Ein Päarchen liegt im Bett. Die Frau hält die Nase des Mannes zu.
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Leichter leben | 02.08.2018 | 17:00 Uhr Was gegen Schnarchen hilft und wann es gefährlich wird

Schnarchen kann auf Dauer ganz schön lästig sein – vor allem für den Partner. Selbst mit Schütteln ist oft nichts mehr zu holen. Was dagegen hilft und warum Schnarcher gefährlich leben, erklärt Mediziner Thomas Wilhelm.

Ein Päarchen liegt im Bett. Die Frau hält die Nase des Mannes zu.
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Fast jeder dritte Deutsche schnarcht. Bei den Männern sind es 60 Prozent, bei den Frauen 40. In den meisten Fällen ist Schnarchen ungefährlich und stellt keine Gefahr für die Gesundheit dar. Doch oft wird ignoriert, dass hinter dem lästigen Sägen auch eine möglicherweise lebensbedrohliche Atemstörung stecken kann.

Warum schnarchen wir?

Das Geräusch beim Schnarchen entsteht, wenn der Schlafende durch den geöffneten Mund atmet und die Luft dabei ins Schwingen kommt. Bei Schnarchern erschlafft die Muskulatur im Mund und Rachenraum während des Schlafens stärker als bei Nichtschnarchern. Durch die Verengung oder den Verschluss der Atemwege beginnt das Gaumensegel, das Zäpfchen, die Rachenwand oder der Kehlkopfdeckel im Luftstrom des Einatmens zu schwingen. Aus diesem Grund kommt es zu den typischen Schnarch-Geräuschen.

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Tipps gegen das Schnarchen

Ein Mann liegt schlafend auf einer Sonnenliege.
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  • Wer abnimmt, schnarcht weniger. Deshalb spielt die Erlangung des Normalgewichts eine wichtige Rolle. Ein Schlafapnoeiker mit einem Körpergewicht von 90 kg, dessen Idealgewicht bei 75 kg liegt, kann durch die Abnahme von ca. 10 kg sowohl seine nächtliche Atmung als auch seine Schlafqualität erheblich verbessern und die Tagesschläfrigkeit deutlich vermindern.
  • Alkohol sollte zwei Stunden vor dem Schlafengehen vermieden werden, da er die Atmungsaktivität dämmt. 
  • Medikamente sollten stets mit äußerster Vorsicht eingenommen werden. So können sich z. B. verschreibungspflichtige Medikamente gegen Kopfschmerzen und Angstzustände auf Schlaf und Atmung negativ auswirken.
  • Veränderung der Schlafposition: Keine Rückenlage! Kopf hoch lagern oder in der Seitenlage schlafen!
  • Eine so genannte Schnarchbinde, die um Kinn und Scheitel gebunden wird verhindert das Absinken des Unterkiefers.
  • Bei einer behinderten Nasenatmung: Durch Medikamente oder Operationen (Mandel-, Polypenentfernung) kann die Atmung durch die Nase verbessert werden.
  • Muskelstimulation: Hier werden die am Schnarchen beteiligten Muskelgruppen trainiert, um so ein Erschlaffen zu verhindern.
  • Aufbiss-Schiene für Ober- und Unterkiefer. Die Aufbiss-Schiene zieht den Unterkiefer etwas nach vorne und erweitert dadurch den Rachenraum.
  • Gebissähnliche Prothesen: Diese drücken mit einem Stab die Zunge nach unten und versuchen so ein Zurückfallen der Zunge während des Schlafens zu verhindern.
  • Da Medikamente gegen Verstopfung der Nase sowohl Schnarchen als auch Apnoen reduzieren können, lohnt sich ein Therapieversuch.

Wann zum Arzt?

Bei jedem lauten Schnarchen, das einen selbst weckt oder die Umgebung stört, ist ein Arztbesuch anzuraten. Dort wird eine auch mögliche Behinderung der Atemwege gesucht, gegebenenfalls behandelt und wenn nötig, wird der Patient an ein Schlafmedizinisches Zentrum zur genauen Untersuchung des Schlafs überwiesen.

