Ein Mann wirft eine Zwei-Euro-Münze in ein Sparschwein.
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Leichter leben | 02.01.2018 | 17:00 Uhr Sparen wie "früher"

Bundesschatzbrief, Sparbuch oder Festzinssparen hören sich nach Sparen in der "guten alten Zeit" an, als es noch Zinsen gab. Doch was bringen diese Anlagen heute? Was tun mit alten Verträgen? Und wie kann der risikoscheue Sparer stattdessen sein Geld anlegen? Hermann-Josef Tenhagen kennt den Markt und die Zinsen. Er hat wertvolle Tipps.

Ein Mann wirft eine Zwei-Euro-Münze in ein Sparschwein.
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Die Ausläufer der Finanzkrise erreichen nach zehn Jahren auch die konservativsten Sparer. In Sachsen – und nicht nur in Sachsen – wollen Banken unliebsame Sparverträge loswerden, die Kunden vor einem Jahrzehnt abgeschlossen haben.

Damals waren die Verträge für die Banken lukrativ. Die Geldinstitute warben mit den höheren Zinsen, die nach einigen Jahren gezahlt werden sollten. Doch die anfänglichen Zinsen waren niedrig, die erwartbaren durchschnittlichen Zinsen über fünf oder zehn Jahre Laufzeit waren deutlich niedriger als die Zinsen bei konkurrenzfähigen Tages- oder Festgeldern. Für die Banken ein vermeintlich bombensicheres Geschäft.

Kunden sollten möglichst lange gebunden werden, um einen vorzeitigen Ausstieg oder Wechsel zu einem besseren Produkt oder Anbieter zu verhindern. Beispiele hierfür sind Bonussparverträge, die eine niedrige Grundverzinsung bieten und erst am Ende der Laufzeit eine Bonuszahlung ausschütten.

Niemand in den Geldinstituten rechnete damals mit einer langanhaltenden Niedrigzinsphase. Die Verträge der sächsischen Sparkassen sind kein Einzelfall.

Gut verzinste Altverträge

Eine Brille auf einem Antrag zur Riesterrente
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Auch ein erheblicher Teil der Riester-Banksparpläne des vergangenen Jahrzehnts basiert auf dem gleichen Prinzip – eine niedrige Anfangsverzinsung, die Jahr für Jahr steigt. Kunden, die solche Verträge abgeschlossen haben, bekommen eine für heutige Verhältnisse lukrative Verzinsung.

So kommen Sparvertrags-Kunden bei Banken in die gleiche Situation, in der Sparer bei Lebensversicherungen schon seit einigen Jahren sind. Je älter ihr Vertrag, desto besser die Verzinsung. Alte Verträge gilt es festzuhalten, neue nicht mehr abzuschließen.

Viele alte Verträge sind im Vergleich zu den neuen so gut, dass Kunden sie mit Zähnen und Klauen verteidigen sollten. Auch wenn Sparkassen oder Banken kündigen, sollte man sich mit juristischen Mitteln gegen solche Kündigungen wehren.

Geld richtig anlegen

Was aber tun, wenn das Geld jetzt zur Verfügung steht, wenn man jetzt anlegen muss?

Dann gilt eine einfache Drei-Schritt-Strategie:

Sparschwein
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Erstens, alle erreichbaren Kredite tilgen. Klassische Ratenkredite zum Beispiel fürs Auto können einfach und ohne große Kosten vorzeitig gekündigt werden, der Dispo auf dem Girokonto sollte zurückgezahlt werden.

Zweitens, das Tagesgeldkonto auffüllen. Zwei bis drei Monatseinkommen reichen, um nie wieder in den teuren Dispo zu müssen, auch wenn Kühlschrank und Auto parallel kaputtgehen.

Erst dann beginnt die klassische Geldanlage. Und zwar für kurze Fristen bis fünf Jahre mit einem Festgeldkonto. Erst jenseits der fünf Jahre machen risikoreichere Investitionen Sinn. Und jenseits einer Laufzeit von zehn Jahren werden die Verlustrisiken von guten Aktienindex-Anlagen sehr klein.

Wer fürs Alter spart sollte in jedem Fall die geförderte Altersvorsorge mit einem Riester-Vertag oder im Rahmen einer Betriebsrente prüfen. Oder tatsächlich eine selbstgenutzte Immobilie finanzieren, wenn dafür das Einkommen langfristig reicht. Das Objekt sollte man auch im Ruhestand bewirtschaften können, wenn beispielsweise die Dachrinne oder die Heizung kaputtgeht.

Mit einer solchen Strategie kommt man auch zehn Jahre nach der Finanzkrise gut und sicher durch das Anlagejahr 2018.

 

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2018, 18:35 Uhr