Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegt auf einem Tisch.
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Leichter leben | 31.01.2019 | 17:00 Uhr Krankheitsfall: So verhalten Sie sich richtig

Die Nase läuft, der Hals kratzt. Wer krank ist, darf zu Hause bleiben. Das ist gesetzlich geregelt. Doch wann muss dem Arbeitgeber der Krankenschein vorliegen? Und ist ein Besuch im Kino erlaubt? Wie sich Arbeitnehmer im Krankheitsfall richtig verhalten, erklärt Gilbert Häfner.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegt auf einem Tisch.
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Wann muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber spätestens mitteilen, dass er arbeitsunfähig erkrankt ist?

Die Mitteilung der Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer durch den Arbeitnehmer hat unverzüglich zu erfolgen. Eine bestimmte Form ist hierfür nicht vorgeschrieben; der Arbeitnehmer sollte ein Kommunikationsmittel wählen, bei dem sichergestellt ist, dass die Krankmeldung den Arbeitgeber schnell und zuverlässig erreicht. Am besten eignet sich ein Telefonanruf, auch eine E-Mail oder ein Telefax sind möglich.

Muss eine Erkrankung immer durch ein Attest nachgewiesen werden?

Eine ärztliche Bescheinigung hat der Arbeitnehmer grundsätzlich erst vorzulegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert. In diesem Fall ist das Attest, das auch Angaben zur voraussichtlichen Dauer der Arbeitsunfähigkeit enthalten muss, spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Allerdings darf der Arbeitgeber die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung bereits früher verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, muss der Arbeitnehmer eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

Ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber auch die Art der Erkrankung mitzuteilen?

Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber nicht offenbaren, an welcher Krankheit er leidet. Anderes gilt aber dann, wenn der Arbeitgeber wegen der Art der Erkrankung Maßnahmen ergreifen muss, um die anderen Arbeitnehmer oder Dritte zu schützen. Solches kann beispielsweise sein, wenn die Arbeitstätigkeit die Krankheit verursacht hat. Darüber hinaus muss der Arbeitnehmer es mitteilen, wenn er wegen derselben Krankheit mehrfach krankgeschrieben wird.

Verkürzt sich bei längerer Krankheit der Urlaubsanspruch?

Krank steht auf einem Kalenderblatt
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Krankheitsbedingte Fehltage werden – ungeachtet ihrer Anzahl - nicht auf den Erholungsurlaub angerechnet. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer während des Urlaubs erkrankt. Im Fall der Erkrankung während des Urlaubs werden aber nur diejenigen Krankheitstage nicht angerechnet, für welche die Arbeitsunfähigkeit durch ärztliches Attest nachgewiesen ist; es gibt insoweit also keine Karenz. Hält sich der Arbeitnehmer bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland auf, so ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitzuteilen. 

Welche Folgen hat es, wenn der Arbeitnehmer im Krankheitsfall seiner Anzeige- und Nachweispflicht nicht nachkommt?

Die Pflicht zur unverzüglichen Anzeige der Arbeitsunfähigkeit beruht darauf, dass der Arbeitgeber in der Regel organisatorische Maßnahmen treffen muss, um zu vermeiden, dass dem Unternehmen durch den unvorhergesehenen Wegfall der Arbeitskraft ein Schaden entsteht. Tritt ein solcher Schaden ein und wäre er vermieden worden, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig mitgeteilt hätte, haftet hierfür der Arbeitnehmer, wenn er die Mitteilung schuldhaft unterließ. Verstößt der Arbeitnehmer gegen die Pflicht, eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit vorzulegen, darf der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung solange zurückhalten, bis der Arbeitnehmer das Attest nachreicht.

Darf der Arbeitnehmer während der Krankschreibung ausgehen und Sport treiben?

Der erkrankte Arbeitnehmer darf grundsätzlich alles unternehmen, was seine Wiedergenesung nicht gefährdet oder sie gar fördert. In Zweifelsfällen sollte er dazu seinen Arzt konsultieren. Ein genesungswidriges Verhalten kann – ebenso wie das Vortäuschen einer Erkrankung – die fristlose Kündigung rechtfertigen.

Darf der Arbeitnehmer trotz Krankschreibung zur Arbeit gehen?