Schlafapnoe: Was nächtliche Atemaussetzer so gefährlich macht

Sehr vielen Menschen bleibt Nacht für Nacht im wahrsten Sinne die Luft weg: Sie leiden unter der Schlafapnoe. Der Begriff Apnoe stammt aus dem Griechischen und bedeutet Atemstillstand. Bei dieser Krankheit wird es im Rachen so eng, dass die Atemwege für lange Sekunden verschlossen werden. Und solche Atmungsblockaden können sich Nacht für Nacht bis zu 600 Mal wiederholen. Bei der Schlafapnoe funktioniert die Atmung im Schlaf nicht einwandfrei, die Betroffenen erhalten nicht genug Sauerstoff und schlafen dadurch sehr schlecht.

Eine Ursache für Schlafapnoe kann in der Verengung der Atemwege im Rachenraum liegen. Aber auch Fehlleistungen im Teil des Gehirns, das für die Steuerung der Atmung im Schlaf zuständig ist, können solche Atemaussetzer verursachen.

Folgen von Schlafapnoe können sein:

  • Der gestörte Nachtschlaf kann extreme Tagesschläfrigkeit verursachen. Betroffene unterliegen erhöhten Unfall- und Verletzungsrisiken, da sie jederzeit – auch beim Autofahren – einschlafen könnten.
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Angstzustände, Depressionen. Manche Betroffene klagen auch über Kopfschmerzen und ein nachlassende sexuelle Lust. Bei Männern kann es zu Erektionsstörungen kommen.
  • Auch weitere Folgen wie Bluthochdruck, Herzversagen sowie Herz- und Schlaganfälle sind möglich.

Spezielle Therapieverfahren gegen Schlafapnoe

Ein Mann unter einer Beatmungsmaske. Eine Therapie für Schlaf Apnoe.
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CPAP-Therapie

Diese Therapie (continuous positive airway pressure) ist eine effektive Behandlungsmethode des Schlafapnoe-Syndroms: Der Schnarcher wird die ganze Nacht hindurch über die Nase – durch eine angepasste Nasenmaske – dauerbeatmet.

Durch den Beatmungsdruck werden die Atemwege offen gehalten, sodass sich Schlaf und Atmung wieder normalisieren. Die Beatmung mit diesem Gerät muss jede Nacht eingesetzt werden. Die Lebensqualität der Betroffenen steigt. Sie sind am Tag wieder wach, fühlen sich endlich erholt. Nachteil: Jede Nacht muss mit einer angepassten Nasenmaske geschlafen werden.

Aufbiss-Schienen

Hierbei kann einigen Patienten mit individuell angepasster Aufbiss-Schiene für Ober- und Unterkiefer geholfen werden. Die Atemwege werden offen gehalten, indem Kiefer, Zunge und weicher Gaumen leicht nach vorne verlagert werden. Der Arzt passt diese Schiene nach vorherigem Abguss individuell an.

Tages-Schnuller

Dieses Hilfsmittel mit Lippenkeil und Mundschutz wird vom Patienten tagsüber getragen. Dieser "Schnuller" soll die Muskulatur von Gesicht und Mund kräftigen.

Chirurgische Korrekturen

Physische Anomalien, die die Atmung im Schlaf ungünstig beeinflussen, können in manchen Fällen operativ korrigiert werden. Dazu zählen vergrößerte Mandeln und Polypen, sowie Missbildungen des Kiefers, weiche Gaumen und eine für die Atmung ungünstig verlaufende Nasenscheidewand.

Bei einer Operation wird mit einem Laser zielgerichtet das überschüssige Gewebe des Gaumensegels entfernt. Die Behandlung ist so ausgelegt, dass es zu einer Vernarbung und Schrumpfung des weichen Gaumens kommt. Doch Vorsicht! Laser-Operationen bergen auch starke Risiken: Schmerzen, Stimm – und Schluckstörungen können auftreten. Eine Garantie auf Erfolg gibt es nicht. Jedem Eingriff sollte eine gründliche Untersuchung vorangehen, in der geklärt wird, ob dem Patient überhaupt eine Operation nützt.

Unser Experte:

Prof. Dr. med. Thomas Wilhelm

Prof. Dr. med. Thomas Wilhelm

Facharzt für HNO-Heilkunde, Plastische Operationen, Spezielle HNO-Chirurgie und Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde in Borna.

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2018, 20:21 Uhr