Symbolbild: Unfallort - Eine Frau stellt hinter ihrem Wagen ein Warndreieck auf.
Bildrechte: Colourbox.de

Leichter leben | 06.11.2018 | 17:00 Uhr Unfall – was tun, wenn es gekracht hat?

Ist man an einem Unfall beteiligt, ist der Schreck erst einmal groß. Ob man nun Opfer, Verursacher oder Mitverantwortlicher ist. Kriminalrätin Ilona Wessner erklärt, wie man sich in solchen Situationen verhalten sollte.

Symbolbild: Unfallort - Eine Frau stellt hinter ihrem Wagen ein Warndreieck auf.
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So verhalten Sie sich am Unfallort richtig

  1. Sofort anhalten!

Und Ruhe bewahren. Bei geringfügigem Sachschaden die Fahrbahn freimachen.

  1. Warnblinkanlage einschalten!
  2. Warndreieck

Ca. 100 Meter vom Unfallort entfernt entgegen ihrer Fahrtrichtung aufstellen

  1. Verletzten Erste Hilfe leisten!
  2. Krankenwagen oder Polizei rufen oder durch andere Verkehrsteilnehmer rufen lassen.

Notrufnummern in Deutschland Polizei: 110
Rettungsdienst: 112
Feuerwehr: 112

Notfallmeldung

  • Name, Standort
  • Unfallort
  • Anzahl der Verletzten
  • Art der Verletzungen

  1. Unfallort nicht verlassen!
  2. Unfallbeteiligte informieren!

Ihre Beteiligung (Betroffener/Zeuge), Name, Anschrift, Führerschein- und Fahrzeugdaten, Haftpflichtversicherungsdaten

  1. Unfallspuren nicht beseitigen!
  2. Unfallskizze fertigen und nach Möglichkeit die Unfallszene fotografieren

Was nach einem Unfall noch zu unternehmen ist, hängt stark davon ab, ob man selbst Opfer, Verursacher oder Mitverantwortlicher ist.

Absperrung einer Unfallstelle
Bildrechte: imago/Sabine Gudath

  • Das Unfallopfer sollte so schnell wie möglich den Schaden an seinem Fahrzeug feststellen lassen. Das kann die Werkstatt seines Vertrauens tun. Bei Schäden, die nicht als Bagatelle gelten, die Schadensermittlung einem Sachverständigen überlassen.
  • Als Unfallverursacher muss man umgehend die eigene Haftpflichtversicherung informieren. Dies gilt auch in jenen Fällen, in denen man eine Mitverantwortung trägt. Ratsam ist die Information an den eigenen Versicherer vor allem auch dann, wenn man von der eigenen Unschuld am Unfall überzeugt ist, der Unfallgegner aber ein Verschulden behauptet. Die eigene Versicherung hat nicht nur die Aufgabe, Ansprüche eines Geschädigten zu regeln, sondern auch zu Unrecht erhobene Ansprüche abzuwehren.
  • Nimmt die Polizei den Unfall auf, so führt dies in der Regel zu einem Bußgeld- oder Strafverfahren gegen eine oder mehrere am Unfall beteiligte Personen. Wer davon betroffen ist, für den gilt gleiches wie bei Verfahren, die wegen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen ins Rollen kommen. Man sollte aber spätestens in diesem Stadium einen in Verkehrssachen erfahrenen Rechtsanwalt einschalten.
  • Ist die Sachlage unklar, können Rechtsschutzversicherte, gegen die Ermittlungen geführt werden, ein Unfallrekonstruktionsgutachten zur Vorbereitung der Verteidigung erstellen lassen. Der entsprechende Auftrag sollte nach vorheriger Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung zügig erteilt werden, bevor Beweismittel verloren gehen.
  • Nach Unfällen mit Verletzten oder Toten bleibt es nicht bei einem Bußgeldverfahren. Vielmehr wird dann von der Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Verdachts einer fahrlässigen Körperverletzung oder Tötung gegen den Unfallverursacher eingeleitet.

Das Unfallopfer bzw. dessen Angehörige können auch selbst Strafantrag gegen den Verursacher stellen. Allerdings hängen zivilrechtliche Ansprüche wie etwa Schmerzensgeld nicht davon ab, ob ein Strafantrag gestellt wurde.

  • Die Einstellung solcher Verfahren durch die Staatsanwaltschaft erfolgt in der Regel wenn kein schweres Verschulden des Unfallverursachers vorliegt. Dann wird die Sache als reine Ordnungswidrigkeit an die Bußgeldstelle abgegeben. Die Ansprüche des Unfallopfers werden dadurch nicht geschmälert.