Ein Bewohner eines Seniorenheims streichelt am 2015 den Kopf eines Border Collies. Neben dem Hund steht eine Therapiehundeführerin.
Bildrechte: IMAGO

Leichter leben | 14.12.2017 | 17:00 Uhr Tiere als therapeutische Begleiter

Wenn tierische Therapeuten ihren Dienst tun, geschehen oft Wunder: Demente Menschen, die jahrelang nicht gesprochen haben, formulieren wieder Sätze. Kinder, die als aggressiv gelten, verlieren ihre Feindseligkeit. Blinde Menschen erfahren Hilfe und Aufmerksamkeit von Passanten. Geholfen haben in allen Fällen Tiere als Therapeuten. Wie und warum das so gut funktioniert und für welche Krankheiten Tiertherapeuten in Frage kommen, erklärt Dr. Thomas Dietz.

Ein Bewohner eines Seniorenheims streichelt am 2015 den Kopf eines Border Collies. Neben dem Hund steht eine Therapiehundeführerin.
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Tiere haben sich längst als Co-Therapeuten etabliert. Egal ob Pferd, Hund, Katze oder Alpaka, sie helfen kleinen und großen Patienten, zum Beispiel bei Angststörungen, bei Problemen des Bewegungsapparates oder dabei, Depressionen zu überwinden.

Tiere können Einsamkeit stoppen, demenzkranken Menschen neue Lebensqualität schenken und verhaltensauffälligen Kindern helfen, Vertrauen aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen. Doch nicht nur das: Hunde helfen z.B. Kindern, Aggressionen abzubauen und sie wirken auf sie entspannend. Sozial zurückgezogene Kinder werden durch Hunde aktiver, auf besonders aktive Kinder wirken Hunde sogar dämpfend.

Sicherheit für Diabetiker

Diabetikerwarnhunde sind ausgebildete Assistenzhunde. Sie werden in der Regel 18 bis 24 Monate ausgebildet. Ihre Aufgabe besteht darin, den sinkenden und steigenden Blutzucker zu bemerken und ihren Besitzer, den Diabetiker, zu warnen, bevor eine Unterzuckerung oder Überzuckerung eintritt.

Sinkt der Blutzuckerwert zu tief, verändert sich der Körpergeruch und der Hund warnt vor einer gefährlichen Unterzuckerung. Für diese Situation werden Diabeteshunde mit speziellen Geruchsproben trainiert. Sobald sie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) riechen, spulen sie ihr eingeübtes festes Programm ab. Die feine Nase eines ausgebildeten Diabeteshundes liegt in 90 bis 95 Prozent der Fälle richtig – und ist damit extrem zuverlässig.

Viele Diabetikerwarnhunde haben gelernt, falls bei ihren Besitzern doch mal eine Bewusstlosigkeit auftreten sollte, über das Notfalltelefon einen Knopf zu betätigen und Alarm zu schlagen. Diabetikerwarnhunde werden sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ausgebildet.

Woran liegt es, dass Therapiehunde so gut ankommen?

  • ein Tier wertet nicht
  • es reagiert nicht auf Äußerlichkeiten
  • die Hemmschwelle einer Kontaktaufnahme ist beim Tier geringer
  • der Umgang mit ihnen wirkt entspannend und aktivierend


Der entspannende Effekt der Tiere hat ebenfalls zur Folge, dass die Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisleistung von Kindern steigt – das wurde in Studien untersucht.

Wie Pferde heilen helfen

Ein kleiner Junge nähert sich 2003 einem Pferd
Reiten ist für Menschen mit Behinderung eine ideale Sportart. Bildrechte: IMAGO

Auch Pferde können als Co-Therapeuten eingesetzt werden, beim therapeutischen Reiten. Reiterliche Vorkenntnisse sind dafür nicht zwingend erforderlich. So werden die Patienten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, durch Pferde bewegt.

Das therapeutische Reiten umfasst vier Fachbereiche:

  • Hippotherapie
  • Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen
  • Heilpädagogische Behandlung mit Pferd
  • Ergotherapeutische Behandlung mit Pferd


Was ist die Hippotherapie?

Behandelt werden mit der Hippotherapie hauptsächlich neurologische Symptome: bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralnervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparates. Der Therapeut macht sich durch den medizinischen Einsatz des Pferdes die dreidimensionalen Schwingungsimpulse des Pferderückens sowie die Zentrifugal-, Beschleunigungs- und Bremskräfte zu Nutze, die auf den Patienten einwirken.

Wer verordnet eine Hippotherapie?

Grundsätzlich ein Arzt. Aus der ärztlichen Verordnung muss hervorgehen, dass eine Therapie auf dem Pferd durchgeführt werden darf. Ärzte und die speziell ausgebildeten Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen, dokumentieren und überwachen die Behandlungsfortschritte.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Hippotherapie ist, wenn sie ärztlich verordnet und durch einen vollapprobierten Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung zum Hippotherapeuten (DKThR) durchgeführt wird, seit 2008 eine anerkannte medizinische Heilbehandlung im Sinne von §4 Nr. 14a UStG. Trotzdem, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Hippotherapie-Kosten nicht. Einzelne private Krankenkassen übernehmen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen die Kosten.

Aber auch Lamas, Alpakas, Kaninchen und sogar Hühner dienen als Helfer in der tiergestützten Therapie, sind als Co-Therapeuten in Kliniken, Altenheimen und privat unterwegs. Sie motivieren die Menschen, wecken versteckte Ressourcen sowie Emotionen und regen zur Kommunikation an – sie sind tierische Therapeuten.

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2018, 10:08 Uhr