Eine Frau hält sich das Knie.
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Leichter leben | 08.11.2018 | 17:00 Uhr Unruhige Beine: Was beim Restless-Legs-Syndrom hilft

Quälende Unruhe, unangenehmes Kribbeln und Zucken oder Schmerzen in den Beinen: Für Betroffene ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS) häufig eine Qual. Was gegen das Nervenleiden hilft, erklärt Experte Dr. Thomas Dietz.

Eine Frau hält sich das Knie.
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Wer unter "Restless Legs" leidet, kommt nachts kaum zur Ruhe. Das Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, ist eine neurologische Erkrankung. Es bedeutet übersetzt Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine. Viel ist über diese Krankheit noch nicht bekannt. Klar ist bisher nur, dass die Ursache für die Nervenerkrankung genetisch bedingt ist. Bestimmte Faktoren wie Eisenmangel, Stress oder Medikamente können die Krankheit begünstigen.

Der Bewegungsdrang in den Beinen, seltener der Arme, tritt hauptsächlich in Ruhe auf – vor allem abends und nachts. Begleitend kommt es oft zu Missempfindungen in den Beinen.

Welche Symptome deuten auf RLS hin?

Betroffenen können die Beschwerden oft nicht genau bezeichnen und, die Symptome können von Patient zu Patient variieren. Es gibt aber charakteristische Merkmale:

Eine Holzpuppe fasst sich ans Knie.
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  • Betroffene spüren ein unangenehmes Spannungs- und Unruhegefühl in den Beinen, seltener auch in den Armen. Manche Betroffene beschreiben auch ein Prickeln, Reißen oder Stechen.
  • Betroffene haben das ständige Bedürfnis, sich zu bewegen, ihre Beinmuskeln anzuspannen oder zu dehnen.
  • Die unerträgliche Unruhe tritt vor allem abends und nachts auf, wenn sich die Betroffenen ausruhen oder schlafen möchten.


Symptome bessern sich vorübergehend durch Aktivität – z.B. wenn der Betroffene  umhergeht. Manche lindern, leider nur kurzfristig, das ungute Gefühl durch kalte Duschen oder massierender Beine.

  • Durch die Unruhe in den Beinen können die Betroffenen schwer einschlafen, oft nicht durchschlafen, tagsüber sind sie müde und dauererschöpft.

Wie wird die Diagnose RLS gestellt?

Der Arzt fragt zunächst nach der Krankengeschichte: wie äußern sich die Beschwerden, wann treten sie auf und ist jemand in der Familie betroffen? Danach wird eine körperliche und neurologische Untersuchung durchzuführen.

Mit dem sogenannten L-Dopa-Test lässt sich die Verdachtsdiagnose Restless Legs relativ sicher bestätigen. Dem Patienten wird eine Test-Dosis des Medikaments L-Dopa verabreicht. Bessern sich daraufhin die Beschwerden, ist ein Restless Legs-Syndrom wahrscheinlich. Bleibt der Effekt aus, sind die Restless Legs trotzdem nicht ausgeschlossen.

Da nicht nur das RLS Symptome wie Bewegungsdrang und Missempfindungen in den Beinen auslöst, sondern auch andere Erkrankungen dahinter stecken können, sind häufig noch folgende Untersuchungen sinnvoll:

  • Blut – und Urinuntersuchungen (Bestimmung von Eisen-, Nieren-, Schilddrüsenwerten, Vitamin B12 und Folsäure)
  • elektrische Untersuchungen der Nerven und Muskeln
  • Untersuchung des Schlafes – Schlaflabor

Was hilft bei RLS?

Seniorin hält sich das schmerzende Knie
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Hat sich das Syndrom aufgrund einer Erkrankung oder Störung entwickelt, reicht es manchmal aus, diese zu behandeln. Bei einem Eisenmangel erhält der Betroffene Eisen als Präparat oder Infusion.

Manche Medikamente können ein Restless-Legs-Syndrom verstärken. Eventuell ist es möglich, die Arzneien – in Abstimmung mit dem Arzt – gegen geeignetere zu tauschen.

Therapie mit Medikamenten

Bei einem Restless-Legs-Syndrom unbekannter Ursache können die Symptome mit Medikamenten behandelt werden. Das Syndrom selbst ist nicht heilbar.

Vielen Betroffenen helfen Wirkstoffe, die in anderer Dosierung auch gegen die Parkinson Krankheit eingesetzt werden, z.B. Dopamin-Präparate. Ungefähr so, wie der körpereigene Botenstoff Dopamin wirken diese Arzneien auf die Kommunikation der Nervenzellen.

Was kann man selbst tun, um Symptome zu lindern?

Jeder Mensch ist anders – deshalb sollte jeder Betroffene selbst probieren, was ihm hilft. Ein Allheilmittel gibt es leider nicht.

Bei leichteren Restless-Legs-Fällen lassen sich Beschwerden mit einfachen Maßnahmen lindern, wie zum Beispiel:

  • regelmäßige Bewegung ist gesund und kann unruhige Beine günstig beeinflussen, z.B. Spaziergänge, Gymnastik, Hometrainer
  • eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Eisen, Vitamin B12 und Folsäure enthält

Eine Frau beim Joggen.
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Vitamin B12 findet sich in tierischen Lebensmitteln, wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte. Lebensmittel mit viel Folsäure, z.B. in Spinat, Grünkohl, Brokkoli, Kichererbsen, Erdnüsse, Haferflocken. Lebensmittel als Eisenlieferant sind, z.B. Leber, Sesam, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte, Leinsamen. 

  • Wechselduschen und/ oder Fußbäder
  • warme oder kalte Wadenwickel
  • Beine massieren
  • Verzichten Sie einige Stunden vor dem Schlafen auf "Wachmacher", wie z.B. anstrengende körperliche Arbeit, Nikotin, Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee, Cola, Energie-Drinks
  • auf Mittagsschlaf verzichten, das kann den Nachtschlaf stören

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 18:17 Uhr