Ein Mann im Anzug zieht seine Hosentaschen nach außen.
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Leichter leben | 26.02.2019 | 17:00 Uhr Achtung Betrüger! So erkennen Sie dubiose Finanzprodukte

Immer wieder kosten Pleiten Sparer viel Geld, weil sie sich vorher kaum darüber informiert haben, was mit ihrem Geld passiert. Doch woran erkennt der Laie, ob Verträge mit Banken oder Finanzdienstleistern seriös sind? Finanzjournalist Hermann-Josef Tenhagen klärt auf.

Ein Mann im Anzug zieht seine Hosentaschen nach außen.
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Anleger in Deutschland haben in den vergangenen Jahren Milliarden bei riskanten Geschäften und betrügerischen Anlagen verloren. Grundsätzlich haben die Anleger dabei eine Reihe von Dingen aus den Augen verloren: Hohe Renditeversprechen gehen immer mit höheren Risiken einher. Eine unternehmerische Beteiligung, also der Kauf einzelner Häuser, Schiffe, Schiffscontainer oder ähnliches als Mitunternehmer ist mit dem Risiko eines Totalverlustes verbunden.

Schiffscontainer
Beteiligungen an Schiffscontainern sind oft riskant. Bildrechte: colourbox.com

Verwundert sind Kunden besonders, wenn das Geld weg ist, das Haus oder das Schiff aber noch da. Der Grund: Die Beteiligungsunternehmen, in die Anleger ihr Geld investieren, kaufen ihre Häuser, Schiffe, Container, Windräder oder Solaranlagen fast immer zum Teil auf Kredit. Die kreditgebende Bank bekommt ihr Geld zuerst zurück, die Geldgeber tragen das Risiko allein. So kann es kommen, dass ihr Geld weg ist, obwohl die Häuser noch da sind. Zweites Problem: Bei den Ausschüttungen geschlossener Fonds, die immer in Prozent genannt werden und sich mit vier, sechs oder acht Prozent attraktiv anhören, handelt es sich nicht etwa um Zinsen, sondern normalerweise um Teilrückzahlungen des zuvor eingezahlten Kapitals. Diese Teilrückzahlungen sind keinesfalls mit Zinsen zu verwechseln!

Schnell ist man im Schneeballsystem gefangen

Zusätzlich zu diesen Geschäftsrisiken kommen noch klassische Betrugsrisiken, etwa weil im Betrugssystem alte Anleger in einem Schneeballsystem mit dem Geld neuer Anleger ausbezahlt werden. Oder indem den Anlegern Schiffe und Häuser weit über Wert verkauft werden oder gar nicht existierende Container als Wertobjekte untergejubelt werden.

Checkliste Dubiose Finanzprodukte
Die Tipps von Hermann-Josef Tenhagen: Bei einer Kombination dieser Merkmale sollten Anleger genau hinschauen un die Angebote prüfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

P+R Containergruppe: 3,5 Milliarden Euro Schaden

Ein prominentes Beispiel für eine betrügerische Pleite der letzten Jahre ist die Insolvenz der P+R Containergruppe. In den letzten Jahren hatte die Gruppe neuen Anlegern Container verkauft, die gar nicht mehr existierten. Seit Frühjahr 2018 ist nun der Großteil der Firmengruppe P+R pleite. Mehr als 50.000 Anleger sind betroffen, es könnten 3,5 Milliarden Euro verloren sein. Sparer hatten über die 1975 gegründete Firmengruppe Container neu oder gebraucht gekauft. P+R sollte die Container dann erfolgversprechend vermieten und nach einigen Jahren den Wiederverkauf organisieren. Weil die Geschäfte jahrzehntelang liefen und die Vertragskonstruktionen kompliziert waren, hatten viele Anleger ohne Detailkenntnis Geld angelegt.

Anlageprodukte richtig verstehen

Konsequenz für den klugen Anleger: Beteiligen Sie sich nur an Geldanlagen, die Sie auch verstehen. Verstehen Sie insbesondere alle Risiken, wenn hohe Renditen versprochen werden. Kontrollieren Sie Angebote, bevor sie kaufen - zum Beispiel mit ihrem Steuerberater. Warnlisten vor dubiosen Investments finden Sie bei der Stiftung Warentest oder beim "Marktwächter Grauer Kapitalmarkt", den die Verbraucherzentrale Hessen betreibt.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 12:16 Uhr