Tabuthema Sterben Weiterleben als Edelstein – alternative Bestattungsformen

Die Bestattungskultur wandelt sich. Der Trend geht hin zu alternativen Formen des Gedenkens und neuen Möglichkeiten des Abschiednehmens. Wie individuell die letzte Ehre, die letzte Ruhe, die Trauerverarbeitung ist, beleuchten wir in Teil vier unserer Wochenserie.

Alternative Bestattungsmöglichkeiten 5 min
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Do 31.01.2019 12:54Uhr 04:57 min

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Noch nie in der Geschichte hat sich die Bestattungskultur in so kurzer Zeit so drastisch verändert, wie in den letzten 30 Jahren. Als Grund werden immer wieder die Abänderungen bzw. Novellierungen der Bestattungsgesetze, die Abwendung von der christlichen Bestattungskultur und die daraus resultierende Individualisierung genannt.

Entscheidend für die drastische Veränderung der Bestattungskultur ist die Verbrennung des Leichnams im Krematorium. Diese "Technisierung des Todes" wird als die bedeutendste Veränderung im Bestattungswesen bezeichnet. Erst die Einäscherung ermöglicht die vielen alternativen Bestattungsformen und eine Individualisierung der Bestattungskultur.

Alternative Bestattungsmöglichkeiten 1 min
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Cynthia Bartosch hat sich zusammen mit ihrer Familie dazu entschieden, aus der Asche ihrer verstorbenen Oma einen Kristall anfertigen zu lassen.

Do 31.01.2019 14:08Uhr 00:43 min

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Trauerphasen

Trauer vollzieht sich in unterschiedlichen Phasen und über einen längeren Zeitraum.

Erste Trauerphase des Nicht-wahrhaben Wollens

Nach der Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen, tritt oft ein Schock ein. Die Angehörigen wollen diesen Fakt erstmal nicht wahrhaben. Sie glauben, es handle sich um einen Irrtum. Auch, wenn sie die Person beim Sterben begleitet haben. Eine Zeitlang wirken die Hinterbliebenen gefühllos. In Wahrheit sind ihre Gefühle erstarrt. Sie fühlen sich selbst wie tot. In dieser Phase ist Unterstützung von helfenden Personen sehr wichtig. Hilfe, jedoch nicht Entmündigung, ist angesagt.

Zweite Trauerphase der aufbrechenden Emotionen

Der Trauernde ist wütend. Diese Wut bekommen Ärzte aber auch Angehörige zu spüren. Manchmal wird eine Schuld am Tod des geliebten Menschen gesucht, bei anderen, oder teilweise auch bei sich selbst. Vieles, was man mit dem Verstorbenen zu dessen Lebzeiten nicht mehr klären konnte, bricht auf. Aber es kommen auch schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Diese aufbrechenden Emotionen sind sehr wichtig und müssen ernstgenommen werden.

Dritte Trauerphase des Suchens und Sich-Trennens

Manche trauernde Person spürt den Verstorbenen noch bei sich. Er begleitet sie zum Beispiel immer noch beim Einkaufen und läuft beim Spazieren an ihrer Seite. Eine Zwiesprache entsteht. Manche Hinterbliebene nehmen plötzlich Angewohnheiten auf, die ihr verstorbener Partner hatte. Oder sie verrichten Dinge, die sonst immer der andere erledigt hat.

Wenn der Tod des anderen plötzlich kam und die Person verschollen ist, leben Phantasien, dass er noch leben könnte, lange Zeit Raum ein.

Die Auseinandersetzung und die Suche nach dem, was den Partner ausgemacht hat und das Gemeinsame, ist wichtig. Diese Phase des Suchens und sich Trennens ist ein Auf- und Ab und wird immer wieder von Phasen tiefer Verzweiflung und Depression abgelöst.

