Jemand geht über einen mit Herbstlaub bedeckten Weg. Hinter ihm liegt auf dem Weg eine verlorene Brieftasche.
Bildrechte: IMAGO

Leichter leben | 29.05.2018 | 17:00 Uhr EC- oder Kreditkarte weg: Was tun?

Haben sich Diebe eine EC-Karte durch Diebstahl, Raub oder einen Zufallsfund beschafft, ist schnell das Konto leergeräumt. Viele machen es ihnen besonders leicht und notieren die PINs auf der Karte. Was ist zu tun, wenn die Karte plötzlich weg ist? Und an welchen Orten sollte man besonders aufmerksam sein? Tipps gibt es von Kriminalrätin Ilona Wessner.

Jemand geht über einen mit Herbstlaub bedeckten Weg. Hinter ihm liegt auf dem Weg eine verlorene Brieftasche.
Bildrechte: IMAGO

Statistisch gesehen hat fast jeder zweite Bundesbürger eine EC- oder Kreditkarte. Dies hat aber auch den Nachteil, dass Straftäter diese unbaren Zahlungsmittel für sich entdeckt haben. Durch die einfache Beschaffenheit von Kreditkarten und die Verbesserung der technischen Möglichkeiten können diese kopiert oder gefälscht werden.

Alles gut im Auge behalten

Die meisten EC- und Kreditkarten werden aus Kraftfahrzeugen gestohlen. Taschen oder Wertgegenstände nie sichtbar im Fahrzeug liegen lassen, das provoziert die Täter geradezu. Bevorzugte Tatorte sind Parkhäuser, Parkplätze und Nebenstraßen. Geld und Wertsachen nie offen und auch nicht versteckt im Auto liegen lassen. 

Mit EC Karte bezahlen
Bildrechte: Colourbox.de

In Büro- und Arbeitsräumen haben Diebe ebenfalls leichtes Spiel. Dort liegen Aktentaschen und Handtaschen oft ungeschützt herum. Nicht nur Privateigentum kann leicht entwendet werden, auch Portokassen, Akten und Computer. Machen Sie es sich zur Angewohnheit, beim Verlassen des Büros abzuschließen oder eine/n Kollegin/Kollege zu bitten, auf Ihren Arbeitsplatz aufzupassen. Auch Handwerker, Fensterputzer o.ä. sollten nicht unbeobachtet zu den Arbeitsräumen Zutritt haben.

Lassen Sie Ihre Kreditkarte nie längere Zeit aus den Augen. Magnetstreifen können kopiert werden. Kontrollieren Sie nach Möglichkeit immer Ihre Kreditkartenbelege und werfen Sie diese nicht sorglos in irgendeinen Papierkorb.

Prüfen Sie regelmäßig, ob Sie auch noch alle Ihre Karten im Besitz haben, auch Rechnungen oder Abbuchungen immer sorgfältig überprüfen. Wurden Beiträge abgebucht, die Sie sich nicht erklären können, fragen Sie bei Ihrem Geldinstitut nach. Reklamieren Sie Abbuchungen, die Sie nicht erlaubt haben. Stellen Sie einen Missbrauch fest, lassen Sie Ihre Kreditkarte sperren.

Im Unterschied zur Kreditkarte wird eine Kundenkarte in der Regel nur von dem Unternehmen akzeptiert, welches sie ausstellt, doch hier gilt sie oft auch als vollwertiges Zahlungsmittel – mit allen Möglichkeiten und Risiken.

Kriminalrätin Ilona Wessner im Studio
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Geheimnummer sollte geheim bleiben

Sehr häufig finden die Diebe die Geheimnummern in der unmittelbaren Nähe der gestohlenen Karten. Eine Tarnung als vierstellige Telefonnummer ist völlig sinnlos. Lernen Sie Ihre Geheimnummer auswendig, eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Vor allem in Tankstellen und Geschäften können Täter Ihre Geheimnummer ausspähen. Verhindern Sie dies, indem Sie sich direkt davor stellen oder die Eingabe der PIN mit der Hand abdecken. Bewahren Sie Ihre EC- und Kreditkarten so auf, als wäre es bares Geld. Tragen Sie sie nicht lose in der Jackentasche, sondern in geschlossenen Innentaschen der Bekleidung, in Gürtel- oder Bauchtaschen oder im Portemonnaie.

Wie sicher ist das kontaktlose Bezahlen?

Eine Frau bezahlt kontaktlos mit ihrem Smartphone
Bildrechte: IMAGO

Einfach EC- oder Kreditkarte an ein Lesegerät halten und schon hat man bezahlt: Das Bezahlen mit Funktechniken wie NFC ist einfach und geht schnell. Das Kürzel NFC steht für "Near Field Communication", sprich "Kommunikation über kurze Distanz". Um per NFC bezahlen zu können, muss zum einen die Kasse im Geschäft oder Supermarkt mit einem entsprechenden Funkchip ausgerüstet sein. Zum anderen brauchen Kunden eine Kreditkarte oder eine Bankkarte, die ebenfalls mit dem entsprechenden Chip versehen ist. Die erkennt man in der Regel an einem kleinen Funk-Symbol (vereinfacht gesagt: vier gebogene Streifen nebeneinander) auf der Kartenvorderseite. Kleine Beträge werden einfach abgebucht. In der Regel gibt es eine Grenze von 20 oder 25 Euro, darüber ist dann noch die Eingabe einer PIN nötig.

Datenschützer und Sicherheitsexperten sehen das Bezahlen per Funk kritisch: Der NFC-Chip auf der Karte könne von Fremden ausgelesen werden. Dazu reiche schon ein spezielles Lesegerät, um im dichten Gedränge unauffällig und in Sekundenschnelle die Kartendaten beispielsweise durch die Jackentasche zu scannen, wenn sich darunter eine NFC-Karte befindet.

Achten Sie darauf, wo Sie Ihre Karte aufbewahren. So kann ein Lesegerät nicht nah genug an die Karte rankommen. Spezielle RFID-Schutzfolien sollen die Karte außerdem vor Lesegeräten abschirmen.

Verlust der EC- oder Kreditkarte

Karte sperren! Lassen Sie bei Verlust von EC- oder Kreditkarten diese Zahlungsmittel immer bei der zentralen Rufnummer 116 116 sperren.

Einige Banken haben eine abweichende Rufnummer, deshalb informieren Sie sich bitte im Vorfeld bei Ihrer Bank über die Möglichkeiten der Kartensperrung. Die EC-Karte wird nach Verlustmeldung bis zum Verfallsdatum der Karte gesperrt.

Beachten Sie die Auflagen Ihres Kreditinstitutes und lesen Sie sorgfältig das Kleingedruckte, vor allem die Abschnitte über die Haftung bei Verlust und über die Sorgfaltspflichten im Umgang mit der Karte.

Erstatten Sie sofort Anzeige bei der Polizei.

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2018, 19:26 Uhr