Ein Männer udn ein Frauensymbol. Dazwischen steht ein Symbol, das halöb männlich halb weiblich ist.
Kein Mann, keine Frau: Intersexuelle Menschen haben biologische Merkmale beider Geschlechter. Bildrechte: Colourbox / MDR.DE

Leichter l(i)eben | 12.02.2017 | 17:00 Uhr Drittes Geschlecht: Was ist Intersexualität?

Künftig muss es in Deutschland drei Geschlechter geben: Mann, Frau und Inter. Das hat jüngst das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Aber was genau ist Intersexualität eigentlich? Sexualtherapeutin Dr. Carla Pohlink aus Leipzig beleuchtet das Thema von allen Seiten.

Ein Männer udn ein Frauensymbol. Dazwischen steht ein Symbol, das halöb männlich halb weiblich ist.
Kein Mann, keine Frau: Intersexuelle Menschen haben biologische Merkmale beider Geschlechter. Bildrechte: Colourbox / MDR.DE

Lange Zeit konnte nicht sein, was nicht sein durfte: Schon immer kamen einige Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt. Ab Ende 2018 muss für diese Menschen ein eigenes Geschlecht eingeführt werden. Laut dem Beschluss muss der Gesetzgeber eine Neuregelung schaffen, in der neben "männlich" und "weiblich" noch ein drittes Geschlecht aufgeführt wird, das etwa "inter", "divers" oder eine andere "positive Bezeichnung des Geschlechts" bekommen muss.

Gespräch mit Sexualmedizinerin Dr. Carla Pohlink

Eine biologische Besonderheit

Vanja, 2016
Vanja ist intersexuell und hat vor dem Bundesverfassungsgericht für die Einführung eines dritten Geschlechts geklagt. Bildrechte: dpa

Menschen, die dem dritten Geschlecht zugeordnet werden, bezeichnet man als Intersexuelle. Doch was verbirgt sich hinter der Intersexualität? Die Antwort beschreibt gewissermaßen eine biologische Besonderheit: Die meisten Menschen werden mit einem bestimmten Geschlecht geboren, dass sich über gewisse Merkmale bestimmen lässt. Dazu gehören Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen und äußere Geschlechtsorgane. Bei intersexuellen Menschen ist das nicht ganz so eindeutig. Sie weisen Merkmale beider Gechlechter auf – kommen also gewissermaßen zwischen den Geschlechtern zur Welt. Dabei kann es durchaus sein, dass eine intersexuelle Person äußerlich zwar eindeutig einem Geschlecht entspricht, genetisch oder horomonell aber dem des anderen.

Die Intersexualität wird den sogenannten Sexualdifferenzierungsstörungen zugerechnet. In der Vergangenheit hat man auch von "Zwittern" gesprochen, was einige Menschen jedoch als diskriminierende Bezeichnung empfinden. Das Phänomen ist gar nicht so selten, wie man vermuten könnte: Nach Schätzungen kommt etwa eines von 4.500 bis 10.000 Kindern intersexuell zur Welt. Diese Uneindeutigkeiten des Körpergeschlechts sind biologisch möglich, weil die Geschlechtsorgane beim männlichen und weiblichen Embryo im Mutterleib aus denselben Anlagen entstehen.

Intersexualität Der Begriff stammt vom Genetiker Richard Goldschmidt. Er prägte ihn bereits im Jahr 1915. Das Wort setzt sich zusammen aus dem lateinischen Präfix inter- für "zwischen" und dem lateinischen sexus für "Geschlecht" und bedeutet demnach "Zwischengeschlechtlichkeit".

Was unterscheidet Intersexuelle von Transsexuellen und Transgendern?

  • Intersexualität: Bei intersexuellen Menschen sind nicht alle geschlechtsbestimmenden Merkmale wie Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen oder äußere Geschlechtsorgane eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen. Vor der Einführung des Begriffs "Intersexuelle" war meist von "Zwittern" die Rede.
  • Transsexualität: Transsexuelle haben zwar eindeutige Geschlechtsmerkmale, fühlen sich aber dem anderen Geschlecht zugehörig und somit als Mensch im falschen Körper. Die genauen Ursachen dafür sind unbekannt. Bei starkem Leidensdruck können Ärzte die Geschlechtsorgane in Richtung des angestrebten Körpers verändern.
  • Transgender: Bei Transgendern geht es - anders als bei Transsexuellen - nicht um die körperliche, sondern die soziale Identität: um die Abweichung von klassischen Geschlechterrollen. Sie fühlen sich mit der Rolle, die ihnen wegen der äußeren Geschlechtsmerkmale bei der Erziehung zugewiesen wurde, falsch beschrieben.
  • LSBTTIQ: Selbstbezeichnung für eine Gruppe von Menschen, die mehrere sexuelle Identitäten und Gender umfasst. Die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle und Queere.

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Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 13:12 Uhr