil sind.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 03.04.2019 15:20Uhr 09:57 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/service/audio-1015732.html

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Und dann fährt man mit dem Tuch über die Fläche, wo man die Zecken vermutet. Über ein Sinnesorgan an den Beinen können die Zecken die chemischen Signale wie Buttersäure, Ammoniak oder Milchsäure wahrnehmen und bleiben an dem Tuch hängen.

Michael Kurth, Professor für Spezielle Zoologie und Parasitologie TU Dresden

Und auf einem weißen Tuch finden Sie die Krabbeltierchen auch ganz gut. Ein schöner Test ist das und vielleicht auch eine Reinigungsmethode für den Garten, aber der Wald wird damit wohl eher nicht gefegt. Hier sind die Methoden noch nicht wirklich ausgereift und für die chemische Keule aus den Sprühdüsen eines Flugzeuges fehlt mit Sicherheit die gesellschaftliche Akzeptanz.

Für Forstmitarbeiter gelten deshalb als Arbeitsschutzmaßnahmen die ähnlichen Empfehlungen, die auch wir immer wieder hören. Dazu gehören das Auftragen entsprechender Mittelchen, geschlossene Hosenbeine, das abendliche Absuchen und das Impfen gegen FSME in Risikogebieten.

Allerdings muss man wissen, dass zum Start mehrere Impfungen nötig sind und dann Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre. Warum die Risikogebiete welche sind und was "FSME-Zecken" anders machen als andere, das wird unter anderem von der Bundeswehr erforscht. Aus gutem Grund, wenn man die Soldaten bei Übungen durch Unterholz kriechen sieht. Der Feind Zecke ist schließlich nicht ganz ungefährlich!

FSME-Risikogebiete Thüringen 2018
FSME-Risikogebiete Thüringen 2018 Bildrechte: MCS Grafik

Da gibt es dann Erkenntnisse wie die, dass Zecken mit FSME an Bord bestimmte Lebensräume mögen. Zum Beispiel Wiesen, die von Wald umschlossen und nach Norden oder Westen offen sind. Und die Zecken konzentrieren sich manchmal auf kleinste Lebensräume, ein paar hundert Meter weiter sind keine mehr. Warum das so ist, dazu gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Dabei wäre das vielleicht gerade wichtig. Da sind wir wieder bei der Bundeswehr - es ist immer gut, wenn man weiß, wo der Feind steckt und was er vorhat. Doch leider sind Zecken für die Forschung noch ziemlich rätselhafte Wesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 03. April 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 14:05 Uhr

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