Der Redakteur | 09.05.2019 Zwei Dotter im Ei – werden das nun eineiige Zwillinge?

Andreas Stecher aus der gemeinde Drei Gleichen fragt: Wenn ein Hühnerei einen Doppeldotter hat, gibt‘s dann Hühnerzwillinge? Und wenn ja, sind die dann "eineiig"? Und überleben die auch?

von Thomas Becker

Palette mit Hühnereiern.
Doppeldotter sind auch für die Wissenschaft eine noch nicht ganz gelöste Frage. Bildrechte: imago stock&people

Zwei Dotter lösen oft kindliche Freude aus bei Tische und es sind sogar drei oder vier Dotter möglich, wenngleich es sehr selten vorkommt. Für die beteiligten Tiere ist das aber kein Spaß. Je größer das Ei umso größer auch die Quälerei für die Henne, weshalb die Wissenschaftler vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. (BDRG) eine Züchtung in Richtung Ei-Maximierung auch ablehnen und die Begeisterung der Verbraucher für XXL-Eier nicht teilen können. Denn irgendwann stößt ein Huhn an einem gewissen (End-)Punkt an seine Grenzen.

Legenot nennt sich dieses Phänomen und das geht häufig mit dem Tod der Henne einher.

Mareike Fellmin, wissenschaftliche Leiterin am Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG

Doppeldotter kein Zuchtziel

Wenn also auf dem wissenschaftlichen Geflügelhof besonders große Eier gelegt werden, dann ist das für Mareike Fellmin und ihre Kollegen ein Grund, das Huhn von der weiteren Zucht auszuschließen. Sie geben den Züchtern lieber Tipps an die Hand, mit denen es den Tieren nachher auch gut geht. Und es ist deshalb auch kein Zuchtziel, Eier mit mehreren Dottern zu bekommen. Die Ursachen für die "Doppelpacks" sind noch nicht komplett erforscht, einerseits scheinen junge Hennen eher dazu zu neigen, weil sie sozusagen beim "Verpacken" noch etwas ungeschickt zu Werke gehen bzw. damit nicht hinterher kommen, aber auch alte Hennen legen Eier mit zwei Dottern.

Klar es kann häufiger bei jungen Hennen auftreten. Man geht aber auch davon aus, dass es eine genetische Komponente hat. Eine Mutter, die das gemacht hat, vererbt es an die Tochter weiter. Es ist wie bei uns Menschen, dass sich auch mal zwei Eizellen auf den Weg machen und es zu Zwillingen kommt und beim Huhn eben zum Doppeldotter.

Mareike Fellmin, wissenschaftliche Leiterin am Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG

Auch für Küken lebensgefährlich

Da es wie gesagt zwei Eizellen sind, die sich auf den Weg machen, ist auch die Frage nach den eineiigen Zwillingen beantwortet. Aus einem Doppeldotter entstehen also allenfalls zweieiige Zwillinge, aber auch das ist sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn das Ei und damit die beiden Eier darin befruchtet sind, dann beginnt ein Überlebenskampf auf engstem Raum, der in den allermeisten Fällen tödlich endet. Spätestens an dem Punkt, an dem sich die Küken bewegen.

In den letzten Bebrütungstagen wird das Küken auf die Lungenatmung umstellen und muss dazu in die Luftkammer unten am Ei kommen um diese zu durchstoßen und eben atmosphärischen Sauerstoff atmen zu können. Und auch da behindern sich die Küken sehr häufig, sodass sie im Ei dann versterben.

Mareike Fellmin, wissenschaftliche Leiterin am Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG

Der menschliche Eingriff, die Nachhilfe oder "frühzeitige Geburt" durch eine Art K“ei“serschnitt führt meistens auch nicht zum Erfolg, weil Tiere, die es nicht alleine auf die Welt schaffen, selten bis nie überleben. Das hängt auch damit zusammen, dass natürlich bei drei Wochen Brutzeit jeder Tag zählt und bei zwei Küken in einem Ei auch das Startpaket an Nahrung kleiner ausfällt als bei einer Einzelbesetzung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 09. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 17:39 Uhr

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