Selbstverteidigung
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Leichter leben | 23.01.2018 | 17:00 Uhr Selbstverteidigung: Hilfe zur Selbsthilfe

Es gibt viele Menschen, die sich davor fürchten, Opfer einer Gewalttat zu werden. Viele, vor allem Frauen, haben sogar selbst schon demütigende oder bedrohliche Situationen erlebt – verbale und körperliche Übergriffe auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Disco, am Telefon oder sogar in der eigenen Wohnung. Kriminalrätin Ilona Wessner klärt im Studio auf, wie man sich in brenzligen Situationen am besten verhält und was man tun kann, damit es gar nicht erst soweit kommt.

Selbstverteidigung
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Jeder Mensch kennt Ängste!

Geraten Menschen in eine bedrohliche Situation, sind sie total überfordert und verfallen oft in Panik. Ein vernunftgesteuertes Handeln ist nicht mehr möglich. Frauen werden auch heute noch erzogen, still und zurückhaltend zu sein. Deshalb sind sie oft nicht in der Lage, aggressiv und konsequent gegen einen Angreifer vorzugehen. Da Frauen Männern kräftemäßig meist unterlegen sind, denken viele, dass ihre Gegenwehr erfolglos bleibt. Dabei wird aber vergessen, dass auch Männer körperliche Schwachstellen haben.

Wie kann ich mich behaupten?

Wichtig ist, dass Frauen erkennen: Selbstbehauptung beginnt im Kopf. Das beste Mittel gegen männliche Übergriffe hat die Frau in der Hand, die selbstbewusst weiß, wie sie Gefahrensituationen erkennen und sich dann für die richtige Reaktion entscheiden kann – sei es eine verbale Abgrenzung oder massive körperliche Gegenwehr.

Selbstbehauptung heißt:

  • hinschauen: Ich habe es im Blick, statt: Kopf in den Sand stecken, wenn ich nicht hinschaue, ist es vielleicht nicht wahr.
  • wahrnehmen: Mein ungutes Gefühl trügt mich nicht, statt: Das bilde ich mir doch ein, das war bestimmt nicht so gemeint.
  • entscheiden: Das lasse ich mir nicht gefallen, ich wehre mich.
  • handeln: etwa verbales Abgrenzen, selbstbewusste Körperhaltung, rechtzeitiges Ausweichen oder Hilfe holen, körperliche Gegenwehr (massiv, konsequent, überraschend)

Bei der körperlichen Gegenwehr geht es nicht darum, bestimmte Kampftechniken einzusetzen. In Selbstverteidigungs-Kursen zum Beispiel geht es um das Erlernen der Fähigkeit, angemessene physische und psychische Abwehrmittel effektiv einzusetzen. Solche Kurse werden in fast allen Bundesländern angeboten, wer mehr dazu wissen möchte, informiert sich am besten in den örtlichen Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen oder auf Portalen wie www.frauennotruf.de.

Selbstverteidigung als Notwehr Notwehr ist ein Recht jedes Einzelnen, das sogar im Gesetz fest verankert ist. Der Paragraf 32 StGB besagt, dass Notwehr eine Form der Verteidigung ist, um einen gegenwärtigen und rechtwidrigen Angriff von sich oder einer anderen Person abzuwehren. Die eigene Handlung ist dann rechtens.

Waffen zur Selbstverteidigung?

Seniorin steht in einer Haustür und hält Spraydose mit Reizgas
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  • Es gibt keine Waffen oder Geräte, die zur Abwehr generell und bedingungslos zu empfehlen sind. Es besteht immer die Gefahr, sich selbst zu verletzen.
  • Messer sind keine tauglichen Waffen zu angemessener Verteidigung nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
  • Mit Pfefferspray kann ein einzelner Angreifer bei überraschender Anwendung kurzfristig gestoppt werden, um die Flucht zu ermöglichen. Mit einem Farbspray kann der Angreifer markiert werden, damit er später schnell wiederzuerkennen ist. Die Dosen versprühen Farbe, die nur schwer zu entfernen ist.
  • Alternativen zu bewaffneter Verteidigung sind Signalgeräte (wie Trillerpfeifen) und Selbstbehauptung.

Flüchten und um Hilfe rufen

Wichtig ist es, sich von der Scheu zu befreien, irgendwo zu klingeln oder in einem Geschäft um Hilfe zu rufen. Wenn Sie um Hilfe rufen, dann sprechen Sie möglichst direkt und laut Menschen in Ihrer näheren Umgebung an. Also beispielsweise: "Sie da mit der grünen Jacke, bitte helfen Sie mir!"

Eine Möglichkeit ist es natürlich auch, brenzligen Situationen ganz aus dem Weg zu gehen. Also etwa als Frau nachts nicht alleine in einsame Gebiete gehen. Oder zum Beispiel den Aufzug zu wählen und nicht die Treppe.

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 10:06 Uhr