Vierte Trauerphase des neuen Selbst- und Weltbezugs

Ist die Such- und Trennungsphase in ein Stadium gekommen, in dem nicht mehr das gesamte Sinnen um den Tod den Trauernden beansprucht, dann kann ein neuer Selbst- und Weltbezug entstehen. Der Verstorbene ist im Inneren des Hinterbliebenen ein Begleiter geworden, dessen Bild sich aber, und das ist wichtig, immer wieder wandeln darf und hinterfragt wird. Der Trauernde versteht, dass vieles, was er oder sie in der Beziehung gelebt hat, nun auch anders gelebt werden kann und darf. Und auch, dass einiges, was dort keinen Platz hatte, jetzt neue Möglichkeiten bietet. Er gewinnt an Selbstachtung und Selbstvertrauen. Neue Lebensmuster entstehen. Auch in dieser Phase gibt es immer wieder Rückfälle.

Sterben – was ist das?

Das Sterben ist mehr als einzig der letzte Atemzug oder das Verlöschen des Pulsschlags. Das Sterben ist ein Prozess, der nicht von einer Minute auf die andere endet. Mediziner unterscheiden drei Phasen des Todes: den klinischen Tod, den Hirntod und den biologischen Tod.

Alternative Bestattungsmöglichkeiten 1 min
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Patrick Zimmermann, Anbieter von Kristallbestattungen "Unsere Seele ist unsterblich"

"Unsere Seele ist unsterblich"

Patrick Zimmermann von der Cara AG, Anbieter von Kristallbestattungen und Diamantbestattungen, über das Leben nach dem Tod.

Do 31.01.2019 12:51Uhr 00:29 min

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Der klinische Tod

Beim klinischen Tod kommt es zu einem Kreislaufstillstand: Die Atmung setzt aus, der Puls ist nicht mehr fühlbar, die Sinne fallen aus. Der Sauerstoffmangel sorgt dafür, dass die Organe absterben; als erstes ist das Gehirn betroffen. Nur drei bis fünf Minuten nach dem Kreislaufstillstand ist es irreversibel geschädigt. Wird der Mensch innerhalb dieser Zeit wiederbelebt, kann er wieder ganz gesund werden, wenn er Glück hat.

Der Hirntod

Alle Funktionen des gesamten Gehirns sind beim Hirntod erloschen – also im Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn. Einige Anzeichen dafür: Der Mensch ist bewusstlos, atmet nicht mehr von alleine und seine Hirnstammreflexe sind ausgefallen.

Das bedeutet etwa, dass seine Pupillen nicht mehr auf unterschiedlichen Lichteinfall reagieren und dass der Hustenreflex nicht mehr funktioniert. Auch Hirnströme können nicht mehr gemessen werden.

Der Brustkorb des Menschen in diesem Zustand hebt sich und senkt sich allerdings. Auch das Herz schlägt. Und so ist es für viele Angehörige nur schwer zu begreifen, dass der Patient tot sein soll.

Der biologische Tod

Nach dem klinischen Tod und dem Hirntod folgt der biologische Tod. Das bedeutet, dass alle sogenannten Vitalfunktionen des Körpers zum Stillstand gekommen sind, also etwa die Reflexe und alle Stoffwechselprozesse. Die Verwesung beginnt.

In dieser letzten Phase weist der Körper des Toten die sogenannten sicheren Todesmerkmale auf. Man spricht dabei von Totenflecken. Diese bläulich-roten Flecken entstehen, wenn durch den Stillstand des Herzens der Blutstrom zum Erliegen kommt. Das Blut wird nicht mehr durch den Körper gepumpt, sondern sammelt sich an den Stellen, auf denen der Leichnam liegt. An den Stellen, wo das Gewicht des Körpers auf den Untergrund drückt, bleibt die Haut hell. Nach wenigen Stunden setzt die Totenstarre ein, die sich nach zwei Tagen wieder von selbst lockert.

Über die Autorin Inna Buckup, Jahrgang 1970, seit 1997 freie Autorin und Redakteurin für den MDR.

Weitere Informationen

Über dieses Thema berichtet der MDR im Fernsehen MDR um 4 | 28.01.-01.02.2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 15:47 Uhr