Leichter leben | 18.07.2017 | 17:00 Uhr Sicheres Online-Banking: Darauf sollten Sie achten

Rund um die Uhr und bequem von zu Hause oder unterwegs: Online-Banking ist praktisch, kinderleicht und mittlerweile sicherer. Dennoch lauern Tücken. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, worauf Sie gezielt beim sicheren Online-Banking achten sollten.

Bundesweit gibt es knapp über 100 Millionen Girokonten, davon sind inzwischen mehr als 56 Millionen Online-Konten bei Direkt- und Filialbanken. Die sind sicher und meistens billiger als die 40 Millionen klassischen Konten.

Vorsichtige Schätzung: Wenn die 40 Millionen klassischen Konten 4 € im Monat teurer sind als die Online-Konten dann bezahlen Kunden in Deutschland jedes Jahr zwei Milliarden mehr, weil sie noch klassische Konten nutzen (4 € X 12 Monate X 40 Millionen).

Der Wechsel zu einem Online-Konto ist einfach: Sie teilen der Bank mit, dass Sie ein anderes Kontomodell möchten. Anschließend müssen Sie sich noch mit der Bank ausmachen, wie Sie Ihr Online-Konto sicher führen wollen.

Bequem von zu Hause und unterwegs

Normalerweise erledigen Online-Kunden ihre Bankgeschäfte von zu Hause, vom heimischen Rechner. Das geht schnell und ist sicher. Vorausgesetzt, ein Virenschutz ist installiert, sodass niemand den Computer manipulieren kann. Sonst wächst die Gefahr, zum Opfer von Kriminellen zu werden. Manche erledigen ihre Bankgeschäfte auch vom Arbeitsplatz aus. Ob der Arbeitgeber das gerne sieht, ist die eine Frage. Aber sicher sind die Rechner dort in der Regel auch.

Bankgeschäfte von zu Hause oder vom Arbeitsplatz zu erledigen, das geht, weil die Konten heute auf allen gängigen Browsern über das Internet laufen. Man muss sich nur mit einem Passwort für das Bankprogramm legitimieren. Wichtig ist ein gutes Passwort, dass der Nutzer sich leicht merken kann. Also zum Beispiel den Namen eines tunesischen Badeortes gekoppelt mit dem Geburtstag des Hundes. Oder die ersten Buchstaben aller Worte aus dem ersten Satz eines Lieblingsromans. Viele Bankgeschäfte kann man sogar mit dem Handy erledigen, wenn man dort eine entsprechende App der eigenen Bank installiert.

Die Sicherheit wird mit sogenannten TAN-Verfahren erledigt. Man sagt der Bank über den Rechner, dass man ein bestimmtes Geschäft machen möchte, und dann versucht die Bank sicherzustellen, dass man auch wirklich die autorisierte Person ist. Sie fragt den Kunden nach einer Art Sicherheitsschlüssel, der TAN. Das ist meist eine sechsstellige Nummer. Früher gab's diese Nummer im Hunderter-Paket auf einem Block. Das gilt aber nicht als sicher. Jemand könnte den Block entwenden oder kopieren.

Deswegen bieten Banken heute einen kleinen Zusatzrechner an, einen TAN-Generator. Der sieht aus wie ein Taschenrechner und mit dem erzeugt man auf Anforderung der Bank eine solche Sicherheitsnummer und gibt diese dann in den Computer ein.

Oder die Bank schickt diese Sicherheitsnummer per SMS aufs Handy. Auch das gilt als vergleichsweise sicher. Zuletzt gab es allerdings Ärger, weil mehr als 80 Banken für das Versenden dieser TAN's Geld kassiert haben. Fragen Sie ihre Bank, ob sie das tut.

Kontowechsel leicht gemacht

Wenn Ihre Bank Ihnen ein bequemes digitales Konto anbieten will, können Sie auch das Bankkonto wechseln. Das geht heute auch schon digital und ganz einfach:

Die Kunden loggen sich beim Wechseltool mit den Daten der alten Bank ein. Es werden die Zahlungspartner der letzten Monate ausgelesen, wie weit das zurückgeht, hängt von der jeweiligen abgebenden Bank ab. Die Kunden wählen aus, wer über das neue Konto informiert werden soll. Sie können auch automatisch alle Partner informieren lassen. Das Ganze wird dann mit der Unterschrift – also über Maus beim Desktop oder Finger beim Smartphone bestätigt. Dann werden die Zahlungspartner informiert, dazu werden automatisch Briefe erstellt. Das Konto kann auch über diese Tools geschlossen werden. Seit vergangenem Herbst ist vorgeschrieben, dass alle Banken eine Kontowechselhilfe anbieten müssen.

