Auto der Marke Mercedes Benz neben einem Trabant in Ost-Berlin (DDR)
Bildrechte: IMAGO

Leichter leben | 14.02.2017 | 17:00 Uhr Dauerläufer: Ein (Auto)-Bund fürs Leben

Es soll lange halten, das neue Auto. Doch was heißt heute lange? Fünf Jahre? So lange gilt oft nicht mal die Garantie! Andreas Keßler ist sich sicher, der Trend hin zu den Dauerläufern wird sich noch verstärken. Der Autopapst widmet sich diesmal den Kilometer-Königen.

Auto der Marke Mercedes Benz neben einem Trabant in Ost-Berlin (DDR)
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Autos für die Ewigkeit

Immer öfter sieht man Autos auf der Straße, die eigentlich viel zu alt für unsere "Wegwerfgesellschaft" sind. Die Rede ist hier nicht von Oldtimern, die von Liebhabern mit viel Einsatz für die Sonnentage des Lebens gehegt und gepflegt werden, sondern von den "Autos für die Ewigkeit", jener Auto-Generation, die zwischen 1985 und 1995 vom Band liefen. Damals waren die Ingenieure noch federführend bei der Konstruktion eines Autos, Controller führten ein Schattendasein. Die Edelmarken legten ihren ganzen Stolz in die Entwicklung neuer Modellreihen, die selbstredend besser als ihre Vorgänger, dabei aber nur wenig teurer waren.

Was macht sie zu Dauerläufern?

Diese Autos waren perfekt entwickelt: Sie verfügten über Abgasreinigungsanlagen mit Katalysator, aufwendige Fahrwerke mit ABS, in die die Kurvenlage nicht mit Computern hinein gerechnet werden musste, Karosserien aus verzinkten Blechen, deren Hohlräume bis unter die Achseln mit Konservierungswachs geflutet waren und Motoren, die leistungsfähig, aber nicht "auf Kante" konstruiert waren. Die Schwachstellen dieser Autos waren nach spätestens 10 Jahren bekannt, die Ersatzteilbranche spezialisierte sich auf entsprechende Teile und wenn sie nicht gestorben sind, dann fahren die "Dauerläufer" auch noch morgen.

Kommen wir zu den Details

VW Golf I
Der Vorläufer, Bildrechte: IMAGO

Die Golfklasse bekam damals durch den Golf II ihren Namen, ein Auto, das auch heute noch in 6-stelliger Zahl in den Zulassungsstatistiken steht. Der Baby-Benz 190 E erreichte in der Wendezeit seine volle Blüte und fließt erst jetzt wegen heftiger Umweltdiskussionen in den Maghreb ab. Das gleiche gilt für den großen Bruder W124, einen Vorläufer der E-Klasse. Taxifahrer schwören auch nach 870.000 km und der 3. Automatik auf das Stuttgarter Urgestein und schimpfen gotteslästerlich über Politiker, die sie wegen einer lächerlichen Plakette an der Windschutzscheibe, die kein Taxi dieser Generation bekommen wird, von ihrem Auto trennen wollen.

Warum also trennen sich die Leute nicht von eigentlich längst überholten Autos? Die Ursache ist rein finanzieller Natur, obwohl die Kfz-Steuer dieser Autos inzwischen fast unerschwingliche Höhen erreicht hat. Großvolumige Dieselmotoren sind schlicht nicht mehr zu finanzieren, die Benziner dagegen können mit Kaltlaufreglern meistens aufgerüstet werden. Das hält die Steuerbelastung niedrig, manchmal sogar unter der eines neueren Autos. Und die Versicherungsprämien bewegen sich auch auf einem sehr verträglichen Niveau, wenn man es mit einem Haftpflicht-Vertrag bewenden lässt. Die Hauptursache für die steigende Beliebtheit der "Autos für die Ewigkeit" ist aber der fehlende Wertverlust, der einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten für die meisten Leute völlig unerschwinglich macht. Und wenn man sein Schätzchen gut pflegt, bis es 30 Jahre alt ist, beginnt der Wert sogar zu steigen.

Ein weiterer, sehr wesentlicher Punkt, kommt hinzu: Die "Youngtimer" gehören noch zu der Autogeneration, die mit Heimwerkermitteln reparierbar sind. Die Autos haben kaum Elektronik an Bord, die Diagnose lässt sich auch ohne aufwändigen Apparatepark erledigen und die Ersatzteile gibt es im freien Autozubehörhandel zu unglaublich günstigen Konditionen.

Fazit

Unter dem Strich wird sich der Trend zu den "Dauerautos" sicher noch verstärken, was sich bei einzelnen Modellen schon jetzt an den Preisen ablesen lässt. Bleibt zu hoffen, dass die Politik "den Sirengesängen" der Autoindustrie nicht zu sehr auf den Leim geht und die Bedingungen für den Betrieb dieser Autos weiter verschlechtert. Denn neben ihren qualitativen Vorzügen fällt beim Betrachten eines alten 5er BMWs oder eines Audi Coupés der 1. Generation vor allem eins auf: Man erkennt sie wieder! Und zwar sofort, auch auf einem vollen Supermarkt-Parkplatz.

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Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 12:30 Uhr