Ein Modell mit einem auf einer Bank sitzenden Rentnerpaar steht auf der Anlage für Renteneinkünfte zur Steuererklärung.
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Leichter leben | 07.08.2018 | 17:00 Uhr Rentenerhöhung: Wer jetzt Steuern zahlen muss

Im Juli wurde die Rente in Ost und West wieder erhöht. Viele Senioren sind verunsichert, ob und wie viel Geld das Finanzamt plötzlich haben will. Experte Hermann-Josef Tenhagen weiß Rat und gibt wertvolle Steuertipps.

Ein Modell mit einem auf einer Bank sitzenden Rentnerpaar steht auf der Anlage für Renteneinkünfte zur Steuererklärung.
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Rentner, aufgepasst!

Die aktuelle Rentenerhöhung ab Juli führt dazu, dass einige Zehntausend Rentner womöglich steuerpflichtig werden. Erst einmal geht es dabei nur um ein paar wenige Euro, aber die Senioren müssen sich womöglich den Aufwand machen und eine Steuererklärung abgeben. Selbst wenn sie schon 15 Jahre Rentnerin oder Rentner sind und das noch nie gemacht haben.

Bereits heute muss jeder fünfte Rentner Steuern zahlen – bundesweit rund 4,4 Millionen. Die große Steuerreform des vergangenen Jahrzehnts sorgt dafür, dass Neurentner ohnehin viel schneller Steuern zahlen müssen als Rentner des vergangenen Jahrzehnts.

So finden Sie heraus, ob Sie als Ruheständler jetzt Steuern zahlen müssen

Erstens: Die Frage ist, ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, weil ihre Rente eine bestimmte Höhe erreicht hat. Orientierung gibt Ihnen dabei folgende Tabelle.

Steuerfreie Bruttorente 2017
Rentenbeginn Rente in Westdeutschland (Euro) Rente in Ostdeutschland (Euro)
  Jahresrente Monatsrente Jahresrente Monatsrente
Bis 2005 19.244 1.619 18.031 1.529
2006 18.609 1.565 17.510 1.485
2007 18.089 1.522 17.080 1.448
2008 17.712 1.490 16.821 1.427
2009 17.264 1.452 16.493 1.399
2010 16.750 1.409 16.053 1.361
2011 16.370 1.377 15.730 1.334
2012 15.958 1.342 15.500 1.314
2013 15.534 1.307 15.267 1.295
2014 15.195 1.278 14.994 1.272
2015 14.945 1.257 14.829 1.258
2016 14.673 1.234 14.673 1.244
2017 14.208 1.195 14.208 1.205

Quelle: Bundesverband Lohnsteuerhilfeverein e.V. (Stand: 25. Juli 2017)

Hier geht es um die gesetzliche Rente, die Sie beziehen können, ohne Steuern zahlen zu müssen. Wer zusätzlich andere Alterseinkünfte hat, muss anders rechnen und ist schon früher steuerpflichtig.

Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie ruhig beim Finanzamt nach. Dort bekommen Sie Auskunft. Und keine Angst, es geht erstmal nur um wenige Euro. Die Finanzbeamten haben kein Interesse, Sie als Steuerpflichtigen zu registrieren, wenn Sie es eigentlich gar nicht sind.

Ein Vordruck für Einkommenssteuererklärung liegt neben einem Aktenordner mit der Aufschrift Finanzamt, einem Stift und einem Taschenrechner
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Zweitens: Es kann sein, dass Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, da das Alterseinkommen eine bestimmte Grenze erreicht. Das heißt noch nicht, dass Sie tatsächlich zahlen müssen. Denn auch als Rentner können Sie jede Menge Ausgaben von der Steuer absetzen und so verhindern, dass Sie zahlen müssen.

Das geht los bei den klassischen Handwerkerkosten, die Sie geltend machen können, geht weiter über zahlreiche Kosten für Haushaltshilfen und haushaltsnahe Dienstleistungen und hört noch nicht auf, wenn Sie ihre Gesundheitskosten bei der Steuer eintragen.

Gerade wenn Sie gar nicht so viel Rente beziehen, sind Gesundheitskosten als außergewöhnliche Belastungen oft hilfreich, die Steuerlast zu senken oder ganz zu vermeiden. Die Frage, wann Belastungen außergewöhnlich sind, macht sich ja auch an der Höhe verglichen mit dem Einkommen fest.

Drittens: Wenn Sie mehr als nur Ihre gesetzliche Rente beziehen, ist die Steuererklärung nicht ganz so einfach und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie eine Steuererklärung machen müssen. Schummeln scheidet aus. Anders als früher erhält das Finanzamt von den auszahlenden Stellen Rentenbezugsmitteilungen und erfährt daher, welche Renten diese überwiesen haben.

Die Renten werden unterschiedlich nach Basisversorgung, steuerlich geförderten Altersvorsorgeverträgen und sonstiger privater Altersvorsorge behandelt. Für jede Kategorie gibt es eine andere Besteuerungssystematik. Helfen können die Ratgeber von Finanztip.de, Steuersoftware, Lohnsteuerhilfevereine und Steuerberater.

Zusammengefasst – so gehen Sie vor

Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
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Wenn Sie nur die Rente als Einkunft beziehen, müssen Sie grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, falls der steuerpflichtige Anteil höher ist als der Grundfreibetrag. Dieser beträgt 9.000 Euro im Jahr 2018; hinzukommen 102 Euro Werbungskostenpauschale. Neurenter im Osten erreichen diese Marke bei ca. 1200 Euro Rente im Monat. Erste Orientierung bietet die Tabelle oben.

In der Steuererklärung können Sie von der Steuer Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, den Altersentlastungsbetrag, einen Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder einen Pauschbetrag für Behinderte abziehen.

So kompliziert ist die Steuererklärung auch nicht. Hilfe gibt es in den kostenlosen Ratgebern von Finanztip, preiswerte Hilfestellung bieten diverse Programme mit Steuersoftware. Nicht wirklich teuer sind Lohnsteuerhilfevereine, die ihnen bei der Steuer helfen. Und dann gibt es für die etwas anspruchsvolleren Fälle natürlich Hilfe beim Steuerberater, zum Beispiel wenn Sie neben Ihre Rente auch noch Einkünfte aus einer vermieteten Eigentumswohnung haben.

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2018, 21:48 Uhr