Eine Hand hält drei Organspendeausweise.
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Leichter leben | 04.03.2019 | 17:00 Uhr Organspende: Das sollten Sie wissen

Die Organspende ist ein sensibles Thema, mit dem sich die meisten ungern befassen. Dennoch ist es wichtig, rechtzeitig eine Entscheidung zu treffen. Und dafür braucht es Informationen. Lesen Sie hier alles Wichtige.

Eine Hand hält drei Organspendeausweise.
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Auf der Warteliste für Organspenden stehen in Deutschland zehnmal so viele Empfänger, wie es Spender gibt. Konkret in Zahlen warteten im vergangenen Jahr rund 10.000 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan, doch es gab nur 955 Organspender. Wer plötzlich stirbt, kann helfen, dass andere mit seinen Organen weiterleben können. Die eigene Haltung zur Organspende sollte am besten im Organspendeausweis festgehalten und mit den Angehörigen besprochen werden.

Rechtliche Regelungen zur Organspende in Deutschland

  1. In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung, d.h. im Todesfall dürfen nur Organe entnommen werden, wenn der Spender mittels Organspendeausweis oder – beim Fehlen eines solchen – die Angehörigen einer Organentnahme zugestimmt haben.
  2. Die Organe dürfen erst nach der Feststellung des Hirntodes* durch zwei erfahrene Ärzte, die unabhängig voneinander arbeiten, entnommen werden.

Hirntod-Diagnose* Die beiden Ärzte, die den Hirntod diagnostizieren, dürfen weder an der Entnahme noch an der Weitergabe der Organe beteiligt sein. Sie müssen in zwei eigenständigen, von einander unabhängigen Untersuchungen feststellen, dass die Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm unumkehrbar ausgefallen sind.

Immer dann, wenn Zweifel an der Irreversibilität der Hirnschädigung bestehen, z.B. bei Kleinkindern unter zwei Jahren sowie bei Verstorbenen, die im Verdacht stehen, kurz vor dem Tod Drogen oder Medikamente im Übermaß konsumiert zu haben, wird die Hirntod-Diagnose nach 24-72 Stunden ein drittes Mal durchgeführt, um absolute Gewissheit zu haben.

Herz- und Kreislauffunktionen der hirntoten Patienten werden bis zur Organentnahme Fall künstlich aufrechterhalten; sonst könnten die Organe später nicht mehr transplantiert werden.

Ein Spender, sieben Leben

Zu den Organen, die sich für eine Spende eignen, zählen Herz, Leber, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Dick- und Dünndarm. Außerdem lassen sich auch Gewebe verpflanzen, zum Beispiel Hornhaut oder Knochen.

Immer dabei: Der Organspendeausweis

Organspendeausweis und Matchbox-Rettungswagen
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Die eigene Haltung zur Organspende sollte am besten im Organspendeausweis festgehalten und mit den Angehörigen besprochen werden. Die Ausweise sind kostenlos bei Krankenkassen, in vielen Arztpraxen und Apotheken erhältlich, können aber auch im Internet bestellt oder heruntergeladen werden.

Im Organspendeausweis kann man einer Multiorganentnahme zustimmen, aber man kann auch bestimmte Organe ausschließen, nur bestimmte Organe zulassen oder aber einer Spende komplett widersprechen.

Nach oben hin gibt es keine Altersgrenze für Organspender; auch 80-Jährige können noch spenden. Und selbst Minderjährige dürfen schon einen Organspendeausweis besitzen. Ab dem 14. Geburtstag kann man einer Organentnahme widersprechen, ab dem 16. Geburtstag darf man sich dazu bereit erklären. Für Kinder unter vierzehn Jahren entscheiden in jedem Falle die Eltern.

Wer seine Einstellung zu einem späteren widerrufen bzw. ändern möchte, braucht lediglich den alten Ausweis zu vernichten und einen neuen auszufüllen. Die Daten sind an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

Mögliche Gesetzesänderung

Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Gesetzesänderung, um die Zahl der potentiellen Organspender in Deutschland zu erhöhen. Noch gibt es keinen verbindlichen Gesetzesentwurf. Zur Diskussion stehen die einfache oder die doppelte Widerspruchslösung.

Einfache Widerspruchslösung: Danach würde jeder Verstorbene, der zu Lebzeiten nicht aktiv und ausdrücklich einer Organspende widersprochen hat, als potentieller Spender gelten.

Doppelte Widerspruchslösung: Danach würden im Todesfall noch einmal die nächsten Angehörigen befragt. Sie haben das Recht, einer Organentnahme zu widersprechen, sollte keine Entscheidung des Verstorbenen vorliegen.

Weitere Informationen zum Thema

Unser Experte

Paolo Fornara
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Prof. Paolo Fornara

Prof. Paolo Fornara

Paolo Fornara ist Direktor der Uniklinik für Urologie und damit des Nierentransplantationszentrums Sachsen-Anhalt in Halle. Dort wurde 1967 die allererste Nierentransplantation der DDR durchgeführt. Der Mediziner kämpft für eine Überarbeitung des heutigen Transplantationsgesetzes, denn in Deutschland werden so wenig Organe gespendet wie sonst nirgends in Europa.

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 15:22 Uhr