Leichter leben | 04.03.2019 | 17:00 Uhr Jagende Katzen: Tipps für Katzen- und Gartenbesitzer

Die Hauskatze ist ein Raubtier mit natürlichem Jagdtrieb. Nicht immer geht das gut. Vor allem für junge Vögel können Katzen zur Gefahr werden. Was Tierhalter zum Schutz der Artenvielfalt unternehmen können, erklärt Dr. Ronald Lindner.

Da gehört sie nicht hin: Katze im Vogelhaus
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Pro Tag verbringen freilebende (Haus)Katzen etwa drei bis zehn Stunden mit jagdtypischen Verhalten, d.h. sie orten ihre Beute, lauern ihr auf und setzen zum tödlichen Sprung an – kurzum: Sie jagen!

Dieses Verhalten ist artgerecht, denn es ist der ursprüngliche Grund für die Domestikation der Katze. Sie sollten menschliche Vorräte für gefräßigen Nagetieren schützen. Genau diese freilaufenden Jäger auf vier Pfoten sind heute Vogelschützern ein Dorn im Auge. Von "Mörderischen Miezen", "Killern mit Kulleraugen" oder "Tödlichen Hauskätzchen" ist die Rede.

Die Zahlen

  • Katzen sind zahlenmäßig unser liebstes Haustier!
  • circa 13 Millionen leben in Deutschland, einige als "Outdoorer" im Freilauf
  • einige Katzen erkunden ihr Umfeld, sprich ihre Aktionsräume nur im 300 Meter Radius, anderen genügt dies nicht und sie legen auf ihrer Pirsch mehrere Kilometer zurück (abhängig vom Kastrationszustand und vom Hunger)
  • laut einer englischen Studie jagen 50 Katzen pro Woche etwa 15 Tiere (Nager und Vögel), aber nur acht Tiere davon werden gefressen

Ein Kleiber sitzt  an einer Futterstelle in einem Garten.
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Laut einer amerikanischen Studie fällt jeder zweite Singvogel ihnen zum Opfer. Ob diese Zahlen wirklich stimmen, darüber streiten Forscher weltweit. Der schlechte Ruf der Hauskatze jedoch bleibt – und zwar der eines Vogelkillers. Für unseren Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner haftet dieses Image unseren Hauskatzen zu Unrecht an: "Es gibt viel mehr Beutegreifer im Garten als "nur" Katzen, beispielsweise Raubvögel, Eulen oder Raben. Und selbst die possierlichen Eichhörnchen plündern Vogelnester, sind aber als Mörder so gar nicht verschrien".

Die Domestikation (Haustierwerdung) erfolgte bei unseren Hauskatzen wesentlich später als beim Hund. Erst 1850 wurden verschiedene Rassen von Hauskatzen definiert und gezielt gezüchtet. Dabei entwickelten sich die unterschiedlichen Rassen nicht mehr nur aus dem Gebrauch heraus (Anpassung an bestimmte Umweltsituationen), sondern die Menschen formten die Hauskatze nach ihren Interessen und Vorstellungen.

Was man nicht vergessen sollte: Katzen sind bei weitem nicht so lange domestiziert wie Hunde, d.h. sie haben viele Eigenschaften ihrer wilden Stammform bewahrt und kommen auch ohne uns Menschen sehr gut zurecht, denn sie könn(t)en sich ihre Beute erjagen. Und das war über viele Jahrzehnte auch ihre primäre Aufgabe im Zusammenleben mit dem Menschen. Katzen sollte gefräßige Nagetiere von menschlichen Vorräten fernhalten.

Katzen und Vögel – ein schwieriges Verhältnis

Besonders in Städten ist die Anzahl der Katzen groß. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gibt es im urbanen Raum aber auch eine hohe Anzahl von heimischen Singvögeln – vorwiegend in den Gärten und Kleingartenanlagen. Dementsprechend jagen Katzen vor allem Amseln, Finken, Rotkehlchen, Meisen und andere Gartenvögel, was wiederum regelmäßig zu Verstimmungen zwischen Katzenhaltern und Vogelfreunden führt.

Dabei sind laut Institut für Haustierkunde in Kiel die bevorzugte Beute von Katzen eindeutig Nagetiere wie Haus- und Feldmäuse (80 Prozent) und lediglich 20 Prozent Singvögel.

Und dabei Katzen sind durchaus auch wählerisch, d.h. sie präferieren das, was am häufigsten vor ihrer Nase im Garten herumspringt, also heimische Singvogelarten, Jungvögel, sowie kranke Vögel.

Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner
Eine Katze jagt eine Maus.
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Bis zu 70 Prozent ihrer Tagesaktivität beschäftigen sich freilaufende Katzen auf natürliche und artgemäße Weise mit dem Erkunden und Jagen von Beutetieren. Dabei werden diese nicht immer gefressen, sondern bei entsprechender Futterversorgung lediglich zu 50 Prozent getötet. Dies alles dient auch u.a. dem Einüben von Jagdstrategien bei Jungtieren.

"Sie machen sich auf die Spur, sie suchen nach Beute und entwickeln regelrechte Strategien nach dem Motto: "was kann ich denn heute mal beobachten ... , ... und wenn man selbst in ein Dorf reinfährt und auf dem Feld davor sitzt eine Katze vor einem Mauseloch ... und nach zwei Stunden auf dem Rückweg sitzt sie immer noch an selbiger Stelle, dann ahnt man: Auch das ist Jagen! Katzen jagen demnach nicht nur, um zu töten - auch das Erkunden von Mäusen, Ratten und Co kann für einen Beutegreifer über viele Stunden erfüllend sein ...", so Dr. Ronald Lindner.

