Der Redakteur | 04.09.2020 Gibt es weniger Regen, weil die Luft sauberer geworden ist?

Könnte der Mangel an Regen auch dadurch verursacht sein, dass die Luft sauberer geworden ist? Diese Frage stellt sich Jürgen Müller aus Bad Köstritz. Soweit er wisse, brauche es zur Tropfenbildung Kondensationskerne, also: Staub! Durch die Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft fehle der doch. Redakteur Thomas Becker macht sich auf die Suche nach Niederschlägen - und nach Antworten.

bunter Regenschirm im Getreidefeld bei aufziehendem Gewitter
Folge der Klimakrise: Es wird Regionen geben, die austrocknen, andere saufen förmlich ab - vor diesen Extremwetterereignissen warnen Klimaforscher schon seit Jahren. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Es ist wie so oft in der Wissenschaft: Es gibt keine einfachen Antworten. Und es kann auch sein, dass man zwar eine Änderung beobachtet, aber die hatte nur dem Anschein nach einen Einfluss auf das Ergebnis, weil da noch etwas anderes unterwegs war.

Wasserdampf kann sich auch um Gasmoleküle sammeln

Den Effekt kennen wir aus dem täglichen Leben, dass es ausschließlich dann regnet, wenn wir den Regenschirm zu Hause gelassen haben. Aber welchen Einfluss hat unsere Vergesslichkeit auf die Wolkenbildung? Eine eher geringe. Dafür sind tatsächlich eher Kondensationskeime verantwortlich, die aber nicht zwingend Staubkörnchen oder Rußpartikel im sichtbaren Bereich sein müssen - und auch nicht zwingend Feststoffe. Sondern durchaus auch gasförmige Ausgangsstoffe, also Aerosole.

Auch um ionisierte Gasmoleküle kann sich Wasserdampf sammeln. Und was unsere frühere berühmte "Bitterfelder Luft" betrifft, hier war es vor allen Dingen Schwefeldioxid als Ausgangsstoff, das sich in der Atmosphäre dann noch chemisch in Partikel umgewandelt hat.

Regentropfen in einer Pfütze
Die Tröpfchenbildung bei Niederschlägen - ein komplexes Thema. Bildrechte: colourbox.com

Die Partikel sind dann flüssig. Das sind die Schwefelsäuretropfen. Dadurch war der saure Regen früher ein großes Problem bei uns und in anderen Regionen ist es noch eins.

Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig

Trotzdem ist die Logik durchaus nachvollziehbar, dass es bei mehr Partikeln auch mehr Wolken gibt, und die dann mehr Regen bringen könnten. Welche Effekte am Ende aber überwiegen - und welche Faktoren noch eine Rolle spielen, daran wird intensiv geforscht. Im Umkehrschluss führen nämlich weniger Partikel zu weniger Wolken und somit zu mehr Sonne. Zumindest tagsüber. In der Folge würde der Boden wärmer, es verdunstet mehr Wasser - und da sind weniger Niederschläge irgendwie nicht logisch.

In der Zukunft erwarten wir, dass der Niederschlag zunimmt. Aber das hat nicht so sehr etwas mit den Aerosolen zu tun, sondern mit der globalen Erwärmung. Wenn Luft sich erwärmt, enthält sie mehr Wasser.

Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig
Vertrocknete Sonnenblume auf einem Feld 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR Wissen So 22.09.2019 23:15Uhr 44:22 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Das Regenwasser verteilt sich ungleichmäßig

Wenn das Wasser über den Ozeanen beispielsweise verdunstet, "weiß" es noch nichts von den Kondensationskernen beziehungsweise Aerosolen. Und wenn künftig mehr Wasser hochgeht in die wärmere Atomsphäre, muss es irgendwann auch wieder runterkommen, auch wenn es gar kein Partikel geben würde. Eine solche partikelfreie Zone ist übrigens manchmal die Arktis. Aber das ist eher selten.

Trotzdem stellt sich die Frage: Geht das, Wolken ohne Partikel? Ja! Bei starker Übersättigung, also hoher Luftfeuchte oder starker Unterkühlung, klappt es mit der Wolkenbildung sogar ganz ohne Kondensationskeime. Man spricht von lokalen Dichtefluktuationen - müssen wir uns nicht merken.

Es gibt die relative Luftfeuchtigkeit. Die ist eigentlich immer unter 100 Prozent bei uns, eben weil sich bei 100 Prozent eine Wolke bildet. Die würde dann auf 200 oder 300 Prozent steigen und dann würde sich auch ohne Kondensationskeime eine Wolke bilden.

Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig

Das wären dann Tropen XXL, die Suppe würde an uns nur so herunterlaufen. Auch eine Form von Regen und die vielleicht sogar sanftere Variante. Denn das Wasser muss herunterkommen, haben wir gelernt - und tut das dann leider nicht sonderlich gut verteilt.

Es wird Regionen geben, die austrocknen, andere saufen förmlich ab - das sind die Extremwetterereignisse, auf die uns die Klimaforscher schon seit Jahren vorbereiten. Stichwort Klimaerwärmung und Treibhausgase. Die Partikel spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle, sagt Prof. Quaas, der auch Mitglied im Weltklimarat ist. Und für eine Wolke braucht es ohnehin gar nicht so viele, wie man denken könnte. Oder eben gar keine.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Mittag | 04. September 2020 | 13:15 Uhr

3 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 19 Wochen

Also bei uns macht das nicht die Trockenheit sondern der armen Borkenkäfer der sich dank dem verbot von Fallen durch die Grünen ungebremst vermehren konnte.🤬🤬🤬
Auch trifft es immer mehr Eichen und die haben an einem See mit ihren bis zu 8 m tiefen Wurzeln bestimmt keinen Wassermangel.Es geht bei der Aussage mit dem Wassermangel nur darum den Klimawandel zu bestätigen der angeblich
Menschen gemacht zu untermauern,und der Lemming glaubt es.😱😱😱

Chemnitzer vor 19 Wochen

Komisch, wir hatten diesen Sommer doch eine Menge Regen bei uns und trotzdem vertrocknen die grossen Fichten in den Gärten und in den Wäldern sieht es schlimm aus. Kam der Regen einfach zu spät?

Critica vor 19 Wochen

Fragt mal den Namensvetter Thomas Globig, der sagte vor einigen Tagen im mdr, dass sich die Natur auch wieder erholen wird und erklärte, dass es in den vergangenen hundert Jahren solche und solche Phasen gab.
Meine Frage aber wäre: Kann es sein, dass es aufgrund geringer Flugaufkommen im zu Ende gehenden Sommer mehr geregnet hat?