Leichter leben | 17.01.2018 | 17:00 Uhr Was tun, wenn das Auto brennt?

Es ist eine beängstigende Vorstellung für jeden Autofahrer: Urplötzlich dringen Qualm und Rauch aus dem Motorraum. Das Auto brennt! Was ist im Notfall zu tun? Explodiert das Fahrzeug? Und wie können sich Autofahrer schützen? Experte Andreas Keßler beantwortet die wichtigsten Fragen.

Aus den Fugen der Motorhaube quillt Rauch! Was jetzt?

Vor allem eins: Ruhe bewahren! Wenn beim Versuch, die Haube zu öffnen, schon Flammen aus dem Motorraum schlagen, muss die Haube zu bleiben. Geöffnet werden darf sie erst dann, wenn ein Feuerlöscher zur Hand ist. Ist der nicht aufzutreiben, ist die Prognose für das Auto leider schlecht.

Ein Fahrzeugbrand kann verschiedene Ursachen haben:

  • Verkehrsunfall: Zündfunken können auslaufenden Treibstoff sowohl beim Unfall selbst als auch bei den darauffolgenden Bergungsarbeiten entzünden. Deshalb ist es wichtig, dass man nach einem Unfall die Autobatterie am Massekabel abklemmt, um das Fahrzeug stromlos zu machen.
  • Bremsen: Werden die Bremsen bei längeren Bergab-Fahrten oder durch einen technischen Defekt überhitzt, können sie einen Fahrzeugbrand auslösen. Deshalb sollte man bei Bergfahrten zurückschalten oder zwischendurch die Bremsen abkühlen lassen.
  • Schadhafte Autoreifen: Ein Reifenschaden wird oft nicht oder zu spät bemerkt. Hauptursache ist ein zu geringer Luftdruck des Reifens, der Reifen erhitzt und gerät schließlich in Brand.
  • Verkabelung: Durch schadhafte oder überlastete Kabel kann der komplette Kabelbaum verschmoren und ein Kabelbrand entstehen.
  • Auslaufender Kraftstoff: Betrifft Vergasermotoren. Der Kraftstoff entzündet sich dabei an heißen Teilen im Motorraum oder am Auspuff.

Was tun, wenn es brennt?

Feuerlöscher vor dem Beifahrersitz.
Bildrechte: Imago

Wenn das Auto brennt, besteht aber kein Grund zur Panik. Zum Löschen ist genug Zeit, Explosionen gibt's nur im Film! Bis aus Qualm, der unter der Motorhaube hervor quillt, ein richtiges Feuer entstanden ist, vergehen bei einem Fahrzeug der Mittelklasse bis zu 20 Minuten. Bis dahin bleibt genug Zeit, die Flammen zu löschen und sich und alle Beteiligten in Sicherheit zu bringen.

Leider haben die wenigsten Autofahrer einen Feuerlöscher an Bord. Nachrüstgeräte sind schon ab rund 25 Euro zu haben – das ist weniger, als eine halbe Tankfüllung kostet. Grundsätzlich gilt: Je größer der Feuerlöscher ist, desto besser!

Die Unterbringung des Feuerlöschers im Auto bereitet in den meisten Fällen keine Probleme. Ein guter Platz findet sich meist in direkter Nähe zum Fahrer- oder Beifahrersitz. Der Kofferraum ist dagegen suboptimal, da der Löscher dort nicht nur eventuell unter Gepäck begraben, sondern bei einem Auffahrunfall auch unerreichbar ist.

Um optimal zu löschen, sollte man folgende Regeln kennen:

  • Die Zündung aus- und die Warnblinkanlage einschalten.
  • Die Motorhaube entriegeln und raus aus dem Auto.
  • Über den Notruf 112 die Feuerwehr verständigen! Es besteht die Gefahr, dass eigene Löschversuche scheitern.
  • Den Feuerlöscher (wenn griffbereit) "scharf" machen und die ersten Löschpulversalven in den Schlitz zwischen Motorhaube und Kühlergrill geben.
  • Erst dann die Motorhaube öffnen und mit dem Löscher so dicht wie möglich (dabei jedoch die eigene Sicherheit – Verbrennungsgefahr! – berücksichtigen) an den Flammenherd herangehen.
  • Darauf achten, dass man den Wind im Rücken hat, damit man beim Löschen kein Löschpulver oder Rauch und Zersetzungsprodukte (Brandgase) einatmet.
  • Nun den Flammen mit kurzen, gezielten Stößen zu Leibe rücken. Die reine Sprühdauer eines 1 Kilo-Feuerlöschers beträgt nur etwa wenige Sekunden.
  • Wenn keine Flammen mehr durch die Pulverwolken dringen und weißer Rauch aufsteigt, beginnt der Brand zu verlöschen.
  • Zur Sicherheit sollte der Löscher nicht völlig leer gespritzt werden, falls es zu Rückzündungen kommt. Das kann vor allem bei Reifenbränden der Fall sein.

Zum Schluss noch einmal ganz deutlich: Dass ein Auto, wie es im Fernsehen oft gezeigt wird, explodiert, muss niemand befürchten. So etwas kommt in der Praxis nicht vor. In seltenen Fällen kann freigewordener Kraftstoff explosionsartig verbrennen, was aber nicht mit den Spezialeffekten à la Hollywood vergleichbar ist.

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Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 09:21 Uhr