Symbolfoto - Frau steht auf Antrag auf Hinterbliebenenrente
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Leichter leben Hinterbliebenenrente: Wer hat einen Anspruch darauf?

Wenn der Partner oder die Eltern sterben, hilft die Rentenkasse finanziell. Doch wer hat genau Anspruch auf Hinterbliebenenrente? Wie viel bekommen Verwitwete und Waisen oder Halbwaisen, und was müssen sie dafür tun? Und wie lange muss man eigentlich verheiratet sein, um Anspruch auf Hinterbliebenenrente zu haben? Gilbert Häfner, Präsident des Oberlandesgerichts in Dresden, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Symbolfoto - Frau steht auf Antrag auf Hinterbliebenenrente
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Was ist die Hinterbliebenenrente und warum gibt es sie?

Durch den Tod eines Ehepartners, gleichgeschlechtlichen Partners einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, eines Vaters oder einer Mutter verliert eine Familie zuweilen diejenige Person, die aus ihrem Arbeitseinkommen oder ihrer Rente den Lebensunterhalt der Familie überwiegend oder sogar allein bestritten hat. In diesen Fällen können und sollen die Rentenansprüche, die der Verstorbene erworben hat, dazu herangezogen werden, die wirtschaftliche Existenz der Hinterbliebenen zu sichern.

Welcher Personenkreis kann einen Anspruch auf Hinterbliebenenrente haben?

Witwen und Witwer sowie der überlebende gleichgeschlechtliche Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gehören ebenso zu den potentiellen Anspruchsberechtigten wie Halb- und Vollwaisen. Dieser Personenkreis erhält die Hinterbliebenenrente aus der Rentenversicherung des Verstorbenen. Geschiedene Ehepartner und gleichgeschlechtliche Partner einer aufgelösten eingetragenen Lebenspartnerschaft, die ein Kind erziehen, können (nur) Anspruch auf eine so genannte Erziehungsrente haben. Diese Rente wird allerdings aus der Rentenversicherung des Erziehenden gezahlt.

Anfang des Jahres 2002 wurden die Anspruchsvoraussetzungen für die Hinterbliebenenrente erschwert und die Höhe der Ansprüche eingeschränkt. Für welchen Personenkreis gilt das günstigere "alte Recht"?

Die bis zum 31.12.2001 geltenden Regelungen für die Witwen- oder Witwerrente finden weiterhin Anwendung, wenn der Ehepartner vor dem 01.01.2002 verstorben ist oder wenn der Ehepartner zwar nach dem 31.12.2001 verstorben ist, aber die Ehe vor dem 01.01.2002 geschlossen wurde und mindestens einer der beiden Ehepartner vor dem 02.01.1962 geboren ist.

Unter welchen allgemeinen Voraussetzungen erhält man Witwen- bzw. Witwerrente?

Geld und Spielfiguren auf dem jährlichen Schreiben zur Renteninformation
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Grundlegende Voraussetzung für den Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente ist, dass die Ehe bis zum Zeitpunkt des Todes des Partners bestanden hat. Ein Getrenntleben ist ebenso unschädlich wie ein Scheidungsantrag; hingegen besteht kein Anspruch, wenn die Ehe rechtskräftig geschieden oder für nichtig erklärt ist. Ist die Ehe nach dem 31.12.2001 geschlossen worden, muss sie – von besonderen Ausnahmefällen abgesehen – im Todeszeitpunkt mindestens ein Jahr bestanden haben.

Weitere Voraussetzung ist, dass der verstorbene Ehepartner die allgemeine Wartezeit (Mindestversicherungszeit) von fünf Jahren erfüllt hat. Schließlich gerät die Witwen- oder Witwerrente in Wegfall, wenn der überlebende Partner wieder heiratet oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingeht; in diesem Fall erwirbt er allerdings einen Abfindungsanspruch in Höhe von zwei Jahresbeträgen der Witwen- oder Witwerrente, die der Hinterbliebene in den letzten zwölf Monaten durchschnittlich erhalten hat.

Worin besteht die große Witwenrente und wer hat Anspruch darauf?

