Der Redakteur | 21.06.2019 Mitfahrbänke: Wie läuft das mit der Versicherung?

In Neustadt/Rennsteig werden immer mehr Mitfahrbänke aufgestellt. Wie bin ich versichert, wenn ich eine Person mitnehme? Das möchte Elvira Hettstedt wissen.

von Thomas Becker

Mitfahrbank in Tiefengruben
Mitfahrbank in Tiefengruben Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Mitfahrbänke haben natürlich keine Räder. Mit ihnen können Sie auch nicht fahren. Sie können dort warten, ein Schild mit dem Fahrziel ausklappen und hoffen, dass jemand Sie mitnimmt. Mitfahrbänke sind somit Teil von teilweise sehr umfangreichen Mobilitätskonzepten für den ländlichen Raum, aber dazu unten mehr.

Zunächst die klare Beantwortung der Frage nach dem Versicherungsschutz: Wer Menschen unentgeltlich befördert, dies also nicht gewerblich tut, benötigt weder einen "Personenbeförderungsschein" (Führerschein zur Fahrgastbeförderung) noch eine zusätzliche Versicherung für die Insassen. Das ist nichts anderes, als wenn Sie zum Beispiel andere Kinder mitnehmen, wenn es zum Auswärtsspiel des Fußballvereins geht.

Sowohl wenn Sie mitgenommen werden, als auch als Anbietender dieser sogenannten Mitfahrbank sind Sie auf der sicheren Seite mit Ihrer KFZ-Haftpflichtversicherung. Hier sind Schäden Dritter bei einem Unfall abgesichert.

Kathrin Jarosch, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft

Nun muss eigentlich jedes Fahrzeug haftpflichtversichert sein, das sich im Straßenverkehr bewegt. Aber selbst wenn Sie das Pech haben und in das Auto eines Unverantwortlichen steigen, ist Ihr Versicherungsschutz gewährleistet. Für solche Fälle springt ein Fond aller Kfz-Haftpflichtversicherer ein, allerdings nicht für den Unverantwortlichen selbst.

Mitfahrbank in Tiefengruben
Mitfahrbänke sollen die Mobilität im ländlichen Raum fördern. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Bleibt allerdings die Frage nach dem Sinn einer zusätzlichen Insassenunfallversicherung, die es ja trotzdem gibt. Diese Frage lässt sich am einfachsten mit dem "Ranking der unsinnigsten Versicherungen" beantworten, die der Bund der Versicherten aufstellt. Hier landet die Insassenversicherung aktuell auf Rang drei. Die Begründung der Verbraucherschützer kommt uns irgendwie schon bekannt vor:

Verursachen Sie einen Unfall und werden Ihre Mitreisenden verletzt, tritt Ihre eigene Kfz-Haftpflichtversicherung ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Auf eine zusätzliche Insassenunfallversicherung können Sie also verzichten.

Bund der Versicherten

Ranking der "unsinnigsten Versicherungen" vom Bund der Versicherten. Die Begründungen können Sie hier - neben anderen Informationen - herunterladen: www.bundderversicherten.de/hilfe-und-informationen/allgemeine-lebenssituationen

Platz  1: Kapitallebensversicherung und private Rentenversicherung
Platz  2: Sterbegeldversicherung
Platz  3: Insassenunfallversicherung
Platz  4: Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr
Platz  5: Versicherung gegen "häusliche Notfälle"
Platz  6: Handyversicherung
Platz  7: Reisegepäckversicherung
Platz  8: Krankenhaustagegeldversicherung
Platz  9: Brillenversicherung
Platz 10: Glasbruchversicherung

Versicherungstechnisch können Sie also beruhigt Platz nehmen auf einer Mitfahrbank und auch mit ruhigem Gewissen jemanden in Ihr Auto einsteigen lassen. Die Hinweise auf den gesunden Menschenverstand, das ungute Gefühl, das man haben könnte, und die übliche Vorsicht seien nur am Rande erwähnt.

Außerdem können wir im ländlichen Raum davon ausgehen, dass sich Fahrer und potentieller Fahrgast zumindest "vom Sehen" kennen. Und damit sind wir auch schon bei einem Aspekt, den die Mitfahrbänke auch haben. Sie sollen nicht nur das Weltklima retten, sondern auch die Menschen der Region ein Stück zusammenbringen - und sei es im Auto. Nicht alles soll dabei dem Zufall überlassen werden.

Das heißt konkret, wir haben schon ein zweites Projekt in der Pipeline, wo es auch darum gehen soll, zum Beispiel eine App-Lösung zu nutzen um kenntlich zu machen: ‚Ich sitze auf der Bank‘ oder ‚Ich will jemanden mitnehmen‘.

Felix Schmigalle, Klimaschutzmanager Ilm-Kreis

Auch die Anschaffung von 23 Pedelecs im Ilm-Kreis, sprich Elektrorädern zum Anmieten, ist in diesem Kontext zu sehen. Das große Gesamtkonzept denkt sogar noch bis zur Vernetzung mit dem ICE-Knoten in Erfurt und darüber hinaus. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 21. Juni 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 16:19 Uhr

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5 Kommentare

23.06.2019 08:00 Autofahrer 5

Mitfahrbänke : Das ist eine reine Abwerbung für Fahrgäste der Busunternehmen. Obwohl bei den Buslinienfahrten sowieso wenig Fahrgäste im Bus sitzen. Hier können gleich die Busunternehmen Insolvenz anmelden. Dank, gilt hier den Klimaschutzmanager. Auf was für sinnlose Ideen die kommen. Reine Nervensache !!

22.06.2019 17:27 Horst Schlemmer 4

Ein Kompliment für diese Kolumne. In das Thema Mitfahrbänke die Statistik der unnützesten Versicherungen einzubauen, verdient Beifall. Evtl. werden dadurch ein paar sinnlose Versicherungsverträge gekündigt. Prima.