Leichter leben | 15.11.2017 | 17:00 Uhr Mehr als ein Rohr: Der Auspuff

Der Gesetzgeber nennt sie trocken "Abgasanlage", der Autofahrer spricht vom "Auspuff" und die Techniker versuchen, aus dem Rohrgeschlängel eine Chemiefabrik zur Abgasreinigung zu machen. Grundsätzlich gilt, dass alle Komponenten, die damit im Zusammenhang stehen, typgeprüft und abgenommen sein müssen. Änderungen am Auspuff können zu Sanktionen führen. Was der Gesetzgeber vorschreibt und welche Schlupflöcher es gibt, weiß Andreas Keßler.

Geprüft wird nicht nur die Abgasqualität am Endrohr, sondern selbstverständlich auch die Lautstärke, mit denen die Abgase ins Freie geblasen werden. Seitdem es Grenzwerte für die Töne der "Autoverdauung" gibt, sind die Autos echte Leisetreter geworden. Das gefällt nicht jedem, insbesondere Fahrer sportlicher Autos wollen mehr von ihrem fahrbaren Untersatz hören und nehmen "geräuschverstärkende" Maßnahmen an ihrer Abgasanlage vor. Das kann, muss aber nicht illegal sein.

Wissenswertes zur Abgasanlage

Emissions-Test am Auspuff eines Testfahrzeugs
Emissions-Test am Auspuff eines Fahrzeugs. Bildrechte: IMAGO

  • Wo zu Henry Fords Zeiten ein simples Metallrohr und ein mit Stahlwolle gefüllter Schalldämpfer reichte, sitzt heute eine kleine Chemiefabrik unter dem Autobauch.
  • Alle Einzelteile der Abgasanlage sind typgeprüft und Teil der Betriebserlaubnis des Autos – werden Ersatzteile fällig, müssen diese ebenfalls typgeprüft sein.
  • Der Gesetzgeber legt inzwischen strenge Maßstäbe bei Geräuschminderung der Abgasanlage an. Wenn durch nachträgliche Veränderungen eine Verschlechterung eintritt, erlischt die Betriebserlaubnis des Autos.
  • Die Industrie steckt bei bestimmten Fahrzeugen in einem Dilemma: Der Kunde möchte mehr "Sound", der Gesetzgeber pocht aber auf die Einhaltung der Geräuschgrenzwerte.
  • Die Geräuschmessung vor der Erteilung einer Betriebserlaubnis läuft ähnlich normiert ab wie die Ermittlung des CO2-Ausstoßes. Und, wer hätte das gedacht, auch hier gibt es Schlupflöcher im Regelwerk, die die Praxis völlig anders klingen lassen, als die Theorie auf dem Messblatt.

Was sonst noch interessant ist

Wenn die Abgasanlage zu viele Bauteile wie Katalysatoren, Schalldämpfer oder Verzweigungen enthält, behindert das die Abführung der Abgase und bremst den Motor ein. Ein offenes Flammrohr ist dafür bei einem 4-Takt-Motor ideal, aber für heutige Verhältnisse viel zu laut. Auf der Rennstrecke geht da viel mehr, deshalb sind Renn- und Sportwagen auch deutlich lauter als Serienfahrzeuge.

Da diese aber manchmal auch sportlich bewegt werden oder sogar in Tourenwagenrennen auf der Rennstrecke unterwegs sind, muss eine Lösung für den beschleunigten (aber lauteren) Abgastransport gefunden werden. In der Regel wird hier mit Klappen im Abgassystem gearbeitet, die elektronisch oder pneumatisch angesteuert werden und dem Abgasstrom eine (laute) Abkürzung bieten, die während der Geräuschmessung verschlossen bleibt. So kann man es ordentlich "knallen" lassen, ohne mit der Betriebserlaubnis in Konflikt zu geraten. Das ist zwar (zu) laut, aber trotzdem legal.

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 16:17 Uhr