Leichter leben | 29.11.2017 | 17:00 Uhr Unfallwagen – Schnäppchen oder Risiko?

Reparierte Unfallwagen sind preiswerter als Neu- oder unfallfreie Gebrauchtwagen. Doch ein nicht den Herstellerangaben entsprechend repariertes Fahrzeug birgt Risiken. Wie man ein solches erkennt, weiß Andreas Kessler.

Soll man oder soll man nicht? Einen Unfallwagen kaufen ...

In der Praxis bedeutet ein nicht nach den Herstellervorgaben reparierter Unfallwagen ein Sicherheitsrisiko für die Insassen, wenn es wieder zu einem Unfall kommt. Wenn nämlich tragende Teile eines Autos, die bei einem Unfall verformt wurden, nur kalt gerichtet wurden, verändern diese ihr Knautschverhalten und damit die Kraftaufnahme im Crash-Fall. Im ungünstigsten Fall kann die normalerweise vorhandene Sicherheitsausrüstung eines Autos dann ihre lebensrettende Funktion nicht erfüllen.

Der Preis eines professionell reparierten Unfallfahrzeuges unterscheidet sich bei weitem nicht so stark von dem eines unfallfreien Autos, obwohl das oft vermutet wird. In der Regel erlöst der Verkäufer etwa 10 bis 12 Prozent weniger, was allein der Psychologie geschuldet ist. Wer mit einem Auto leben kann, das trotz perfekter Reparatur ein Unfallwagen bleibt, kann einige Tausender sparen. Dieser "Malus" gehört aber von nun an zum Auto, weil er bei einem späteren Weiterverkauf des Autos wieder wirksam wird (wenn der Verkäufer ehrlich ist).

Woran kann selbst ein Laie erkennen, ob ein Auto einen Unfall hatte?

Auf den ersten Blick ist das oft nicht zu erkennen. Verdeckte Schäden und die Folgen des Schadens sind nur zu finden, wenn man gründlich danach sucht.

Mann hockt neben defektem Auto
Unfallwagen? Mit einem prüfenden Blick können Sie im Vorfeld eines Gebrauchtwagenerwerbs einen Unfallwagen erkennen. Bildrechte: colourbox.com

Darauf sollten Sie achten:

  • ungleiche Spaltmaße eines Blechteils zu den angrenzenden Karosseriepartien
  • Farbnebel auf Glas, Reifen und Kunststoffteilen
  • schlecht schließende Türen und Hauben
  • schlecht lackierte Blechteile im Motorraum
  • deutliche Knitterspuren an Unterbodenpartien


Wenn ein Händler ein Auto als Unfallwagen anbietet (wenn tragende Teile des Autos bei einem Unfall beschädigt und später repariert wurden, muss das angebotene Fahrzeug dieses Attribut in der Verkaufsbezeichnung führen), kann man zunächst einmal nicht sicher sein, ob die Reparatur nach den Vorgaben des Autoherstellers ausgeführt worden ist. Wenn es sich bei den Unfallschäden nur um Blechschäden gehandelt hat, die durch einfaches Auswechseln der verbeulten Partien (ohne Richtarbeiten an darunter liegenden Fahrzeugstrukturen) behoben worden sind, muss der Händler nicht darauf hinweisen. Er sollte es aber tun, um dem Kunden gegenüber seriös aufzutreten.

Ein ehemals stark beschädigtes Auto, das nach Herstellervorgaben repariert worden ist, sollte man nur mit einem "Nach-Unfall"-Gutachten einer unabhängigen Gutachterorganisation (TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS) kaufen, das in dieser Hinsicht grünes Licht gibt.

Nur dann kauft man ein Auto, das sicherheitstechnisch mit einem unfallfreien Fahrzeug gleichzusetzen ist.

Gibt es nun Schnäppchen unter den Unfallwagen?

Wer das oben geschriebene gelesen hat und immer noch auf Schnäppchen-Suche ist, sollte speziell nach Exoten (Gebrauchtwagenhändler nennen sie auch "Standuhren") Ausschau halten. Wenn diese ohnehin schwer absetzbaren Autos einen Unfall hatten, sind sie selbst nach erfolgter Reparatur beinahe unverkäuflich. Und das drückt die Preise.

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 15:41 Uhr