Leichter leben | 19.12.2018 | 17:00 Uhr Die Kultautos vergangener Jahrzehnte

Trabant, Wartburg, MB 1000 oder Saab – diese Karossen sind inzwischen legendär und lassen so manches Herz höher schlagen. Experte Andreas Keßler erklärt, was Autos erst zu Kultobjekten werden lässt.

Ein goldenes Kalb?

"Kultische" Verehrung erfahren Auto-Modelle, welches zu ihren "Lebzeiten" schon Bestseller waren und von sehr vielen Leuten entweder gefahren wurden oder als Traumwagen gerne gefahren worden wären. Oder ein Auto wird zum "Kultauto", wenn es Siege auf den Rally- und Rennpisten dieser Welt eingefahren hat und trotzdem (wenigstens theoretisch) auch vor der Türen der Häuser der Vorstadtsiedlung parken könnte.

Ein Beispiel dafür ist der Peugeot 205 GTI, der einige Zeit lang die Rally "Paris-Dakar" dominierte und natürlich der Evergreen Porsche 911, der fast jeden Wettbewerb auf vier Rädern, bei dem es um Bestzeiten ging, schon gewonnen hat. Ähnlich wie dem Peugeot 205 GTI geht es seinem Vorbild aus Deutschland, dem Golf GTI. Dieses Modell war 1976 der erste Kompaktwagen, der sportwagenähnlich bewegt werden konnte und als Urvater einer ganzen Fahrzeugkategorie gelten kann.

Übrigens: Nicht jedes "Kultauto" muss ein Old- oder Youngtimer sein! Es gibt auch aktuelle Fahrzeuge, die sich großer Verehrung erfreuen. Allerdings im Verhältnis zur unübersehbaren Modellvielfalt nur sehr wenige.

Eine kleine Auswahl von "Kultautos"
VW Käfer 1938 - 2003 Das Auto des Wirtschaftswunders
Citroen 2 CV (Ente) 1949 - 1990 Weniger Auto geht nicht, Mobil der französischen Lebensart
Sachsenring "Trabant" 1957 - 1991 Das Auto der Einheit, Rennpappe
Mercedes 200 D (W123) 1975 - 1986 Der Unzerstörbare (Dauerläufer), DAS Taxi
Porsche 911 (luftgekühlte Versionen) 1963 - 1998 Der Unbesiegbare (Sportwagen)
Ford Mustang I 1964 - 1973 Familiensportwagen, Dienstwagen von Frank Bullit (Steve McQueen)
Austin Mini 1959 - 2000 Auto der Beat-Generation, Sieger der Rallye Monte-Carlo

Die Unternehmensgeschichte als Teil der Produktoffensive

Die Autoindustrie versucht heute, neue Produkte mit viel Emotionen in den Markt zu drücken. Pikanterweise wird aktuell mit dem Ruhm und dem Status von längst nicht mehr produzierten Modellen versucht, den um diese "Kultautos" gewachsenen Nimbus auf oft völlig gesichtslose Einheitsmobile zu übertragen. Das gelingt leider (von Ausnahmen abgesehen) nie, während die in den Anzeigen und TV-Spots zusammen mit den beworbenen Neuwagen gezeigten Old- und Youngtimer erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.

Das führt zu Begehrlichkeiten: Plötzlich will der Enkel Opas Kadett in der gleichen Farbe wie damals fahren, oder der Mittfünfziger erinnert sich an seinen ersten Alfa und kauft ihn sich erneut.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 12:31 Uhr