Der Redakteur | 04.06.2019 Warum fallen Schätze, die man auf dem eigenen Grundstück findet, dem Staat zu?

MDR THÜRINGEN-Hörer Willi Weidner aus Niederorschel möchte wissen, warum Goldmünzen oder andere Dinge aus früheren Zeiten, die man auf seinem eigenen Grundstück findet, automatisch dem Staat zufallen. Unser Redakteur für Hörerfragen hat sich auf die Suche nach einer Antwort gemacht und ist fündig geworden.

von Thomas Becker

Es ist ein geradezu märchenhafter Kindheitstraum. Einmal einen Schatz finden, einen echten Schatz. Doch leider sind die Gesetze nicht romantisch, auch wenn es der Schatz sogar bis ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) geschafft hat. Zunächst unterscheiden wir zwischen dem Schatz und dem Fund, bei letzterem ist der Eigentümer noch zu ermitteln. Und den Versuch sollte man auch unbedingt unternehmen, denn der Finder kann ganz schnell zum Dieb werden.

Das Finden und Einstecken ist nämlich keine legale Möglichkeit, irgendetwas zu "erwerben". Alles was über 10 Euro wert ist, muss im Fundbüro oder bei der Polizei gemeldet bzw. abgegeben werden. Das ist auch die Grundvoraussetzung dafür, Finderlohn zu beanspruchen. Wenn man sozusagen "überführt" wird, ist es damit vorbei. Aber bei ordnungsgemäßer Meldung kann man am Ende diverser Fristen sogar noch legal in den Besitz des Fundstückes kommen. Bei den "herrenlosen" Schätzen ist es allerdings komplizierter. Zunächst klingt es im BGB noch ziemlich gut. Mit der Einschränkung auch hier: Alle Entscheidungen aber bitte nicht ohne die Behörden treffen!

Was das Bürgerliche Gesetzbuch dazu sagt:

Buchumschlag einer Ausgabe des Bürglerichen Gesetzbuchs
Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist auch der Umgang mit Schatzfunden geregelt. Bildrechte: IMAGO

Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war.

§ 984 Schatzfund Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Klingt gut, dürfte aber bei den meisten Schätzen nicht greifen, denn unsere Bundesländer haben da noch eine eigene Ebene eingezogen, die den wunderbaren Namen "Schatzregal" trägt. So heißt auch der Paragraf 17 des Denkmalschutzgesetzes. Der Begriff stammt noch aus einer Zeit, als Fürsten und Könige die Schätze für sich beanspruchten. Heute ist der tiefere Sinn dahinter ein anderer.

Was der Denkmalschutz dazu sagt:

Bewegliche Kulturdenkmale, die herrenlos oder so lange verborgen gewesen sind, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Landes, wenn sie bei staatlichen Nachforschungen, in archäologischen Schutzgebieten oder bei ungenehmigten Nachforschungen entdeckt wurden, oder wenn sie einen hervorragenden wissenschaftlichen Wert besitzen.

§ 17 Schatzregal Thüringer Denkmalschutzgesetz

Und – auch das sollten Sie wissen – der wahre Wert eines Schatzes ist für den Archäologen nicht durch die Umrechnung in Euro zu ermitteln. Es geht darum, mit Hilfe des Schatzes etwas über frühere Kulturen zu erfahren. So komisch es klingt, der Fundort ist dabei mitunter wertvoller als der Schatz, weil man aus der Lage und der Beschaffenheit sehr viel herauslesen kann. Deshalb: Finger weg und anrufen.

Goldmünzen 8 min
Bildrechte: imago/blickwinkel

Interview mit Anja Endrigkeit vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Was mache ich bei einem Fund auf dem eigenen Grundstück?

Was mache ich bei einem Fund auf dem eigenen Grundstück?

Was mache ich, wenn ich beim Umgraben im eigenen Garten einen schönen Münzschatz finde? Wie melde ich diesen den Behörden? Und was kommt da auf mich zu? Anja Endrigkeit erklärt den Ablauf des Verfahrens.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 04.06.2019 16:40Uhr 08:08 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-was-machen-bei-fund-auf-eigenem-grundstueck-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Habe ich da irgendwelche Verfärbungen, die auf ein Grab schließen lassen? Ist vielleicht eine kleine Siedlung dabei, ein Hausbefund. Das sind die ganzen Kontexte, die für uns Wissenschaftler enorm wichtig sind.

Anja Endrigkeit Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Und das ist auch der Grund dafür, dass die Bundesländer den Schatzregal-Paragrafen gezogen haben. Dieser Umgang mit den Schatzfunden soll den Staat aber nicht reich machen, sondern bereichern. Letztlich wird der Erkenntnisgewinn – und gerne auch der Schatz als Museumsstück – der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Übrigens: Auch in solchen Fällen muss der ehrliche Finder nicht leer ausgehen, ein Finderlohn ist in den meisten Fällen ebenfalls drin.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. Juni 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 18:34 Uhr

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