Krank auf Arbeit
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Bei der in der ärztlichen Bescheinigung angegebenen voraussichtlichen Dauer der Arbeitsunfähigkeit handelt es sich um eine medizinische Prognose, nicht um ein Arbeitsverbot. Der Arbeitnehmer kann – und muss – daher zur Arbeit erscheinen, sobald er wieder arbeitsfähig ist. Da sich die Arbeitsunfähigkeit allerdings nicht nach dem subjektiven Empfinden des Arbeitnehmers, sondern nach medizinischen Maßstäben richtet, empfiehlt es sich für den Arbeitnehmer, erneut den Arzt zu konsultieren, wenn er beabsichtigt, vor Ablauf der zunächst prognostizierten Krankheitsdauer die Arbeit wieder aufzunehmen. Teilt der Arbeitgeber die Selbsteinschätzung des Arbeitnehmers zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit nicht, darf er den Arbeitnehmer nach Hause schicken. Denn den Arbeitgeber trifft eine Fürsorgepflicht sowohl gegenüber dem (noch) erkrankten Arbeitnehmer als auch gegenüber dessen Kollegen. So können diese den Arbeitgeber, für den die fortbestehende Arbeitsunfähigkeit erkennbar ist, beispielsweise auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, wenn der erkrankte Arbeitnehmer wegen seiner Arbeitsunfähigkeit eine Maschine fehlerhaft bedient und dadurch die Kollegen verletzt werden.

Darf ein Arbeitnehmer wegen Erkrankung seines Kindes der Arbeit fernbleiben?

Der Arbeitnehmer darf eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit der Arbeit fernbleiben, wenn er ohne eigenes Verschulden durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Arbeitsleistung gehindert ist. Solches ist bei der Notwendigkeit der Betreuung eines erkrankten eigenen Kindes, das das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, grundsätzlich der Fall. Für die Häufigkeit solcher Fehltage können sich aber Grenzen aus dem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben. In der Regel besteht ein Anspruch auf Freistellung eines Elternteils für bis zu 10 Arbeitstage pro Jahr und Kind, maximal jedoch 25 Arbeitstage im Jahr. Ist das Kind länger oder häufiger krank, muss der Arbeitnehmer auf die Hilfe von Großeltern, Nachbarn etc. zurückgreifen, für eine entgeltliche Betreuung sorgen oder selbst Urlaub nehmen.

Ist der Arbeitgeber berechtigt, die Lohnfortzahlung zu verweigern, wenn der Arbeitnehmer wegen der Erkrankung seines Kindes der Arbeit fernbleibt?

Krankenscheine liegen auf einem Schreibtisch
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Es ist zulässig, die Entgeltfortzahlung an den Arbeitnehmer bei Fehlen wegen der Betreuung seines erkrankten Kindes im Arbeitsvertrag auszuschließen. In diesem Fall tritt bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern die Krankenkasse mit dem so genannten Kinderkrankengeld ein, wenn die Erforderlichkeit der Betreuung durch ärztliche Bescheinigung nachgewiesen ist. Diese Leistung beträgt allerdings nur 90 % des entgangenen Nettoarbeitsentgelts. Eine zusätzliche Begrenzung kann sich für "Besserverdiener" daraus ergeben, dass das Kinderkrankengeld 70 % der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung nicht überschreiten darf. In zeitlicher Hinsicht besteht der Anspruch auf Kinderkrankengeld für bis zu 10 Arbeitstage pro Kind und Kalenderjahr, maximal jedoch, also bei mehreren Kindern, 25 Arbeitstage im Kalenderjahr. Bei Alleinerziehenden sind es bis zu 20 bzw. 50 Arbeitstage.

Darf ein Arbeitnehmer wegen Krankheit gekündigt werden?

Eine personenbedingte Kündigung wegen Krankheit wird von der Rechtsprechung grundsätzlich nur dann als sozial gerechtfertigt angesehen, wenn es sich um eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit, um häufige Kurzerkrankungen oder um eine dauerhafte krankheitsbedingte Minderung der Arbeitsfähigkeit des Arbeitnehmers handelt, wobei diese zu einer unzumutbaren betrieblichen und wirtschaftlichen Belastung des Arbeitgebers führen muss. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss zudem die Prognose begründet sein, dass es voraussichtlich auch in Zukunft zu längerer oder häufiger Erkrankung kommen wird. Schließlich muss die Kündigung verhältnismäßig sein, das heißt, die Kündigung muss auch unter Berücksichtigung der Dauer des Arbeitsverhältnisses, der Ursachen der Erkrankung, des Lebensalters des Beschäftigten etc. gerechtfertigt sein.

Weitere Informationen zum Thema finden sich in den kostenlosen Broschüren

  • Kündigungsschutz
  • Arbeitsrecht
  • Engeltfortzahlung

jeweils herausgegeben vom und erhältlich beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, oder als Download.

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 18:15 Uhr

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