Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
Bildrechte: IMAGO

Leichter leben | 27.02.2016 | 17:00 Uhr Neuerungen bei der Steuererklärung

Im Durchschnitt zahlt das Finanzamt nach einer Steuererklärung mehr als 900 Euro zu viel gezahlte Steuern zurück. Mehr als 87 Prozent der Steuerzahler erhalten eine Erstattung. Der Aufwand lohnt sich also meistens. Was man absetzen kann und was bei der Steuererklärung 2017 neu ist, erklärt Steuerexperte Udo Reuß.

Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
Bildrechte: IMAGO

Viele Arbeitnehmer, die nur Gehalt beziehen und für die der Arbeitgeber Lohnsteuer abführt, müssen gar keine Steuererklärung machen. Bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt der Arbeitgeber im beschränkten Umfang und nur pauschal die steuerlich abzugsfähigen Kosten des Arbeitnehmers. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 Euro. Wer aber höhere berufliche Ausgaben hatte, sollte diese als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben – und sich so zu viel bezahlte Steuern zurückholen.

Wer freiwillig eine Steuererklärung für 2017 abgibt, hat dafür eigentlich bis Ende 2021 Zeit. Bereits am 31. Mai 2018 läuft hingegen die Abgabefrist für diejenigen ab, die abgeben müssen – und dazu zählen immer öfter auch Rentner.

Immer mehr Rentner müssen Steuererklärung abgeben

Ein Rentner muss grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, wenn er über den Grundfreibetrag kommt. Für 2017 beträgt dieser bei Ledigen 8.820 Euro. Als Werbungskostenpauschale kann er 102 Euro geltend machen. Hatte er höhere Ausgaben, zum Beispiel für einen Rentenberater, kann er diese statt der Pauschale ansetzen. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind als Sonderausgaben, Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig.

Der Anteil der zu versteuernden Rente hängt davon ab, wann sie erstmals gezahlt wurde. Beispiel: Neurentner des Jahres 2017 müssen 74 Prozent versteuern; der steuerfreie Teil wird als individueller Freibetrag bis zum Lebensende festgeschrieben. Das heißt, allein durch Rentensteigerungen kann ein Rentner in die Steuerpflicht rutschen. Ob er tatsächlich steuerpflichtig ist, hängt von drei Faktoren ab: vom Rentenbeginn, der Höhe der Rente und den abzugsfähigen Kosten. Im Finanztip-Ratgeber Rentenbesteuerung steht eine Tabelle, der sich entnehmen lässt, welche Bruttorente noch steuerfrei ist. Wer darüber liegt, sollte auf jeden Fall eine Steuererklärung abgeben und muss damit rechnen, dass Steuern fällig werden.

Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerkosten bringen Steuerermäßigung

Doch das ist nicht zwangsläufig so. Schließlich gibt es viele Steuersparmöglichkeiten für jedermann. Dazu zählen die haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerkosten. Den Koch für die Garten-Party oder den Gassi-gehen-Service für die Hunde steuerlich absetzen? Das geht. Der Fiskus fördert eine Reihe an Dienstleistungen im oder für den Haushalt. Die Arbeiten müssen in der eigenen Wohnung, im Haus oder auf dem dazu gehörenden Grundstück ausgeführt werden.

Absetzbar sind Leistungen, die üblicherweise der Steuerzahler selbst oder ein anderes Familienmitglied erledigen könnte. Beispiele sind: Putzen, Laubblasen, Winterdienst (auch auf öffentlichen Gehwegen), Gartenarbeiten, häusliche Kinder- und Tierbetreuung und auch Pflegedienstleistungen.

Das Finanzamt berücksichtigt als haushaltsnahe Dienstleistungen Kosten bis zu 20.000 Euro. Tipp von Steuerexperte Udo Reuß: „Ihre eigenen Pflege- und Betreuungskosten zum Beispiel für einen mobilen Dienst können Sie als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Die zumutbare Belastung ist der Eigenanteil, den das Finanzamt hiervon abzieht. Diesen können Sie jedoch als Haushaltnahe Dienstleistung zusätzlich geltend machen und sichern sich so eine weitere Steuerermäßigung.“ Insgesamt ist bei den haushaltsnahen Dienstleistungen ein Steuerrabatt von bis zu 4.000 Euro drin.

Für Handwerkerleistungen sind nochmals bis zu 1.200 Euro Steuerermäßigung möglich. Ob für den Maler, Schornsteinfeger oder den Schlüsseldienst – der Fiskus sponsert 20 Prozent der Arbeits- und Fahrtkosten. Dafür nötig: eine Rechnung, in der die Arbeitskosten aufgeführt sind und sie darf nicht bar bezahlt werden – also Geld überweisen! 

Dies gilt auch für Mieter. Die Nebenkostenabrechnung kann daher richtig viel Geld einbringen. Schließlich sind beispielsweise die Kosten für den Hausmeister, Gärtner, Putzkräfte, Winterdienst, Schornsteinfeger, Aufzugswartung und die Legionellenprüfung absetzbar.

Belege nur noch aufbewahren

Eine junge Frau arbeitet an einem Schreibtisch zwischen zwei Aktenbergen
Bildrechte: IMAGO

Neu bei der Steuererklärung für das Jahr 2017 ist, dass das Finanzamt nicht mehr erwartet, dass Steuerzahler die Belege mitschicken. Sie können diese behalten und sollten sie bis ein Jahr nach Erhalt des Steuerbescheids aufbewahren. Falls das Finanzamt Quittungen sehen will, meldet es sich. Die Finanzämter gehen immer mehr dazu über, dass sie „einfache“ und wenig risikobehaftete Steuerfälle maschinell verarbeiten. Wer sichergehen will, dass ein Finanzbeamter seinen Fall prüft, oder wenn er in einer steuerrechtlichen Angelegenheit eine andere Auffassung als die Finanzverwaltung vertritt, trägt in der neuen Zeile 98 im Mantelbogen der Steuererklärung die Ziffer 1 ein. Nötig ist dann eine zusätzliche Anlage mit der Überschrift „Ergänzende Angaben zur Steuererklärung“. Dort lassen sich der Steuerfall und die zu berücksichtigenden Ausgaben darstellen.

Viele weitere Tipps für die Steuererklärung 2017 stehen im Finanztip-Ratgeber.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 12:46 Uhr