Eine Geldrolle wir von einer Person an eine andere Person weitergegeben
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Leichter leben | 16.01.2018 | 17:00 Uhr Geld-zurück-Portale: Was bringen sie wirklich?

Zugverspätungen oder Flugausfälle muss niemand einfach hinnehmen. Denn oft gibt es bares Geld zurück. Und viel kümmern muss man sich darum auch nicht mehr, behaupten neuerdings Portale, die versprechen, Ansprüche für die Kunden einzutreiben. Doch wer steckt hinter Firmen, die Fluggastrechte erstreiten oder Schadensregulierungen versprechen? Hermann-Josef Tenhagen hat sich die Anbieter genauer angesehen.

Eine Geldrolle wir von einer Person an eine andere Person weitergegeben
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Recht haben reicht nicht, man muss auch Recht bekommen

Viele Verbraucher schrecken vor dem Gang zum Anwalt und den Kosten zurück, vor allem wenn es um wenig Geld geht. Das erlaubt Firmen, mit Geschäftspraktiken durchzukommen, die nicht legal sind. Und es sorgt dafür, dass Kunden berechtigte Ansprüche nicht wahrnehmen.

Verbraucher können seit geraumer Zeit von einer neuen Riege von Start-ups profitieren, befinden die Experten von Finanztip.de. Diese Firmen bieten günstige Rechtsdienstleistungen an. Ob verspäteter Flug, zu hohe Miete oder die knifflige Regelung für den Fall schwerer Krankheit: Hier entstehen neue Firmen, die unkompliziert und günstig helfen.

Normalerweise muss man sich erst einen spezialisierten Anwalt suchen. Und der Gang vor Gericht ist immer mit dem Risiko verbunden, viel zahlen zu müssen, falls man den Prozess verliert. Oft stehen die möglichen Kosten in keinem Verhältnis zum Ertrag. Mit solchen Rechtsdienstleistern kann das nicht passieren. Wenn diese einen Fall annehmen, wickeln sie ihn in einem neuen standardisierten Verfahren ab und tragen auch das Prozessrisiko.

Hermann-Josef Tenhangen hat drei Beispiele zusammengetragen, wo diese Rechtsdienstleister inzwischen eine gute Alternative bieten:

Geld zurück dank Fluggasthelfern

Flughafen
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Urlaubszeit ist Servicezeit: Viele Deutsche wollen aus der heimischen Kälte in den sonnigen Süden und sich dort dann richtig verwöhnen lassen. Manchmal aber klappt es nicht mit dem Service, mit dem Flug, dem Hotel, der Ferienwohnung. Rechtlich haben Sie ganz gute Karten.

Aber wer will sich ausgerechnet im Urlaub herumärgern? Zumindest der Ärger mit Fluglinien lässt Sie bequem delegieren. Falls der Flug gar nicht oder erheblich verspätet gestartet oder gelandet ist, können Kunden unter Umständen drei Jahre lang eine Entschädigung verlangen. Die neuen Fluggasthelfer treiben diese für Sie ein. Besonders überzeugend sind EUClaim und Fairplane. Aber auch flug-verspaetet.de, refund.me und flightright sind gute Adressen.

Die Dienstleister tragen das Kostenrisiko, übernehmen den ganzen Papierkram und behalten dafür 25 bis 30 Prozent vom erstrittenen Geld ein. In der Regel müssen Kunden bis zu sechs Monate auf die Entschädigung warten – kommt es zu einem Prozess, kann es erheblich länger dauern. Manche Dienstleister zahlen das Geld sogar sofort aus, tragen also das volle Risiko. Dafür verlangen sie aber mehr als ein Drittel der ausstehenden Beiträge. Ein Beispiel bei Flugtickets heißt EU Flight.

Das Besondere an manchen der Rechtsdienstleister: Einige treiben Urteile voran. Das schafft Rechtssicherheit, und davon profitieren dann alle Verbraucher. Fairplane hat schon viele Urteile erstritten, sogar bis zum Europäischen Gerichtshof gingen sie dafür.

Die Mietpreisbremse durchsetzen lassen

Ein Mietvertrag liegt unter dem Bremspedal eines Autos.
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In mehr als 300 Städten in Deutschland müssen sich Vermieter an die Mietpreisbremse halten. Das bedeutet, dass der Mietpreis bei einer Neuvermietung nur 10 Prozent über der ortsüblichen Miete liegen darf. Allerdings ist eine höhere Miete zum Beispiel erlaubt, sofern der Vormieter sie bereits bezahlt hat. Für den neuen Mieter ist das schwer einzuschätzen, und in den großen Metropolen sind Wohnungssuchende ohnehin froh, wenn sie überhaupt etwas finden.

Da kommt der Anbieter wenigermiete.de, der Anfang 2017 in Berlin gestartet ist, gerade recht. Das Unternehmen bietet an, für Fälle in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Köln die Rechte des Mieters beim Vermieter durchzusetzen. Als Honorar nimmt der Anbieter einmalig ein Drittel der Jahresersparnis. Zwar gibt es noch nicht viele Erfahrungen mit dem Anbieter, aber: Die Preise sind fair, die Kostenstruktur transparent und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verbraucherfreundlich.

Vorsorgen für den Fall der Fälle

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
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Und auch beim Erstellen von Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen hilft der neuen Zweig der Rechtsdienstleister. Im Prinzip können Sie das mit Hilfe von Checklisten und Vordrucken selbst machen. Allerdings hat der Bundesgerichtshof im Sommer 2016 ein oft verwendetes Muster mit sehr allgemeinen Formulierungen für unwirksam erklärt. Deshalb: Kein Muster ersetzt eine fachkundige Beratung.

Wer sich also lieber helfen lässt, für den empfehlen die Experten von Finanztip.de den Rechtsdienstleister Patientenverfügungplus. Der erstellt anhand eines ausgeklügelten Online-Fragebogens ein gutes individualisiertes Vorsorgepaket mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Sorgerechtsverfügung. Das Ganze kostet 47 Euro, ein fairer Preis.

Wer sich doch lieber vom Rechtsanwalt im persönlichen Gespräch über ein Vorsorgepaket beraten lassen will, kann sich von Advocado an einen spezialisierten Anwalt in der Umgebung vermitteln lassen. Verbraucher zahlen dann einen Festpreis von 199 Euro für das Erstellen der Dokumente. Auch das ist nicht zu beanstanden, dürfen doch Anwälte schon für eine Erstberatung 180 Euro plus Mehrwertsteuer, also 216 Euro verlangen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2018, 16:09 Uhr