Eine Hand hält die Hand eines älteren Menschen
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Leichter leben | 01.03.2017 | 17:00 Uhr Wege zur Pflege

In Deutschland sind circa 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig. Viele Patienten werden von Angehörigen zuhause versorgt und gepflegt. Doch damit sind viele total überlastet, kommen an die Grenzen des Machbaren. Woher bekommen sie Hilfe? Wer unterstützt sie? Praktische Tipps und Lebenshilfe gibt es von Experte Dr. Thomas Dietz.

Eine Hand hält die Hand eines älteren Menschen
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Jahrhunderte lang lebten und wohnten unsere Vorfahren eng mit ihrer gesamten Familie zusammen – das ist heute anders. Der Anteil alter Menschen, die alleine leben, nimmt hierzulande zu. Klar ist, dass die meisten selbstbestimmt und möglichst lange gesund, ihr Leben leben möchten. Denn, niemand denkt gerne darüber nach: Alt, krank und pflegebedürftig zu werden.

Was tun, wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird?

Hier finden Sie Unterstützung, wenn jemand aus dem Krankenhaus pflegebedürftig entlassen werden soll:

Sozialdienst: Jede Klinik muss sich um die Nachsorge der Patienten kümmern. Dafür zuständig sind Mitarbeiter des Sozialdienstes oder der Pflegeüberleitung der Klinik. Sie können auch helfen, einen Antrag für eine Reha oder einen Pflegegrad zu stellen, kennen auch Pflegedienste und organisieren Hilfsmittel.

Arzt in der Klinik: Besprechen Sie rechtzeitig mit dem behandelnden Arzt über den Entlassungstermin sowie mögliche Therapien. Fragen Sie auch nach notwendigen Arzneien für die nächsten Tage und lassen Sie sich einen Arzt-Kurzbrief für den Hausarzt mitgeben.

Hausarzt: Informieren Sie den Hausarzt über die Erkrankung, damit er rechtzeitig nötige Hilfsmittel verordnen kann und er stellt auch das Rezept für die nötigen Medikamente aus. Besprechen Sie mit dem Hausarzt den Pflegebedarf. Seine Einschätzung und ärztlichen Befunde helfen dem MDK – dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Pflegeberater: Beziehen Sie Profis bei der Pflege mit ein. Hinweise erhalten Sie bei der Krankenkasse, Wohlfahrtsverbänden, Pflegestützpunkten oder Sie fragen den Hausarzt.

Antrag bei der Pflegekasse stellen

Damit Leistungen von der Pflegekasse in Anspruch genommen werden können, muss ein Antrag gestellt werden. So geht’s:

Eine Ergotherapeutin spricht mit einer alten Frau.
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Antrag stellen: An die Pflegekasse des Angehörigen, sie ist an die Krankenkasse angegliedert (formloses Schreiben mit Datum genügt, Kopie machen). Der Versicherte muss unterschreiben.

Antrag ausfüllen: Wenn die Pflegekasse das Antragsformular zugeschickt hat, füllen Sie es aus – am besten mit einem Pflegeexperten, der die Fachausdrücke kennt und erläutert. Das Formular, unterschrieben vom Versicherten, an die Pflegekasse zurückschicken.

Gutachter (MDK): Ein beauftragter Gutachter (vom MDK), beauftragt durch die Pflegekasse, kommt ins Haus und ermittelt den Grad der Pflegebedürftigkeit. Beim diesem Besuch, der angekündigt sein muss, spricht der Gutachter natürlich mit dem Pflegebedürftigen und notiert, wie mobil dieser noch ist und welche Hilfe er bei alltäglichen Arbeiten braucht. 

Pflegegrade wurden 2017 umgestellt

Statt drei Pflegestufen gibt es seit mehr als einem Jahr fünf Pflegegrade. Pflegebedürftige, die eine Pflegestufe haben und bereits Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, müssen keinen neuen Antrag stellen oder sich neu begutachten lassen.

