Eine Frau sitzt im Nebel auf einer Parkbank
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Leichter leben | 10.09.2018 | 17:00 Uhr Depression: Diese zwei Fragen können bei der Diagnose helfen

Mehr als vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Oft wissen Betroffene nicht, dass sie ernsthaft krank sind. Expertin Dr. Iris Hauth erklärt, welche zwei einfachen Fragen bei der Diagnose helfen können.

Eine Frau sitzt im Nebel auf einer Parkbank
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Der Zwei-Fragen-Test

Ein einfacher Test kann erste Hinweise liefern, ob jemand an einer depressiven Erkrankung leidet.

Iris Hauth
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Eine für jeden leicht handhabbare und schnell auszuführende Möglichkeit, um sich zumindest erste Klarheit zu verschaffen, gibt der in der Leitlinie enthaltene 'Zwei-Fragen-Test'. Manchen Fachleuten erscheint er zu wenig aussagekräftig, aber ich halte ihn für sehr hilfreich, wenn es darum geht, eine Grundaufmerksamkeit herzustellen. Wir empfehlen den Test auch Hausärzten, die für gewöhnlich keine Zeit für eine ausführliche Befunderhebung haben.

Psychiaterin und Psychotherapeutin Dr. Iris Hauth

  • Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
  • Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Die Fragen dienen zunächst dazu, innezuhalten und sich selbst zu prüfen. Wird ein Arzt oder Psychologe zu Rate gezogen, hat auch dieser die Möglichkeit, mit Hilfe von Fragen festzustellen, ob Anzeichen einer Depression vorliegen. Hier einige Beispiele:

Eine Frau sitzt an einem Tisch und füllt einen Fragebogen aus.
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  • Haben Sie sich in den letzten zwei Wochen niedergeschlagen oder traurig gefühlt?
  • Gab es Zeiten, in denen Ihre Stimmung besser oder schlechter war?
  • Haben Sie in der letzten Zeit das Interesse oder die Freude an wichtigen Aktivitäten (Beruf, Hobby, Familie) verloren?
  • Hatten Sie in den letzten zwei Wochen fast ständig das Gefühl, zu nichts mehr Lust zu haben?
  • Fühlen Sie sich ständig müde und abgeschlagen?


Bestätigt sich der Verdacht auf eine Depression, wird der Betroffene an eine spezialisierte Klinik, einen ambulanten Psychiater oder Psychotherapeuten weitergeleitet. Diese können einen individuell angepassten Behandlungsplan für den Patienten erstellen.

Quelle: Patienten-Leitlinie ICD 10 aus "Keine Angst! Was wir gegen Ängste und Depressionen tun können. Eine Klinikleiterin erzählt"


Anzeichen für eine Depression

Bisher ist unklar, welche konkreten Auslöser eine Depression verursachen. Es wird vermutet, dass viele Faktoren die Entstehung beeinflussen – genetische, Umweltfaktoren und aktuelle Ereignisse. Doch es gibt Warnsignale: Wenn sich jemand über einen längeren Zeitraum stark verändert, könnte das auf eine Depression hindeuten.

Weitere Merkmale dieser ernstzunehmenden Erkrankung sind:

Ein Mann sitzt deprimiert auf einer Treppe.
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  • Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit
  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Fehlende Lebensfreude
  • Innere Leere und Traurigkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schwindendes Interesse
  • Konzentrationsschwäche
  • Unentschlossenheit
  • Schuldgefühle, Selbstanklagen
  • Gestörte Farbwahrnehmung
  • Angstzustände
  • Körperliche Beschwerden
  • Selbstmordgedanken

Depression in der Familie oder im Freundeskreis - was tun?

Sollten Ihnen diese Veränderungen an Freunden, Bekannten oder Menschen aus der Familie auffallen, empfehlen Experten, die Person direkt ansprechen. So berichten viele Betroffene, die aus der Erkrankung rauskommen, dass es ihnen geholfen hat, dass sie jemand angesprochen hat.

Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Darin sind sich alle Experten einig. Dabei helfen können Vereine, Stiftungen oder Beratungsstellen. Auch der Hausarzt kann ein erster Ansprechpartner sein.

Unsere Expertin

Iris Hauth
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Dr. med. Iris Hauth

Dr. med. Iris Hauth

Psychiaterin, Psychotherapeutin und Autorin des Buches "Keine Angst! Was wir gegen Ängste und Depressionen tun können. Eine Klinikleiterin erzählt"

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 20:23 Uhr