Die große Witwenrente beträgt 55% – nach "altem Recht" 60% – der Rente, die der verstorbene Partner im Todeszeitpunkt bezogen hat oder hätte. Einen Zuschlag gibt es – übrigens nur nach "neuem Recht" – für denjenigen, der ein Kind bis zum dritten Lebensjahr erzieht oder erzogen hat. Bei Erziehung mehrerer Kinder erhöht sich der Zuschlag. Um die große Witwenrente zu erhalten muss neben den allgemeinen Voraussetzungen mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die Witwe bzw. der Witwer erzieht ein eigenes minderjähriges Kind oder ein minderjähriges Kind des verstorbenen Ehegatten. Dabei werden auch berücksichtigt: Stiefkinder und Pflegekinder, die in den Haushalt der Witwe oder des Witwers aufgenommen sind, sowie Enkel und Geschwister, die in den Haushalt der Witwe oder des Witwers aufgenommen sind oder von diesen überwiegend unterhalten werden. Der Erziehung eines minderjährigen Kindes steht es gleich, wenn die Witwe bzw. der Witwer in häuslicher Gemeinschaft für ein eigenes Kind oder ein Kind des verstorbenen Ehegatten sorgt, das – unabhängig von seinem Alter – wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande ist, sich selbst zu unterhalten.
  2. Die Witwe bzw. der Witwer ist erwerbsgemindert oder vor dem 02.01.1961 geboren und berufsunfähig oder war am 31.12.2000 bereits berufsunfähig oder erwerbsunfähig und ist dies ununterbrochen.
  3. Die Witwe bzw. der Witwer hat das 47. Lebensjahr vollendet. Diese Altersgrenze folgt aber der "Rente mit 67" und findet daher erst Anwendung, wenn der Todeszeitpunkt des verstorbenen Partners im Jahr 2029 oder später liegt. Bis dahin wird seit dem Jahr 2012 die Altersgrenze, die im "Todesjahr" 2011 noch bei 45 Jahren lag, um zunächst einen Monat jährlich, ab dem Jahr 2024 um zwei Monate jährlich angehoben. 

Was versteht man unter der kleinen Witwenrente?

Die kleine Witwenrente erhalten Witwen oder Witwer, die zwar die allgemeinen Voraussetzungen für die Hinterbliebenenrente, nicht jedoch mindestens eine der besonderen Voraussetzungen (siehe oben) für die große Witwenrente erfüllen. Sie beträgt 25% der Rente, die der verstorbene Partner im Todeszeitpunkt bezogen hat oder hätte. Wie bei der großen Witwenrente, allerdings in geringerer Höhe, gibt es – nach "neuem Recht" – einen Zuschlag für die Kindererziehung. Die kleine Witwenrente wird längstens für 24 Kalendermonate nach Ablauf des Monats gezahlt, in dem der Versicherte verstorben ist. Diese Befristung gilt jedoch nicht für Rentenfälle, auf die das "alte Recht" Anwendung findet.

Ab welchem Zeitpunkt besteht der Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente?

Münzen im Glas mit der Aufschrift "Rente"
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Die Hinterbliebenenrente muss von der Witwe oder dem Witwer beantragt werden. Die Antragstellung sollte nicht verschleppt werden, da die Hinterbliebenenrente rückwirkend nur für einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten nach dem Antragsmonat gezahlt wird.

Der Anspruch auf diese Rente besteht ab dem Todestag, wenn der verstorbene Partner noch keine Rente bezogen hat. War hingegen der oder die Verstorbene bereits Rentner, so steht der Witwe/dem Witwer die auf den Sterbemonat entfallende Versichertenrente des verstorbenen Partners zu und beginnt der Anspruchszeitzeitraum für die Hinterbliebenenrente mit dem Folgemonat.  

Was hat es mit dem so genannten "Sterbevierteljahr" auf sich?

In den ersten drei Monaten, die auf den Sterbemonat folgen, erhält die Witwe oder der Witwer die Versichertenrente des verstorbenen Partners in voller Höhe. Diese Vergünstigung soll dem Hinterbliebenen den Übergang erleichtern.

Wird eigenes Einkommen der Hinterbliebenen auf ihren Anspruch auf Hinterbliebenenrente angerechnet?

Während bei der Waisenrente keine Anrechnung stattfindet, muss sich die Witwe oder Witwer eigene Einkünfte auf die Hinterbliebenenrente anrechnen lassen. Dies gilt allerdings nicht während des so genannten "Sterbevierteljahres". Anrechnungsfrei sind monatliche Einkünfte der Witwe oder des Witwers bis zu einer Höhe von 819,19 € in den alten und 783,82 € in den neuen Bundesländern. Dieser Freibetrag erhöht sich für jedes Kind, das Anspruch auf eine Waisenrente hat, um 173,77 € in den alten und 166,26 € in den neuen Bundesländern. Über den Freibetrag hinaus gehende Einkünfte werden zu 40% auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet.

Zu berücksichtigen sind dabei neben Erwerbseinkommen (Arbeitsentgelt oder Beamtenbezüge) und Erwerbsersatzeinkommen (eigene gesetzliche Rente oder Beamtenversorgung) auch, sofern nicht "altes Recht" Anwendung findet, Einkünfte aus Vermögen, Betriebsrenten sowie Renten aus privaten Lebens- und Rentenversicherungen. Angerechnet wird freilich nicht das jeweilige Brutto-Einkommen, sondern es wird durch pauschale Abzüge für Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge etc. ein anrechenbares Netto-Einkommen ermittelt. Die Höhe der Abzugspauschale divergiert nach der Einkommensart. Bei einem Brutto-Verdienst von 1.365,32 € in den alten oder 1.306,37 € in den neuen Bundesländern, muss die Witwe oder der Witwer nicht damit rechnen, dass sich sein Anspruch auf Hinterbliebenenrente durch Anrechung verringert.

Weitere Informationen zum Thema: In der Broschüre der deutschen Rentenversicherung, hier erhältlich als Download oder am Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter der Rufnummer 0800 1000 4800.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 22. Februar 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 12:22 Uhr