Online-Konten haben nicht nur Kostenvorteile. Jahrzehntelang haben vor allem die Sparkassen und Volksbanken Kundenfreundlichkeit nur an der Zahl ihrer Filialen bemessen. Doch noch immer haben die Filialen nur geöffnet, wenn der durchschnittliche Arbeitnehmer im Büro sitzt, im Friseursalon steht oder sonst wo rackert. Um den freundlichen Berater aufzusuchen, muss er oder sie einen freien Tag opfern. Es gibt wohl kaum eine Bank, die sagt, wir öffnen jetzt morgens mal grundsätzlich zwischen 6 und 9 Uhr und dann nochmal zwischen 18 und 21 Uhr. Also zu Zeiten, zu denen "normale Kunden" Zeit für ihre Bankgeschäfte haben. Das Interesse des Kunden spielt bei der Frage, wann eine Filiale geöffnet ist, noch immer überhaupt keine Rolle.

Bargeldloses Bezahlen

Neben dem Online-Konto gibt es auch noch andere elektronische zahlverfahren und Firmen. Paypal ist dabei vermutlich der bekannteste dieser Anbieter. Das amerikanische Unternehmen, entstanden als Tochter von eBay, schaltet sich als Drittanbieter zwischen Händler und Bank, nachdem sich Verbraucher registriert haben. Entstanden ist es, weil elektronisches Überweisen in den USA lange gar nicht gut funktioniert hat und die Bezahlung mit der Kreditkarte häufig teuer war. Paypal lebt von den Gebühren, die es bei den Händlern erhebt, für Privatkunden ist das Programm kostenlos.

Paypal verbindet sich mit dem Girokonto oder der Kreditkarte des Kunden und nutzt danach sozusagen eine E-Mail-Adresse als Kontonummer beim Bezahlen. Das Konto an sich ist kostenlos. Bei Geschäftskonten fallen aber bei jedem Zahlungseingang Gebühren an und bei Privatkonten zum Beispiel, wenn Währungen gewechselt werden.

Neben Paypal gibt es noch andere Unternehmen, die als Drittanbieter das Bezahlen abwickeln. Das Grundprinzip ist immer gleich: Statt seine Daten direkt an den Händler zu schicken, gibt der Kunde dort nur seine Zugangsdaten für den Dienstleister an. Dieser bucht das Geld dann direkt vom Konto oder von einem vorher eingerichteten Guthaben ab und gibt es später an den Händler weiter.

Online-Banking, TAN-Liste
Bildrechte: IMAGO

Potenziell unseriöse Händler kommen so nicht direkt an Kreditkartennummern oder andere sensible Informationen; bei Problemen haben Kunden den Dienstleister als Anlaufstelle. Das Passwort für den Online-Bezahldienst ist allerdings ein gefundenes Fressen für Betrüger, die damit großen Schaden anrichten könnten. Viele sogenannte Phishing-Mails haben es daher auf solche Informationen abgesehen. Schauen Sie also genau, ob E-Mails mit dem Absender Paypal wirklich von Paypal sind – und klicken Sie nicht auf Links in unseriösen Mails.

Etwas anders funktioniert das Verfahren bei Zahlungs-Dienstleistern wie Sofortüberweisung oder Giropay: Bei diesen läuft die Bezahlung nicht über ein separates Kundenkonto, sondern direkt über die Bank. Im Gegensatz zur klassischen Vorkasse erhält der Händler aber sofort eine Bestätigung, dass das Geld unterwegs ist, und kann damit auch die Ware auf den Weg schicken. Zumindest bei der Sofortüberweisung müssen Kunden dem Zahlungsanbieter dafür auch sensible Banking-Daten wie PIN und TAN geben. Achten Sie daher auch in diesen Fällen auf eine verschlüsselte Verbindung. Zurückbuchen lässt sich Geld bei Sofortüberweisung nur, wenn der Händler den sogenannten Käuferschutz des Anbieters verwendet. Bei Giropay gibt es keine Möglichkeit der Rückbuchung.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2018, 14:02 Uhr