Skifahrer in Oberwiesenthal
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Leichter leben | 17.01.2019 | 17:00 Uhr Ihre Rechte und Pflichten im Winterurlaub

Für viele ist der Winterurlaub die erholsamste Form des Entspannens. Doch was, wenn im Skigebiet viel zu viel Schnee liegt oder auf der Piste ein Unfall passiert? Experte Gilbert Häfner hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Skifahrer in Oberwiesenthal
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Gibt es eine Pflicht zum Mitführen von Schneeketten?

Das Straßenverkehrsrecht in Europa ist nicht vereinheitlicht. Vor Fahrtantritt muss man sich daher über die einschlägigen Vorschriften des jeweiligen Reiselandes informieren. In Deutschland, Frankreich und der Schweiz etwa gibt es keine Pflicht zum Mitführen von Schneeketten. In Österreich hingegen muss der Führer eines Kraftfahrzeugs mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 t oder eines Busses mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz in der Zeit vom 1. November bis 15. April Schneeketten mitführen. In Italien ist während bestimmter Zeiten in bestimmten Gebieten das Mitführen von Schneeketten auch für Pkw vorgeschrieben.

Unter welchen Voraussetzungen müssen Schneeketten angelegt werden?

In Deutschland und wohl in allen anderen Alpenländern gilt, dass Schneeketten nur angelegt werden müssen, wenn dies durch ein Schild, das ein weißes Rad mit schwarzen Schneeketten auf blauem Grund zeigt, vorgeschrieben ist. Fehlt es an einer solchen Anordnung, dürfen Schneeketten nur angelegt werden, wenn die Straße schneebedeckt ist. Mit angelegten Schneeketten darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden.

Wie schnell darf man mit einer Dachbox fahren?

In Deutschland gibt es keine besondere Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit für das Fahren mit einer Dachbox. Allerdings sollte aus Gründen der Verkehrssicherheit die entsprechende Angabe in der Produktbeschreibung des Herstellers beachtet werden.

Haftet der Verkäufer oder Vermieter einer Skiausausrüstung, wenn die Einstellung der Skibindung nicht auf das fahrerische Können des Käufers bzw. Mieters abgestimmt ist und dieser sich hierdurch eine Verletzung zuzieht?

Einen Verkäufer oder Vermieter treffen Beratungspflichten. Wenn er diese Pflichten schuldhaft verletzt und deshalb ein Schaden eintritt, haftet er. Allerdings ist der Käufer bzw. Mieter einer Skiausrüstung auch gehalten, seine fahrerischen Fähigkeiten wahrheitsgemäß zu offenbaren, wenn die Einstellung der Skibindung besprochen wird. Insoweit kommt es auf den Einzelfall an, ob und welchem Umfang der Verkäufer oder Vermieter für die Folgen einer unsachgemäßen Bindungseinstellung einzustehen hat.

Welches nationale Schadensersatzrecht gilt, wenn ein Deutscher und ein Niederländer beim Skifahren auf einer österreichischen Piste zusammenstoßen?

Ein gestürzter Skifahrer
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Es findet in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union grundsätzlich das Schadensersatzrecht desjenigen Staates Anwendung, in dem sich der Unfall ereignet hat. Eine Ausnahme gilt, wenn die Unfallbeteiligten alle aus demselben Mitgliedstaat stammen; dann findet dessen Recht Anwendung. Auch in diesem Fall sind freilich die Verkehrsregeln des Mitgliedstaates maßgeblich, in dem sich der Unfall ereignet hat. Bei Unfällen auf der Skipiste sind in allen Alpenländern die vom Internationalen Skiverband aufgestellten FIS-Regeln zu beachten; auch die Gerichte dieser Mitgliedstaaten beurteilen die Schuldfrage anhand der FIS-Regeln.

Wer haftet, wenn ein Skifahrer von der Seite in die Piste einfährt und dabei durch einen von oben herabfahrenden Skifahrer erfasst und zu Fall gebracht wird?