Die Überleitung in die Pflegegrade erfolgte automatisch. Beispiele: Ein körperlich beeinträchtigter Mann, der zu Hause lebt und bisher Pflegestufe 1 hatte, macht einen Stufensprung und erhält nun Pflegegrad 2. Sein Pflegegeld stieg von monatlich 244 auf 316 Euro. Eine Frau, die Pflegestufe 1 hatte, zuhause versorgt wird und auch noch an Demenz leidet, machte einen doppelten Sprung zu Pflegegrad 3. Ihr stehen monatlich 545 Euro Pflegegeld zu.

Die Pflegekasse teilt Pflegegrad mit:

Das Gutachten des MDK geht automatisch an die Pflegekasse – Sie müssen sich nicht kümmern. Die Pflegekasse prüft die Unterlagen, entscheidet, ob Pflegebedürftigkeit vorliegt, und teilt dem Betreffenden den  Pflegegrad mit. Fünf Wochen nach Eingang des Antrags muss der Bescheid vorliegen.

Und wenn der Bescheid abgelehnt wird?

Gehen Sie für/ mit Ihrem Angehörigen in Widerspruch. Lehnt die Kasse den Pflegeantrag ab, kann der Versicherte innerhalb von vier Wochen (schriftlich!) Widerspruch einlegen.

Wichtig: Ziehen Sie einen Experten hinzu, denn der Widerspruch muss begründet sein. Wenn der MDK erneut eine Absage erteilt, ist das Sozialgericht zuständig.

Organisieren Sie Hilfsmittel, die den Alltag leichter machen – hier einige Tipps

Eine Pflegerin hilft einem Mann beim Hinsetzen und Aufstehen aus dem Bett.
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  • Pflegebett: Dafür brauchen Sie ein Rezept vom Arzt. Darauf sollte vermerkt sein, dass das Bett "behindertengerecht" sein muss. Lassen Sie sich in einem Sanitätshaus oder bei einem Pflegedienst beraten.
  • Rollator: Auch dafür brauchen Sie ein Rezept. Dieses können Sie in einem Sanitätshaus einlösen. Wichtig: Je nach Handicap gibt es verschiedene Modelle. Individuelle Beratung ist sehr wichtig. 
  • Pflegehilfsmittel: Dazu gehören z.B. Betteinlagen, Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe: Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit gibt es einen Anspruch auf solche Pflegehilfsmittel, die für den täglichen Verbrauch sind. Die Pflegekasse zahlt dafür bis zu 40 Euro pro Monat.
  • Hausnotruf: Ein Funksender am Arm, um den Hals sendet im Ernstfall Signale an die Notrufzentrale, die dann Helfer vorbeischickt. Bei genehmigtem Pflegegrad trägt die Kasse in der Regel die Kosten (Basistarif, Anschluss) oder zumindest einen Teil davon.
  • Inkontinenzmittel: Auch hierfür übernimmt die Krankenkasse die Kosten, falls ein Rezept vorliegt. Auf dem sollte Diagnose, Schweregrad und Menge vermerkt sein. Die Kasse schließt einen Vertrag mit Lieferanten, die dann die Hilfsmittel – in der Regel – nach Hause liefern.

Urlaub von der Pflege – nützliche Tipps für Angehörige

  • Ersatzpflege: Wenn Sie selbst krank werden oder eine Pause brauchen, zahlt die Pflegekasse die Vertretung. Das gilt für bis zu sechs Wochen im Jahr, lässt sich aber auch stundenweise nutzen.
  • Kurzzeitpflege: Der Pflegebedürftige wohnt vorübergehend in einer stationären Einrichtung. Für jeden Pflegegrad besteht für längstens acht Wochen ein Anspruch auf 1612 Euro pro Jahr.
  • Es gibt auch die Tagespflege: Pflegekräfte einer stationären Einrichtung versorgen den Kranken tagsüber oder nachts (Nachtpflege). Je nach Pflegegrad übernimmt die Pflege einen Teil der Kosten.
  • Gemeinsamer Urlaub: Auch das ist möglich, denn einige Hotels bieten Urlaubsmöglichkeiten samt Kurzzeitpflege an.
  • Reha für Angehörige: Einige Rehakliniken bieten Therapien für pflegende Angehörige an. Sie können dort rückenschonende Handgriffe oder Entspannungstechniken erlernen.

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Zuletzt aktualisiert: 01. März 2018, 08:00 Uhr