Mädchen hält Zeugnis in den Händen
Sind Schulnoten noch zeitgemäß? Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 08.02.2019 Braucht man noch Schulnoten?

In Hessen ist es Schulen seit kurzem freigestellt, ob sie Noten geben wollen oder nicht. Auch in Thüringen gibt es solche Ansätze - sind Noten verzichtbar?

von Thomas Becker

Mädchen hält Zeugnis in den Händen
Sind Schulnoten noch zeitgemäß? Bildrechte: IMAGO

"Eins, setzen." Das haben wir doch gern gehört früher. Was nicht bedeutet, dass alles "sehr gut" war. Die neue hessische Freiheit ist in Thüringen nicht ganz unbekannt. Wir haben zum Beispiel in der Grundschule die Schuleingangsphase, mit Bienchen, Smileys und Texten statt Noten und auch den Thüringer Gemeinschaftsschulen ist bereits heute freigestellt, ob sie Noten vergeben wollen oder nicht. Allerdings geht das nicht einfach so. Handheben bei Lehrern, Eltern und/oder Schülern und dann sind die Noten weg. Anders als in Hessen ist das in Thüringen mit einem Konzept verbunden. Das muss im Ministerium zur Genehmigung vorgelegt werden.

Es gibt Schulen, die ein besonderes Schulkonzept haben, zu dem eben auch gehört, dass es bis Klasse 7 keine Schulnoten gibt. Das muss aber beantragt werden.

Gabi Ohler, Staatssekretärin im Thüringer Bildungsministerium
Schlechte Note in der Schule 3 min
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Gabi Ohler, Staatssekretärin im Bildungsministerium, über das Konzept, als Schule auf die Notenvergabe zu verzichten.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 08.02.2019 17:10Uhr 03:11 min

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In den meisten Thüringer Schulen gibt es Noten

Aber das sind nur Einzelfälle wie zum Beispiel bei Jenaplan. In den meisten Thüringer Schulen gibt es Noten. Und dass in Kürze in Thüringen flächendeckend eine Bewegung entsteht, die gegen Schulnoten angeht, das sieht keiner der Beteiligten am System. Weder das Ministerium, noch die Lehrer, auch die Eltern nicht und die Schüler offenbar auch nicht.

Denn es ist nicht so, dass die Begeisterung in der notenlosen Schuleingangsphase grenzenlos wäre. Leistungsstärkere Schüler zum Beispiel würden sehr gern Noten bekommen, so der Landeselternsprecher. Das kann man auch gut nachvollziehen. Die schlechteren sind wohl heilfroh ob des Zustandes aktuell und die dazugehörigen Eltern vielleicht analog. "Das Bild ist so bunt wie die Elternschaft", sagt Landeselternsprecher Rommeiß und auch der Vorsitzende des Lehrerverbandes spricht von einer "gespaltenen Gesellschaft" und da sind durchaus die Lehrer mit dabei. Und trotzdem:

In den Schuleingangsphasen gibt es schon seit Jahren keine Noten und ich höre da kaum Beschwerden.

Rolf Busch Landesvorsitzender Thüringer Lehrerverband

Und doch es gibt Menschen, denen erscheinen Schulnoten und Frontalunterricht wie Relikte aus der Vergangenheit, die die kindliche Entwicklung stören. Schließlich lernen Kinder von Geburt an und haben eigene Belohnungssysteme, die bis zur Schule auch ganz gut funktionieren. Zum Beispiel die Freude darüber, wieder mehr zu wissen oder zu können. Und dieser Spaß am Lernen geht komischerweise erst in der Schule verloren.

Die größte Freude löst dort immer noch die Ausfallstunde aus. Zumindest unter den Schülern. Woran liegt das? Dass zu wenig "spielerisch nebenbei" gelernt wird? Dass zu viel als Zwang empfunden wird? Dass man sich als Schüler fragt: "Wozu brauche ich das jetzt?" und keine zufriedenstellenden Antworten bekommt?

Schulnoten 9 min
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Einheitliche Regeln für Notenvergabe

Dass mit dem Fragen und den Antworten wäre vielleicht ein ganz guter Ansatz und dazu noch ein einheitliches Bewertungssystem. Dieses bundesweit oder thüringenweit durchzusetzen, das wird es aber nicht geben. Allerdings wäre es schon hilfreich, wenn es die Schulen oder zumindest die einzelnen Fachschaften einheitlich handhaben würden.

Da sind in der Tat auch die Bewertungssysteme von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Das ist kritisch zu bewerten. Weil hier eigentlich vorgesehen ist, dass sich die Lehrer eines Faches auf die entsprechenden Grundsätze zu verständigen haben. Damit dort nicht so eine große Spreizung auftritt.

Roul Rommeiß, Landeselternsprecher

Wie viele Punkte sind eine Zwei? Sind es 80 Prozent? Oder ist es heute so und morgen anders? Wie unterschiedliche Regelauslegungen auf dem gleichen Spielfeld ankommen, das kann man auf jedem Fußballplatz erleben. Denn wenn die Regeln klar sind, dann läuft auch das Spiel flüssiger. Dann kochen auch weniger Emotionen hoch. Das ist an den Schulen nicht anders. Und es ist ja nicht so, dass die Schüler der Klassen A, B, C nicht miteinander reden würden oder deren Eltern. Dieser Unmut lässt sich verhindern.

Wichtig ist auch hier, dass die Eltern nachfragen. Wie ist das zu der Note gekommen? Erklären Sie mir das! Und dann erwarte ich von der Lehrern, dass sie das auch erklären können.

Roul Rommeiß, Landeselternsprecher
Ein Abschlusszeugnis 5 min
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. Februar 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 16:20 Uhr

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4 Kommentare

10.02.2019 10:23 RM 4

"Noten sind mit unter ungerecht da es im Ermessen des Lehrers und vom sozialen Status des Kindes liegt" Einen noch größeren Schwachsinn kann niemand schreiben. Wenn der Atheist, Gott bewahre, ein Lehrer sein sollte, handelt er nach dem alten deutschen Sprichwort: WAS ICH SELBER DENK UND TUH, TRAU ICH ALL DEN ANDEREN ZU:

10.02.2019 00:06 maheba 3

Endlich aufhören mit der "Kuschelpädagogik". Zensieren ist wichtig und dient der Leistungsorientierung..
Wenn die Schüler später ins Berufsleben starten (wahres Leben) trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir leben nunmal in einer Leistungsgesellschaft.

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