Nach den vom Internationalen Skiverband aufgestellten FIS-Regeln hat der von hinten kommende Skifahrer oder Snowboarder seine Fahrspur so zu wählen, dass er vor ihm fahrende Personen nicht gefährdet und ihnen erforderlichenfalls ausweichen kann.  Er kann sich dabei auch nicht darauf verlassen, dass vor ihm befindliche Skiläufer ihre Fahrspur beibehalten oder dass niemand die Piste quert. Mit alldem muss vielmehr gerechnet werden. Der von oben kommende Skiläufer muss Fahrverhalten und Geschwindigkeit entsprechend anpassen.

Haftet die Skischule für die Folgen eines Unfalls, den ein Schüler während des Unterrichts erleidet?

Der Skilehrer ist aufgrund des Ausbildungsvertrages verpflichtet, den Skischüler anzuleiten und zu beaufsichtigen. Verletzt er schuldhaft diese Pflicht, muss die Skischule für einen hierdurch dem Skischüler entstehenden Schaden einstehen. Freilich ist der Skischüler gehalten, die fachlichen Anweisungen des Skilehrers zu befolgen. Weicht der Skischüler davon ab, wird es in der Regel an einem Verschulden des Skilehrers fehlen. Anderes gilt, wenn es sich dem weisungswidrigen handelnden Skischüler um ein Kind handelt; mit dem Fehlverhalten eines Kindes muss gerechnet werden, weshalb den Skilehrer insoweit eine gesteigerte Aufsichtspflicht trifft.

Kommt nach einem Skiunfall auf einer Piste im Ausland die gesetzliche Krankenversicherung für alle entstehenden Kosten auf oder ist eine Zusatzversicherung notwendig?

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nach einem Skiunfall im Ausland nur die in Deutschland üblichen Tarife. Eine Behandlung im Ausland ist aber oft teurer. Auch kommt die Krankenkasse nicht für den Rücktransport in den Heimatort auf. Daher empfiehlt sich der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. Bergrettungskosten werden hingegen von der privaten Unfallversicherung übernommen, alternativ bieten viele Skigebiete den Erwerb einer so genannten Pistenrettungskarte an. Zudem ist eine private Haftpflichtversicherung wichtig, die für Schäden aufkommt, die infolge eines durch eigenes Fehlverhalten verursachten Unfalls anderen Personen zugefügt werden.

Kann der Urlaubsgast vom Vertrag mit der Pension oder dem Hotel zurücktreten, wenn er den Urlaubsort wegen einer wetterbedingten Sperrung der Zufahrtsstraßen nicht erreichen kann?

Eine Straßensperre aufgrund der hohen Lawinengefahr am Sölkpass
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Der Vermieter der Unterkunft erwirbt seinen Entgeltanspruch dadurch, dass er dem Urlaubsgast die gebuchte Unterkunft im vereinbarten Zeitraum bereitstellt. Das Wegerisiko trägt der Urlaubsgast, der somit grundsätzlich das Entgelt auch dann entrichten muss, wenn ihn an der Verhinderung der Anreise kein Verschulden trifft. Eine Ausnahme gilt, wenn objektive Gründe einer Entgegennahme der angebotenen Beherbergungsleistung entgegenstehen. So wird der Urlaubsgast von der Zahlungspflicht frei, wenn der Urlaubsort wegen einer Naturkatastrophe oder Straßensperren allgemein unzugänglich ist. Dass er wegen derartiger Umstände "nur" einen beträchtlichen Umweg in Kauf nehmen muss, entlastet den Urlaubsgast freilich nicht. Werden die gesperrten Zufahrtsstraßen oder zumindest eine von ihnen nach dem vereinbarten Anreisetag, aber noch vor dem vereinbarten Abreisetag wieder geöffnet, hat der Urlausgast das vereinbarte Entgelt zeitanteilig zu entrichten, und zwar unabhängig davon, ob er tatsächlich noch anreist.

Gibt es einen Anspruch auf Rückerstattung des anteiligen Preises für den Wochenskipass, wenn sich der Urlauber bereits am zweiten Urlaubstag schwer verletzt und den Pass nicht mehr nutzen kann?

Von Gesetzes wegen gibt es keine Pflicht, Kosten für einen wegen Erkrankung nicht mehr nutzbringenden Skipass anteilig zu ersetzen. Viele Skigebiete leisten aber aufgrund entsprechender allgemeiner Vertragsbedingungen  eine Teilrückerstattung, wenn der Betroffene seine Erkrankung oder Verletzung durch eine ärztliche Bescheinigung nachweist.