Regelmäßig werden Bestands-Statistiken u.a. vom NABU und anderen Organisationen erhoben und demnach ist die Zahl an Singvögel, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa dramatisch gesunken. Vogelfreunde sehen die Schuld bei den Katzen, der NABU sieht das aber anders ...

Entscheidender Faktor für die Stabilität der Vogelpopulationen ist allerdings nicht die Zahl ihrer Feinde, sondern die Lebensraumqualität.

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Unseren Singvögeln fehlen geeignete Lebensräume und vor allen Dingen Insekten als Nahrungsquelle.

Wo ausreichend Futter, Nist- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, können sich die Vögel erfolgreich fortpflanzen und Verluste durch Beutegreifer einschließlich der Katzen meist gut verkraften.

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Was in diesem emotionalen Streit der beiden Parteien helfen kann?

Unser Experte hat da eine ganz eindeutige Haltung: "Man sollte nicht Katze oder Vogel, sondern den Garten als gemeinsamen Lebensraum als wichtig betrachten und diesen entsprechend gestalten. Denn im Garten leben alle Lebewesen in vielfältiger Beziehung zu-, mit- und voneinander – egal ob als Jäger und Gejagte", so Dr. Ronald Lindner. Und jeder an seinem Platz habe da seine Aufgabe gegenüber dem ökologischen Gleichgewicht! Deshalb müsse man dieses Beziehungsgeflecht wieder in Richtung Gleichgewicht optimieren, damit jedes Tier, auch Katze und Vogel, das Biotop den Lebensraum Garten gemeinsam nutzen kann!

Was tun? Checkliste für Garten- und Katzenbesitzer

Katze sitzt auf Baum
Bildrechte: IMAGO

Kein Aussetzen von Katzen

  • verwilderte und nicht gefütterte Tiere jagen vermehrt, weil zum Selbsterhalt!


Katzen nur kastriert in den Freilauf!

  • kastrierte Tiere jagen + streunen weniger; die Katzenpopulation wird begrenzt und damit der Feinddruck auf Vögel vermindert.


Gemanagter Freilauf

  • Katzen mit starker Jagdmotivation nachts und früh morgens (Hauptjagdzeit) nicht (ohne Aufsicht) freilassen, insbesondere in den Monaten April und Mai (bes. Gefahr für Jungvögel).


Halsband mit Glöckchen

  • Sie sollen als Warnsignal für die Vögel gelten, wenn sich die Katze anpirscht; funktioniert aber nur zum Schutz von erwachsenen Vögeln; für Jungvögel und Tiere am Boden ist es keine Hilfe. Außerdem sind die Katzen durch das Klingelgeräusch gestresst und es besteht durch das Halsband eine akute Strangulationsgefahr.


Vergrämungsmethoden

  • nicht zu empfehlen sind "unsichtbare Zäune": Elektrozäune, die das Verlassen des Grundstücks bei Katzen verhindern sollen. Außerdem werden so Ängste (neg. Assoziationen) und Stress ausgelöst.
  • auch Ultraschall-Katzenvertreiber wirkt nur teilweise bis gar nicht! Die hohen Pfeiftöne sind eher eine Qual für Menschen.
  • Das Umwickeln der Bäume mit Stacheldraht ist ebenfalls nicht sinnvoll, da eine hohe Verletzungsgefahr nicht nur für Katzen besteht.


  • Bewehrt haben sich hingegen sogenannte Baumabwehrgürtel aus Kunststoff und Blech. Sie werden um die Baumstämme gebunden und verhindern das Klettern der Katzen zu den Vogelnestern.
  • durchaus sinnvoll können auch Brombeerhecken oder Rosengewächse unterhalb von Baumnestern oder Vogelhäusern auf Ständern sein (Achtung: mindestens in 2,50 Meter Höhe anbringen). So wird das Klettern der Katzen auf natürliche Art verhindert!
  • Für Katzen unangenehm sind auch bestimmte Gerüche. Ein Beispiel hierfür wären Harfensträucher, wie die sogenannte Verpiss-dich-Pflanze (Plectranthus caninus), deren ätherische Öle und Geruchsstoffe die Katzen einige Meter Abstand halten lassen sollen (für Menschen geruchlos); wichtig: Wirkung erst bei ausgewachsener Pflanze! Pflanzung sollte um den Baum mit Nestern/in der Nähe von Bodennestern/Vogelhäuschen sein. Gerüche sind jedoch nicht immer abschreckend!


Garten(um)gestaltung

  • Ideal: dichte Hecken und engmaschige Drahtzäune mit vielen Versteckmöglichkeiten - "Ökogärten" sind keine sterilen Gartenlandschaften, sondern lassen Wildwuchs zu! Vogeltränken sollten min. 2 Meter vom nächsten Gebüsch stehen.


Nistkästen

  • Sichere Standorte vor Beutegreifern (Eichhörnchen, Marder, Katzen, Greifvögel u.a.): direkt an Fassaden, freihängend, min. 2 Meter Bodenabstand; glatte, steile Dächer nutzen und zusätzlich Baumabwehrgürtel anbringen.