Miniaturfiguren, Münzstapel und Rente-Schriftzug
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Leichter leben | 04.09.2018 | 17:00 Uhr Rente: Das sind die größten Irrtümer

Viele Irrtümer und Mythen ranken sich um die Rente. Stimmt es etwa, dass Rentner keine Steuern zahlen müssen? Und kommt die Altersvorsorge von allein? Experte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, was richtig und falsch ist.

Miniaturfiguren, Münzstapel und Rente-Schriftzug
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"Die Rente kommt von selbst"

Stimmt nicht

Die Rente muss beantragt werden und das ist ein ganz schöner Papieraufwand. Vor allem müssen Sie als Rentner nachweisen, welche Rentenansprüche Sie in Ihrem Erwerbsleben erworben haben. Die gesetzliche Rente wird nämlich nicht etwa von einem Konto gezahlt, in das sie eingezahlt haben, sondern von den Menschen, die während ihrer Rentenzeit erwerbstätig sind und Beiträge zahlen. Diese Beiträge bezahlen ihre Rente. Wie viel sie aber bekommen, hängt von den Ansprüchen ab, die Sie erworben haben.

Wenn sie ein Jahr lang durchschnittlich verdient haben (etwa 2800 Euro brutto im Monat im Osten) und Sie und Ihr Arbeitgeber dafür Beiträge bezahlt haben, bekommen Sie dafür einen Rentenpunkt. Und der ist aktuell rund 31 Euro Rente wert.

Schon heute können Sie die Unterlagen sammeln und bei der gesetzlichen Rentenversicherung anfragen, ob dort alle Unterlagen über Ihre Verdienste der vergangenen Jahrzehnte richtig vorliegen.


"Frührentner können einfach so hinzuverdienen"

Stimmt nicht

Seit 2018 können Sie als Altersrentner viel einfacher weiterarbeiten als bisher. Das Gesetz zur Flexi-Rente macht es möglich. Gehen Sie nicht in den Ruhestand, steigt dadurch Ihre Rente. Jedes zusätzliche Jahr erhöht sich die Monatsrente um 6 Prozent. Und das ist nicht alles: Weil Sie und Ihr Arbeitgeber nun weiterhin in die Rentenkasse einzahlen, steigt die Rente nochmals. Sie können aber auch ganz normal Rente beziehen und nebenbei arbeiten. Zahlen Sie freiwillige Beiträge, steigt die Rente weiter.

Sind Sie aber frühzeitig in Rente gegangen, dürfen Sie weiterhin nur begrenzt hinzuverdienen. Durch die Neuregelung sind jetzt zwar im Jahr bis zu 6.300 Euro möglich. Jenseits der Summe wird Ihre Rente aber gekürzt.


"Rentner müssen keine Steuern zahlen"

Stimmt nicht

Auch Rentner müssen Steuern bezahlen, wenn ihre Rente und mögliche Zusatzeinkünfte hoch genug sind. Über vier Millionen Rentner zahlen schon Steuern und jedes Jahr werden es mehr. Pensionäre zahlen ohnehin schon Steuern.

Immer noch muss aber die Mehrheit aller Rentner keine Steuern zahlen, und je älter sie sind, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass sie Steuern zahlen müssen. Das liegt an den von der Politik 2005 verabschiedeten Steuerregeln für Rentner.

Sie sollten das aber für sich einmal kontrollieren. Der häufigste Fall für Altersrentner, die nach langen Jahren plötzlich Steuern zahlen müssen, ist der von Witwen und Witwern. Durch die Witwenrente steigt die Rente der einzelnen Person erheblich an. Gleichzeitig kann man nicht mehr die Freibeträge von zwei Personen abziehen. Deshalb sollten Witwen oder Witwer mit einer gemeinsamen Rente von weit über 1000 Euro auf jeden Fall kontrollieren, ob sie womöglich steuerpflichtig geworden sind.

Zum Nachschauen: Auf der MDR um 4-Facebookseite hat Experte Hermann-Josef Tenhagen am Dienstag Ihre Fragen zum Thema Rente live beantwortet. Nachfolgend finden Sie den Talk.

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 16:15 Uhr