Lohn- und Gehaltsabrechnung, Verdienstbescheinigung - Euromünzen und -scheine liegen auf einer Lohnabrechnung.
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Leichter leben | 02.10.2018 | 17:00 Uhr So holen Sie beim Jobwechsel mehr Gehalt heraus

Ein sensibles Thema, die Gehaltsverhandlung. Vor allem beim Jobwechsel. Dabei lässt sich darüber besser verhandeln als viele denken. Hermann-Josef Tenhagen gibt wertvolle Tipps für das nächste Gespräch mit dem Chef.

Lohn- und Gehaltsabrechnung, Verdienstbescheinigung - Euromünzen und -scheine liegen auf einer Lohnabrechnung.
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In Ostdeutschland wird auch 28 Jahre nach der Einheit immer noch deutlich weniger verdient. 15 Prozent weniger, sagt die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD) anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Und die sollte es wissen. Zudem arbeiten Ostdeutsche häufig mehr Stunden.

Aber über Gehalt lässt sich öfter und besser verhandeln als viele denken. Der Arbeitsmarkt ist inzwischen so angespannt, dass die Verhandlungsposition gut ausgebildeter Arbeitnehmer immer besser wird. Manchmal hilft sogar die Politik. Vergangene Woche hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, Tariflöhne für Pflegekräfte verbindlich zu machen.

Mit einigen Kniffen können Sie beim Jobwechsel mehr Gehalt herausholen

Verhandeln Sie auf Augenhöhe

Ihr neuer Chef geht davon aus, dass Sie verhandeln. Solange Sie den Vertrag nicht unterschrieben haben, können Sie das auf Augenhöhe tun. Egal ob Gehalt, Urlaub oder Arbeitszeit: Alles, was einmal festgelegt ist, lässt sich später viel schwerer ändern als vor Ihrer Unterschrift.

Kennen Sie Ihren Marktwert

Unterschrift unter einem Vertrag
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Es lässt sich besser verhandeln, wenn man sich auskennt. Was verdienen andere Arbeitnehmer mit dem gleichen Beruf? Gibt es einen Tarifvertrag, was sagt der? Bezahlt das Unternehmen bei Fachkräften vielleicht sogar mehr als der Tarifvertrag vorsieht. Wenn der Tarifvertrag das Gehalt bestimmt, verhandeln Sie ihre Einstufung. Macht der Chef Sie fürs Gehalt einigen Jahre erfahrener, bedeutet das oft sofort mehr Geld. Abweichungen vom Tarif nach oben sind sowieso immer erlaubt.

Ist das Gehalt frei verhandelbar, sollten Sie selbst ein Brutto-Jahresgehalt ins Gespräch bringen. 10 bis 20 Prozent mehr als Sie am Ende erwarten. Dann haben Sie Verhandlungsmasse. Einen guten Anhaltspunkt bietet auch der Gehaltsreport von Stepstone.

Auch Beschäftigte sollen sich damit beschäftigen, was die Kolleginnen und Kollegen verdienen. Seit 2017 gibt es dafür sogar staatliche Hilfe. Das sogenannte Entgelttransparenzgesetz sagt, dass Mitarbeiter in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigen ein individuelles Auskunftsrecht haben, was Kollegen mit vergleichbaren Tätigkeiten verdienen.

Gehalt ist nicht alles

Die Firma kann Ihnen auch an anderen Stellen entgegenkommen. Finanziell mit einem höheren Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge zum Beispiel. Wenn Sie mobil sein sollen mit einem Dienstwagen oder E-Bike. Tankgutscheine und ein Diensthandy sind manchmal drin. Bezahlen kann der Chef auch bestimmte Gesundheitskurse, bis zu 500 Euro sind dabei drin. Der Vorteil für beide Seiten: Den geldwerten Vorteil gibt es brutto für netto. Wollten Sie selbst die Leistung aus Ihrem Nettogehalt kaufen, müsste Ihr Chef Ihnen sehr viel mehr als 500 Euro brutto zusätzlich bezahlen.

Viele Betreibe zahlen ihren Mitarbeitern sogenannte vermögenswirksame Leistungen, die diese fürs Sparen nutzen können, bis zu 40 Euro im Monat. Das Geld können Sie in Banksparpläne, Bausparverträge, Fondssparpläne und für die Tilgung Ihrer Baufinanzierung anlegen. Dafür gibt es dann noch Unterstützung vom Staat.

Auch Arbeitszeitregelungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, können Sie ruhig ansprechen.

Haben Sie keine Scheu!

Wenn Sie den Entwurf für den Arbeitsvertrag vorliegen haben, lesen Sie ihn sorgfältig durch. Sprechen Sie Probleme an. Es ist ganz normal, die eine oder andere Formulierung zu verhandeln. Zentral für Sie sind eine vernünftige Stellenbeschreibung und – wenn Sie das wollen – die Festlegung des Arbeitsorts, damit Ihr Arbeitgeber Sie nicht ohne Weiteres irgendwohin versetzen kann, wo Sie dann etwas ganz anderes tun müssen.

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2018, 19:20 Uhr