Der Redakteur | 18.06.2019 Mülltrennung: Am Ende sind es 15 verschiedene Sorten

Waltraut Hermann aus Erfurt fragt: "Was muss ich bei der Mülltrennung und der Gelben Tonne beachten, damit am Ende viel wiederverwertet werden kann?"

von Thomas Becker

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
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Verpackungsvermeidung mag immer noch der beste Weg sein, aber so ganz zurück zum losen Quark wollen wir vielleicht doch nicht. Bleibt also nur Weg der Wiederverwertung, der durchaus noch Reserven hat und trotzdem schon überraschend weit ausgebaut ist. Wir starten mit der dringenden Erinnerung: Die Gelbe Tonne ist keine Mülltonne. Sie enthält bestenfalls Wertstoffe, die wiederverwertbar sind.

Es trennen Maschinen und Menschen

Gelber Sack
Hier gehört kein Müll hinein Bildrechte: IMAGO

Daraus darf jeder schlussfolgern, dass volle Windeln nicht hineingehören. Nur so nebenbei: In den Sortierbetrieben arbeiten Menschen am Band, die den Betrieb überwachen und per Hand nachsortieren. Diese mögen neben Windeln auch keine alten Schuhe, keine vollen Blumentöpfe und keine gebrauchten Spritzen. Auch sind Recycling und Reinkarnation zwei völlig verschiedene Bereiche, weshalb auch tote Tiere in diesem Kreislaufsystem keinen Platz haben.

Auf dem Land wird übrigens sorgfältiger sortiert als in der Anonymität der Stadt, das ist die Erfahrung der Sortierbetriebe, die dann den Inhalt unserer Gelben Tonnen und Säcke auf dem laufenden Band haben. Rudi Carrell hätte seine Freude gehabt. Allerdings, die "Kandidaten" merken sich nicht die Gegenstände, sondern analysieren in Bruchteilen von Sekunden die Materialien.

Folien werden mit einer Art Staubsauger abgesaugt, Metalle werden über einen Magneten rausgezogen, Aluminium über einen Nichteisenabscheider herausgeschossen. Dann werden über eine Spektroskopie, also über reflektiertes Licht, Kunststoffarten erkannt.

Holger Schmitz, Geschäftsführer Meilo - Gesellschaft zur Rückgewinnung sortierter Werkstoffe mbH & Co. KG

Also PP, PET usw. Am Ende des Prozesses haben wir die Wertstoffe in 15 verschiedene Fraktionen sortiert. Diese werden sortenrein zu großen Würfeln zusammengepresst und auf Paletten zur Abholung und Weiterverarbeitung bereitgestellt. Die Anlage der Firma Meilo in Gernsheim in Südhessen ist eine der modernsten Sortieranlagen der Welt. Sie läuft im Dreischichtbetrieb und verarbeitet so 120.000 Tonnen im Jahr.

Ein Drittel ist Müll, etwas über 50 Prozent wird stofflich verwertet, also Kunststoff zu Kunststoff, Metall zu Metall und 20 Prozent werden thermisch verwertet.

Holger Schmitz, Geschäftsführer Meilo

Thermisch verwertet heißt, es wird verbrannt und bestenfalls also zu Strom und Wärme. In den Ofen kommen zum Beispiel Verbundstoffe dabei, die sich eben nicht mehr trennen lassen oder Stoffe, die eben nicht wiederverwertbar sind.

In der Wertstoffaufbereitungs- und Sortieranlage wird der Müll vorsortiert.
Bildrechte: dpa

Von solchen Stoffen müssen wir wegkommen, sagt Holger Schmitz und ist sich da einig mit Umweltverbänden. Und auch die Verpackungsmittelindustrie arbeitet an Lösungen. Interessant ist, dass Tetra Pak nicht zu den Verbundstoffen gehört, die für immer verloren sind. Schon heute gibt es Spezialbetriebe, die Abnehmer sind von den Tetra Paks aus den Sortieranlagen und diese wieder in ihre Bestandteile zerlegen, sprich Papier- und Kunststofffasern und Aluminium.

Im Rahmen unserer jüngsten Zusage, die Kunststoffstrategie der EU zu unterstützen, werden wir mit Partnern zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, dass bis 2030 für sämtliche Bestandteile unserer Getränkekartons Recyclinglösungen geschaffen sind.

Website Firma Tetra Pak

Grundsätzlich haben wir es also mit in der Hand, die Recyclingquote zu erhöhen, wenn wir uns an ein paar kleine Regeln halten. Neben der eingangs erwähnten Müllvermeidung in der Gelben Tonne sind es auch andere Unaufmerksamkeiten: Die zerknüllte Plastetüte in einer Weißblechdose hat keine Chance auf Wiederverwertung und die Bänder der Video- oder Audiokassetten wickeln sich um die Wellen der Bänder und legen den Betrieb lahm. Interessant ist auch: Sogar kleine Teile sind wiederverwertbar. Alles, was mindestens so groß ist wie ein Schraubdeckel einer PET-Flasche, fällt nicht durchs Sieb und kann verarbeitet werden. Und gerade bei diesen Deckeln kommen riesige Mengen zusammen, die am Ende dann zum Beispiel vorsortiert und sortenrein in Firmen landen, die daraus Granulate herstellen, aus denen neue Produkte entstehen.

Die Systec Plastics GmbH in Eisfeld zum Beispiel verarbeitet die Plastetüten, die bei der Sortierung gleich zu Beginn vom "Staubsauger" aussortiert werden. Es sind Folien aus LDPE, also Milliarden von Gemüsetüten oder auch Bonbontüten. Die Folien werden geschreddert, gereinigt und farblich sortiert und letztlich zu linsengroßem Granulat verarbeitet. Optische Systeme erkennen tatsächlich die Farben der Kunststoffstückchen und sortieren in mehreren Durchläufen die einzelnen Farben heraus. Das Granulat wird dann an die kunststoffverarbeitende Industrie geliefert und es entstehen daraus neue Folien, Eimer oder Kabelkanäle. Und das ist keine Zukunftsmusik, sondern Stand der Technik von heute.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. Juni 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 17:10 Uhr

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1 Kommentar

19.06.2019 09:15 Alice Merkur 1

Fortschritte wird es erst geben, wenn weniger verschieden Kunststoffe eingesetzt werden.

Zu erinnern ist daran, dass in der DDR bereits aus Flaschen eines heute noch bekannten Spülmittels z.B. Wassereimer in Schwerin hergestellt wurden, denen man das nicht ansieht und die heute noch im Gebrauch sind. Warum geht das heute nicht ?