Ein Mechnaniker sieht unter die Motorhaube eines Wagens.
Steuerkette oder Zahnriemen? Da blickt der Laie nicht mehr durch ... Bildrechte: colourbox.com

Leichter leben | 04.07.2018 | 17:00 Wenn die Steuerkette Ärger macht

Zuerst muss geklärt werden, welche Aufgabe sie eigentlich hat, diese Steuerkette. Und warum gibt es sie mal aus Gummi und mal aus Eisen? Welche hält länger? Droht wirklich ein Motorschaden, wenn die Steuerkette defekt ist? Ja, genauso wie durch einen gerissenen Zahnriemen, der eine Alternative zur Steuerkette ist. Und womit läuft der Motor besser? Diese Fragen beantwortet Autoexperte Andreas Keßler.

Ein Mechnaniker sieht unter die Motorhaube eines Wagens.
Steuerkette oder Zahnriemen? Da blickt der Laie nicht mehr durch ... Bildrechte: colourbox.com

Der Zahnriemen war früher der Motorkiller Nr. 1

Deshalb sehnte sich der deutsche Autokäufer nach Motoren mit Steuerketten zurück, weil diese ja ein Motorenleben lang halten sollen. Das war tatsächlich so, in der guten alten, noch zahnriemenlosen Zeit. Das Auto mit einem "Kettenmotor" war in der Regel eher durchgerostet, als dass die Steuerkette Probleme machte. Bis jetzt! Natürlich können heute auch Steuerketten mit ihrem Antrieb und ihrer Führung von Computern perfekt berechnet und entsprechend ausgelegt werden. Und natürlich sind die Griffelspitzer in den Controlling-Abteilungen der Automobilhersteller an den Ergebnissen bzw. den kalkulierten Kosten immer sehr interessiert. Sehr schnell war klar: Nur eine billige Steuerkette ist eine gute Steuerkette. Inzwischen wünscht sich mancher den Motorkiller von einst fast wieder zurück ...

Das passiert, wenn die Steuerkette Probleme macht:

  • Klappernde Geräusche aus dem Motorraum, besonders deutlich kurz nach dem Motorstart
  • Ein Schaden an der Steuerkette ist im Vorfeld nicht zu diagnostizieren. Wenn defekt, dann defekt.
  • Häufig fallen Steuerkettenschäden noch unter die Garantie oder werden als Kulanzfall behandelt. Voraussetzung ist ein makellos geführter Wartungsnachweis durch Vertragshändler des Herstellers.
  • Wenn die Steuerkette gelängt ist, springt sie vielleicht nur über. Das reicht aber schon für deutliche Motorlaufstörungen, die allerdings reparabel sind.
  • Ein Riss der Steuerkette bedeutet in vielen Fällen den Einbau eines neuen Motors, weil eine klassische Reparatur hier teurer sein würde.

Wozu gibt es eigentlich einen Zahnriemen oder eine Steuerkette?

Der Viertakt-Motor hat in seinem oberen Teil, dem Zylinderkopf, Ventile für den Gaswechsel. Die Einlassventile lassen frisches Kraftstoff-Luft-Gemisch in den Brennraum, welches dort durch die Zündkerze entzündet und verbrannt wird. Das übrig bleibende Abgas verlässt den Brennraum durch die Auslassventile. Das Öffnen und Schließen der Ventile steuert die Nockenwelle, die ihrerseits durch die Steuerkette oder den Zahnriemen mit der Kurbelwelle verbunden ist.

Die drehende Kurbelwelle treibt die Steuerkette an, und diese dreht die Nockenwelle, damit sich die Ventile öffnen und schließen können. Wenn die Steuerkette plötzlich bei laufendem Motor reißt, bleiben die Nockenwelle und damit die Ventile stehen. Der Rest des Motors bewegt sich aber noch weiter und zerschlägt alle Teile, die unbeweglich im Wege stehen. In der Mehrzahl der Fälle (falls der Motor kein "Freiläufer" ist, bei dem selbst im geöffneten Zustand stehen gebliebene Ventile nicht mit den Kolben kollidieren) entsteht dadurch ein nur mit hohem finanziellen Aufwand reparabler Motorschaden.

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 08:00 Uhr