Ist das Tragen eines Helms für Alpinskifahrer verpflichtend?

In Deutschland, Frankreich und der Schweiz gibt es keine Helmpflicht auf Skipisten. In einigen anderen europäischen Ländern ist allerdings für Kinder und Jugendliche das Tragen eines Helms beim Skifahren verbindlich vorgeschrieben, z. B. in Italien, Kroatien und in mehreren Bundesländern Österreichs. Soweit eine gesetzliche Helmpflicht besteht, ist diese meist bußgeldbewehrt und kann es zur Mithaftung des Verletzten führen, wenn dieser im Unfallzeitpunkt einen Helm nicht getragen hat. Ob Letzteres auch ohne Helmpflicht gilt, ist von der Rechtsprechung noch nicht abschließend geklärt.  

Ist es erlaubt, unter Alkoholeinfluss Ski zu fahren?

Drei Skifahrer bei der Abfahrt
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Eine verbindliche Regelung zum Alkoholverbot auf Skipisten gibt es nicht. Angesichts der üblicherweise gefahrenen Geschwindigkeit und der hieraus resultierenden besonderen Gefahrenträchtigkeit des Alpinski-Sports ist jedoch dringend zu empfehlen, den Genuss alkoholischer Getränke auf die Après-Ski-Party am Ende des Ski-Tages zu verschieben. Wird ein unter Alkoholeinfluss stehender Skifahrer einen Skiunfall verwickelt, kann sich dies bei der Haftungsabwägung zu seinen Ungunsten auswirken. Bei erheblichem Alkoholgenuss kommt zudem in Betracht, dass die Versicherung es wegen grober Fahrlässigkeit ablehnt, für den Schaden aufzukommen.

Riskiert ein Arbeitnehmer, der im Winterurlaubsort eingeschneit wird und daher nicht pünktlich an den Arbeitsplatz zurückkehrt, arbeitsrechtliche Konsequenzen?

Der Arbeitnehmer hat grundsätzlich dafür zu sorgen, dass er nach dem Urlaub rechtzeitig wieder am Arbeitsplatz erscheint. Anderenfalls riskiert er eine Abmahnung oder – falls er vorsätzlich eigenmächtig den Urlaub "verlängert" - unter Umständen sogar die Kündigung. Anders verhält es sich aber, wenn der Arbeitnehmer wegen unvorhersehbarer Witterungsverhältnisse (z. B. erheblicher Schneefall) an der Rückreise zur geplanten Zeit objektiv gehindert ist. In diesem Falle muss der Arbeitnehmer aber unverzüglich den Arbeitgeber informieren, damit dieser die notwendigen Maßnahmen treffen kann. Darüber hinaus kann der Arbeitgeber darauf bestehen, dass der Arbeitnehmer die versäumte Arbeitszeit nachholt oder hierfür Urlaub nimmt.

Kann bei einer gebuchten Skiurlaubs-Pauschalreise der Reisepreis gemindert werden, wenn am Urlaubsort kein Schnee liegt?

Es fällt grundsätzlich in das Risiko des Reisenden, ob am Urlaubsort die von ihm gewünschten Witterungsbedingungen vorherrschen. Daher haftet das Reiseunternehmen nicht für fehlenden Schnee am Zielort. Anders verhält es sich nur dann, wenn der Reiseveranstalter das Vorhandensein von Schnee ausdrücklich garantiert hat. In diesem Falle darf der Kunde je nach den Umständen des Einzelfalles den Reisepreis mindern oder vom Vertrag zurücktreten und ggf. auch Schadensersatzansprüche geltend machen.

Ein Reiseveranstalter für Winterurlaubsreisen wirbt mit einer Skischule vor Ort. Diese hat aber geschlossen. Welche Ansprüche hat der Reisende?

Kann der Reisende nach den werbenden Angaben des Veranstalters damit rechnen, dass vor Ort eine Skischule zur Verfügung steht, so ist die Reise mit einem Mangel behaftet, wenn diese während des Aufenthalts des Urlaubers geschlossen hat. Der Reisepreis kann in diesem Falle um einen angemessenen Betrag gemindert werden.

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 09:20 Uhr

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