Illustration einer Hand mit Ablagerungen in einem Gelenk
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Leichter leben | 11.10.2018 | 17:00 Uhr Feuer im Gelenk: Gicht erkennen und behandeln

Ein Gichtanfall ist äußerst schmerzhaft und sucht Betroffene oft aus heiterem Himmel heim. Welche Vorboten auf eine Gicht-Erkrankung hindeuten und mit welcher Ernährung sich Anfälle vermeiden lassen, erklärt Thomas Dietz.

Illustration einer Hand mit Ablagerungen in einem Gelenk
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Gicht ist kein "Kavaliersdelikt". Sie wird schwer "bestraft", wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird und keine Lebensumstellung erfolgt. Eine Gelenkentzündung ist immer die Spitze eines Eisberges, besser Harnsäureberges, den viel zu viele Menschen auch mit noch gerade normalen Harnsäurewerten mit sich herumtragen.

Ursache der Gicht

Erhöhung der Harnsäuremenge im Blutserum. Die Harnsäure ist ein Abbauprodukt der Purine, die wiederum Bestandteile bestimmter Eiweiße sind.

Normalwerte für die Harnsäure Männer bis 7 mg/dl, Frauen bis 5,5 mg/dl

Darüber beginnt die Gefahr der chronischen Gicht. Ab 9 (Männer) bzw. 8.5 mg/dl (Frauen) muss über kurz oder lang mit einem Gichtanfall gerechnet werden.

Wie kommt es zum Gichtanfall?

Seniorin hält sich das schmerzende Knie
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Aus der überschüssigen, nicht ausgeschiedenen Harnsäure entstehen sogenannte Urate, das sind Harnsäure-Kristalle. Diese lagern sich im meist belasteten Gelenk, dem Grundgelenk der Großzehe, an. Durch Bewegung entsteht eine Reizung. Zusätzlich versucht der Körper über Nacht mit Hilfe einer Entzündung die Urate zu entfernen. Das Gelenk schwillt an, rötet sich und ist heiß. Der Schmerz ist so extrem, dass das Gehen zur Qual wird.

Chronische Form

Hierbei werden die Urate nicht nur in, an und um Gelenke sondern auch in anderen Körperregionen abgelagert. Eine akute Form, ein Schub ist hierbei zusätzlich möglich. Andererseits sind bei dem akuten Gichtanfall aus vollem Wohlbefinden heraus auch bereits Ablagerungen in den Geweben zu registrieren, besonders, wenn sie öfter über einen längeren Zeitraum auftreten.

Akute Form, der sogenannte Gichtanfall

  • aus vollem Wohlbefinden heraus
  • über Nacht
  • Gelenkentzündung meist nur eines Gelenkes
  • Fast immer ist das Großzehengrundgelenk betroffen
  • Andere Gelenke: Sprunggelenk, Knie, Hand, Ellenbogen
  • Zeichen: Rötung, Schwellung, Hitze, Ruhe-, Bewegungs- und Berührungsschmerz

Behandlung der akuten Gicht

  • Senkung des Harnsäurespiegels
  • Beschleunigung der Ausscheidungsvorgänge in der Niere

Die Verordnungen und Überwachung müssen durch den Arzt erfolgen.

Kann man vorbeugen oder die Therapie effektiv unterstützen?

  • Einnahme der Medikamente nach Vorschrift über Jahre
  • Trinkmenge auf mindestens 2 ½ Liter pro Tag erhöhen (für Menschen mit bspw. Herzinsuffizienz wird eine geringere Menge empfohlen), je nach Flüssigkeitsverlust und Umgebungstemperatur
  • Ernährung umstellen – weniger tierische, mehr pflanzliche Lebensmittel
  • Alkohol deutlich reduzieren

Alkohol
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Alkohol konkurriert mit der Harnsäure um die Ausscheidung. Dieser Vorgang spielt sich in der Niere ab. Der Alkohol macht das Rennen. Der Körper will sich von ihm lieber trennen. Bis zur vollständigen Ausscheidung des Alkohols kann kaum Harnsäure den Körper verlassen. Sie staut sich zurück und beginnt ihr unheilvolles Werk, besonders nach dem Genuss von Bier, das selbst noch Purine enthält.

Bis zu einem Wert von 6-8 mg/dl (Frauen und Männer) müssen die Diätvorschriften strengstens eingehalten werden. Dann kann eine Dauerbehandlung mit Medikamenten und die akute Gicht vermieden werden. Was man dabei nicht spürt aber dennoch wissen sollte: Man verlängert sein Leben erheblich und verringert die Pflegezeit am Ende des Lebens, wenn der Harnsäurespiegel allein durch richtige Ernährung niedrig gehalten wird.

Folgende Nahrungsmittel sollten vom Speiseplan verschwinden

Innereien, Leber- und Teewurst, Currywurst, Würstchen, Bratwürste, Suppen aus Fleischextrakten, Saucen. Auch Hülsenfrüchte sind in diesem Zusammenhang aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes zu nennen. Für sich allein, ohne Fleisch, sind sie nicht schädlich.

Folgende Speisen sollten nur 3-4 Mal pro Woche auf den Tisch kommen: Fleisch, Aal, Geflügel, Meeresfrüchte, Bohnen, Linsen, Erbsen, Spinat, Sauerampfer, Mangold, helles Weizenmehl.

Was kann man selbst gegen die Gicht tun?

Eine ältere Frau hält ihre schmerzende Hand.
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  • Kalte Kompressen auf das entzündete Gelenk legen.
  • Regelmäßige Kneipp-Anwendungen, wechselwarme Fußduschen kalt-warm, zum Schluss kalt.
  • Zwei Mal im Monat Saunieren fördert Ausscheidung und Stoffwechsel.
  • Bewegung, weil der Fluss der Körperflüssigkeiten sich beschleunigt und sich dadurch Kristalle schlechter bilden und festsetzen können – kann aber auch durch Lösen der Kristalle und Gelenkbelastung eine (Erst)-Verschlimmerung hervorrufen. Hier ist ein gewisses Geschick erforderlich, um das Mittelmaß zu finden. Der Arzt kann dabei helfen.
  • Geeignete Bewegungsarten: Schwimmen, Aquajogging, Spaziergänge, langsames, angepasstes Jogging, Tanzen, Gymnastik, Stretching, Radfahren.
  • Homöopathische Medikamente: Belladonna oder Aconitum jeweils als D4 oder D6, Apis D4 oder D6, Bryonia D2, D3 oder D4.
  • Blutegel-Therapie: Fragen Sie einen Heilpraktiker. Die Wirkstoffe, die ein Blutegel ausscheidet, um die Blutgerinnung herabzusetzen, damit er besser saugen kann, sind entzündungshemmend und aus der Behandlung von Krampfadern der Beine bekannt.

Bei Übergewicht und Gichtgefahr senken Sie am besten Ihr Gewicht ganz langsam. Bei jeder Gewichtsreduktion steigt nämlich die Harnsäure an. Das kann zum Gichtanfall führen und verbessert die Motivation zum Abnehmen sicherlich nicht.

Gichtpatienten sollten nicht fasten!

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 20:22 Uhr