Leichter leben | 08.12.2015 | 17:00 Uhr Was tun bei häuslicher Gewalt?

Etwa 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren haben mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch Partner oder Partnerin erlebt. Gerade vor den Feiertagen steigen in vielen Familien Stress und Druck. Was können Betroffene tun? Und wie kann die Polizei die Opfer schützen und die Täter unschädlich machen? Expertin Ilona Wessner weiß Rat.

Eine Frau versucht sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.
Bildrechte: dpa

Wenn Sie in Ihrer Partnerschaft, Ehe oder Familie misshandelt, geschlagen, verletzt, bedroht, eingesperrt, gefangen gehalten, vergewaltigt oder Ihre Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht werden, haben Sie das Recht, sich dagegen zu wehren.

Wir wollen Ihnen einige Hinweise geben, was Sie tun können, um sich zu wehren und sich vor weiteren Gewalttaten zu schützen.

Was können Sie tun?

Rufen Sie die Polizei unter der kostenlosen Telefonnummer 110, die rund um die Uhr erreichbar ist und teilen Sie mit:

  • durch wen Sie gefährdet sind,
  • ob sie verletzt sind,
  • ob Ihnen weitere Gewalt droht und
  • ob Waffen eingesetzt werden.

Bis die Polizei kommt, bringen Sie sich in Sicherheit. Teilen Sie den Beamten mit, wo Sie erreichbar sind. Wenn die Polizei kommt, haben Sie die Möglichkeit getrennt vom Gewalttäter der Polizei Ihre Situation zu erläutern und mit Ihren Kindern unter Polizeischutz den Tatort zu verlassen.

Wenn Sie sich in einer akuten Gefährdungssituation befinden oder bereits eine Straftat passiert ist:

  • Schildern Sie der Polizei ausführlich das Vorgefallene, damit entsprechende Maßnahmen zu Ihrem Schutz und zur Verfolgung des Straftäters eingeleitet werden können.
  • Berichten Sie über Verletzungen, auch nicht sichtbare.
  • Übergeben Sie der Polizei das Tatwerkzeug.

Die Polizei hat die Möglichkeit, dem Täter einen Platzverweis zu erteilen oder ihn in Gewahrsam zu nehmen, wenn die Gefährdung noch andauert oder nicht anders abgewendet werden kann.

Außerdem haben Sie folgende Rechte

Bitten Sie die Beamten, Sie zu informieren, wenn der Täter entlassen wird.

Sie haben die Möglichkeit, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, meist ist dazu ein Strafantrag erforderlich. Ein Strafantrag verdeutlicht Ihr persönliches Interesse an einer Strafverfolgung.

Lassen Sie sich Ihre Verletzungen von einer Ärztin/einem Arzt attestieren und entbinden Sie Ärztin/Arzt von der ärztlichen Schweigepflicht. Ein Attest ist als Beweismittel für das Ermittlungsverfahren notwendig.

Lassen Sie sich örtliche Hilfsangebote aufzeigen, zum Beispiel Beratung und Aufnahme in Frauenhäusern, Opferberatungsstellen, Familienberatungsstellen. Die Polizei ist auch bei der Herstellung des Erstkontaktes behilflich.

Nutzen Sie Möglichkeiten, die Wohnung oder den Tatort zu verlassen. Nehmen Sie wichtige Unterlagen und Dokumente, die Ihnen persönlich gehören, mit.

Geben Sie dem Täter keinerlei Auskunft zu Ihrem zukünftigen Aufenthaltsort.

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 10:52 Uhr